VERKEHRSSICHERHEITSPROGRAMM: 2004-ZIEL NICHT ERREICHT

Bis Jahresende voraussichtlich 875 Getötete im Straßenverkehr - Unfälle sogar leicht gestiegen - Schere zwischen Soll und Ist klafft immer weiter auf

Wien (OTS) - Das Verkehrssicherheitsprogramm hat sich bis zum Jahr 2010 ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten soll bis dahin um die Hälfte, die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen zu Schaden kommen, um 20 Prozent gesenkt werden (Basis: Unfallzahlen 1998-2000). Konkretes Ziel bis Ende 2004:
Maximal 39.958 Unfälle und 755 Getötete. Fest steht jedoch: Beides wird heuer nicht erreicht.

Die Zahl der Verkehrstoten sinkt in den letzten Jahren zwar stetig, von den Vorgaben des Verkehrssicherheitsprogrammes ist man jedoch noch weit entfernt. Im Gegenteil: Die Schere zwischen Soll und Ist klafft immer weiter auf. Das angepeilte Ziel wurde im vergangenen Jahr bereits um 100 Getötete überschritten, heuer sind es voraussichtlich bereits rund 120. Prognosen des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) zufolge wird sich dieser Trend auch im kommenden Jahr fortsetzen (rund 850 Getötete, 132 über dem Ziel).

Bedenklich ist auch die Entwicklung der aller Verkehrsunfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet werden. Die Zahl dieser Unfälle ist in den letzten Jahren sogar leicht gestiegen. Das heuer angestrebte Ziel (maximal 39.958 Verkehrsunfälle) wird voraussichtlich um rund 3.800 Fälle überschritten. Auch hier wächst die Differenz zwischen Soll und Ist stetig: Die Experten rechnen im kommenden Jahr mit einer Überschreitung des Wunschzieles um etwa 5.650 Verkehrsunfälle mit Personenschaden.

Verkehrssicherheitsprogramm: Guter Plan - schleppende Umsetzung

"Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache", analysiert Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit. "Die vorgegebenen Maßnahmen werden offensichtlich zu wenig umgesetzt. Um das 2010-Ziel noch zu erreichen, besteht massiver Handlungsbedarf." Erste Schritte in die richtige Richtung wurden im alten Jahr bereits unternommen: Die Einführung des Punkteführerscheins steht - nach mehrmaligen Anläufen - kurz bevor, ein aktueller Gesetzesentwurf erlaubt erstmals den Einsatz von Alkoholvortestgeräten und die Strafhöhen für Gurtmuffel und Handysünder werden in Kürze angehoben. "Alles wesentliche Schritte in die richtige Richtung im Kampf gegen den Verkehrstod", resümiert Thann "Doch jetzt müssen den Entwürfen auch Gesetze und Taten folgen!"

Die Gefahrenquellen: Jung, betrunken und ungeschützt

Die Dringlichkeit dieser Maßnahmen zeigt sich vor allem in der Detailanalyse der Risikogruppen: Hauptproblem auf Österreichs Straßen stellen nach wie vor junge Lenker zwischen 18 und 24 Jahren dar. Sie sind in mehr als 36 Prozent aller Unfälle verwickelt. Die Unfallzahlen dieser Altersgruppe haben sich in den letzten Jahren nicht - wie angestrebt - nach unten bewegt.

Auch in puncto Alkohol am Steuer ist derzeit keine Besserung in Sicht. Bis Jahresende werden sich laut Hochrechnungen etwa gleich viele Alkoholunfälle wie im Vorjahr (rund sieben Prozent des gesamten Verkehrsunfallgeschehens) ereignen - die Zahl der Verletzten wird voraussichtlich sogar um 2,6 Prozent steigen. Der Trend zeigt: Vor allem die 18- bis 24-jährigen stellen ihre Trinkfreudigkeit beim Auto fahren immer häufiger unter Beweis.

Besonders gefährdet sind nach wie vor die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Berechnungen bis Ende 2004 zeigen: Der Anteil der im Straßenverkehr getöteten Fußgänger wird im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent steigen, jeder vierte verletzte Fußgänger ist ein Kind.

So kommt Österreich wieder auf Kurs!

Fazit: Im neuen Jahr muss so manche Hausaufgabe erledigt werden. Neben der längst überfälligen Einführung von Vormerksystem und Alkoholvortestgerät sind vor allem die Themen "Licht am Tag" und "Sicherer Schutzweg" von Bedeutung. Weiters müssten Unfallhäufungsstellen verstärkt saniert und Temposündern Einhalt geboten werden. Ebenso plädiert das KfV dafür, die Winterreifenpflicht endlich in Angriff zu nehmen.

Wien, 21. Dezember 2004

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