AKNÖ-Staudinger: Änderung der Einlagensicherung konsumentenfeindlich

Wien (AKNÖ) - Wer 20.000 Euro auf dem Konto hat, konnte bisher davon ausgehen, dass er bei einer Pleite seiner Bank sein gesamtes Geld zurückbekommt. Das ändert sich, wenn morgen Dienstag im Ministerrat die Neuregelung der Einlagensicherung beschlossen wird. Private Sparer erhalten im Fall einer Bankeninsolvenz dann spätestens 2006 nicht mehr ihr gesamtes Guthaben bis zu 20.000 Euro zurück. Nur mehr 7.000 Euro sollen zur Gänze abgesichert sein. Für darüber hinaus gehende Guthaben soll bis maximal 30.000 Euro ein 10prozentiger Selbstbehalt eingeführt werden.
Erhielt also ein Konsument, der 20.000 Euro auf dem Sparbuch hatte, bisher im Fall einer Pleite seiner Bank den vollen Betrag, so sollen es nach den Vorstellungen des Finanzministers in Zukunft nur mehr 18.700 Euro sein.

96 Prozent aller Spareinlagen betroffen

Laut Angaben der Österreichischen Nationalbank haben 84 Prozent aller Spareinlagen einen Betrag bis 10.000 Euro, weitere 12 Prozent einen Betrag bis 20.000 Euro. - Die Konsumentenschützer der NÖ Arbeiterkammer sprechen sich deshalb vehement gegen die geplante Selbstbehaltregelung aus. "Für den überwiegenden Teil der Sparer, die eine sichere Veranlagung suchen, würde die Neuregelung eine Schlechterstellung bedeuten", kritisiert AKNÖ-Präsident Josef Staudinger.
Es reiche nicht aus, nur die Guthaben bis 7.000 Euro zu schützen. "Wir fordern, dass für private Sparer bis 20.000 Euro gar kein Selbstbehalt eingeführt wird und erst der darüber liegende Anteil bis 30.000 Euro einem Selbstbehalt von 10 Prozent unterworfen wird", so Staudinger.

Guthaben wird addiert

Wer denkt, dass die "Stückelung" höherer Einlagen in mehrere Sparbücher beim selben Kreditinstitut zu je 7.000 Euro ein Ausweg sein könnte, irrt: Bei der Bemessung des Selbstbehalts werden alle Guthaben des jeweiligen Sparers bei der vom Konkurs betroffenen Bank addiert. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss also zähneknirschend das mühsam Ersparte auch zu Banken und Sparkassen tragen, welche vergleichsweise weniger Zinsen hergeben oder weit höhere Spesensätze verrechnen.

"Damit bereitet man den Weg dafür auf, dass Kunden wieder zum Opfer unseriöser Anlageberater werden. Viele werden sich denken: Wenn mein Geld ohnehin nicht 100prozentig gesichert ist, kann ich auch gleich ein Spekulationsrisiko eingehen - mit der Chance auf höheren Zinsertrag", meint AKNÖ-Bankenexperte Ernst Hafrank. Die Pläne des Finanzministers könnten auch dazu führen, dass Konsumenten ihr Geld im Ausland veranlagen, da Direkt-online-Banken meist höhere Zinsen anbieten - wenn auch bei höheren Kontospesen. Die Einlagensicherung ist jedoch EU-weit nicht einheitlich geregelt. So sei etwa das deutsche System nicht klar auf den einzelnen Anleger herunterzubrechen und daher undurchsichtiger. Diese Informationen seien den österreichischen Konsumenten aber so gut wie nie zugänglich, so Hafrank.

AKNÖ-Präsident Josef Staudinger kritisiert: "Von dieser Maßnahme sind vor allem jene betroffen, die ohnehin auf jeden Cent schauen müssen und nur mit Müh und Not für Notfälle vorsorgen können. Sie können nicht so einfach auf 10 Prozent verzichten."

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