Wiener Gemeinderat (2)

Aktuelle Stunde

Wien (OTS) - Im Anschluss an die Fragestunde fand eine von der ÖVP eingebrachte Aktuelle Stunde zum Thema "Vorschulische Sprachförderung im Kindergarten - Wiener SPÖ verschläft seit Jahren eine wichtige Bildungschance" statt.

GR Walter Strobl (ÖVP) erklärte, die "PISA-Studie" hätte bewiesen, dass seine Forderung nach kostenlosen Kindergartenplätzen die richtige sei. Vorschulische Maßnahmen seien für die zukünftige Bildung wichtig. Am schlechten Abschneiden bei "PISA" sei primär der hohe Ausländeranteil an den Wiener Schulen schuld. Daher würde ein frühes Vorschulprogramm allen Schichten zugute kommen. Er bezeichnete die Wiener Schulpolitik als wörtlich "unfähig".

GR Susanne Jerusalem (Grüne) bekannte sich zur Mehrsprachigkeit in Kindergärten und Schulen. Die ÖVP hätte sich in der Bildungspolitik "lächerlich" gemacht und hätte "auf ganzer Linie versagt". Bildungsministerin Elisabeth Gehrer gehöre abgelöst. Die Verantwortung auf Wien zu schieben mache keinen Sinn. Eine individuelle Förderung sei wichtig, solle aber in einem gemeinsamen Verband geschehen. Die Herkunft der Kinder dürfe nicht über ihre Bildungszukunft entscheiden.

GR Mag. Heidrun Schmalenberg (FPÖ) betonte die Wichtigkeit der Sprachförderung. Es hätte in den letzten Jahrzehnten schwere Versäumnisse in der Integrationspolitik gegeben. So würden etwa österreichische Kinder in Wiener Kindergärten türkische Lieder singen. Das sei "multikulti", sagte Schmalenberg. Die schlechten Sprachkenntnisse der ausländischen Kinder wären für die Lehrer eine Zumutung. Abschließend forderte sie für Familien mit vielen Kindern kostenlose Kindergartenplätze.

GR Heinz Vettermann (SPÖ) betonte im Hinblick auf GR Schmalenberg, dass vor allem FPÖ-Gemeinderäte Sprachprobleme hätten. Die so genannten "Defizit-Schultests" lehne er ab. Die Schuld von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer wegzuschieben, bezeichnete er als "starkes Stück". Vettermann hob die Wichtigkeit von Freiwilligkeit bei Kindergartenangeboten hervor. Nur 28 Prozent der Eltern würden den vollen Preis für Kindergartenplätze zahlen, ein Drittel wäre ganz befreit, so Vettermann abschließend.

GR Claudia Sommer-Smolik (Grüne) meinte, die ÖVP hätte endlich verstanden, dass der Kindergarten keine reine Betreuungsstelle sei. Die Kindergartenmilliarde hätte die ÖVP gestrichen, das sei ein "Wahnsinn". Die ÖVP sei daher mit ihren jetzigen Forderungen unglaubwürdig. Die Sprachförderung sei von großer Bedeutung, aber die Vorziehung der Schule in den Kindergarten werde es mit den Grünen nicht geben.

GR Mag. Barbara Feldmann (ÖVP) appellierte an die GemeinderätInnen, dem "ÖVP-Vorschlag" eine Chance zu geben. Es sei wichtig, die Sprache so früh wie möglich, zu erlernen. 19 Prozent der Wiener Pflichtschüler seien wegen Sprachmängel unbeurteilbar. Die Kinder gehörten daher auf die Schule vorbereitet, und sie forderte in diesem Zusammenhang eine Aufklärungskampagne für MigrantInnen. Vorschulische Sprachförderung würde allen zu Gute kommen, sagte Feldmann abschließend.

GR Ing. Herbert Rudolph (FPÖ) stellte fest, dass diese Debatte nicht neu sei. Ausländische Kinder müssten für ihre eigenen Bildungs-und Lebenschancen schon vor der Schule deutsch lernen. Darüber hinaus würde die "PISA-Studie" zeigen, dass nicht die Mädchen, sondern die Burschen in der Schule benachteiligt würden. Die Sprachförderung im Vorschulbereich sei von größter Wichtigkeit und zum Wohle der Kinder.

GR Martina Ludwig (SPÖ) kündigte für 2005 eine Informationskampagne für MigrantInnen an. Die Kindergartensituation in Wien sei beispielgebend, so würde es nur in Wien flächendeckend Kindertagesheime geben. Weiters seien die Kindergartenbeiträge gestaffelt. Ludwig verwies auf die Zuständigkeit des Bundes und die gestrichene Kindergartenmilliarde. Abschließend forderte sie die ÖVP auf, sich für die Wiedereinführung der Kindergartenmilliarde einzusetzen. (Forts.) kwc/rr

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