Finanzmarktaufsicht veröffentlicht Mindeststandards zu den Informationspflichten für Pensionskassen.

FMA-Vorstand Dr. Traumüller: "Unsere Transparenzoffensive für Vorsorgeprodukte erleichtert dem mündigen Konsument, die für seine Bedürfnisse maßgeschneiderte Altersvorsorge zu finden."

Wien (OTS) - Im Zuge ihrer Transparenzoffensive hat die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) nun den zweiten Mindeststandard zu den Informationspflichten für Vorsorgeprodukte veröffentlicht: Nach dem "FMA-Mindeststandard für die Informationspflichten in der Lebensversicherung", der vor wenigen Wochen publiziert worden ist, folgte nun der "FMA-Mindeststandard für die Information von Pensionskassen an Anwartschafts- und Leistungsberechtigten". "Mit der rasch zunehmenden Bedeutung der zweiten und dritten Säule der Altersvorsorge - und vor allem im Licht der Auswirkungen der Kapitalmarktentwicklungen der vergangenen Jahre - ist der Bedarf an aussagekräftigen vergleichbaren Informationen für interessierte Konsumenten gestiegen", so das zuständige FMA-Vorstandsmitglied Dr. Heinrich Traumüller. "Diese beiden FMA-Mindeststandards sollen es dem mündigen Verbraucher erleichtern, die für seine Bedürfnisse maßgeschneiderte finanzielle Absicherung des Ruhestandes zu finden."

Ziel beider Mindeststandards ist es, die Anbieter von Vorsorgeprodukten zur Einhaltung gewisser Informationsstandards gegenüber dem Leistungsberechtigten anzuhalten - und zwar bereits vor und beim Vertragsabschluss, während der Ansparphase und im Leistungsfall. Es sind dazu zwei separate Mindeststandards erforderlich, da im Fall der Lebensversicherung der spätere Leistungsberechtigte selbst Vertragspartner ist, im Fall der Pensionskasse der Vertrag vom Arbeitgeber des späteren Leistungsberechtigten verhandelt und abgeschlossen wird.

FMA-Mindeststandard Pensionskassen

Der "FMA-Mindeststandard für die Information von Pensionskassen an Anwartschafts- und Leistungsberechtigte" schafft drei tragende Säulen:

  • Die jährliche Information über die Eigenleistung und die Leistung des Arbeitgebers, damit der Arbeitnehmer dies kontrollieren kann.
  • Verständliche Informationen über die Grundsätze der Veranlagungspolitik und die damit verbundenen Risiken.
  • Sowie regelmäßig realistische Prognosen über die voraussichtliche Pensionshöhe, um eine eigenverantwortliche Lebensplanung zu ermöglichen.

Die Anwartschaftsberechtigten sind bereits bei Einbeziehung in eine Pensionskassenzusage umfassend zu informieren. Die Pensionskasse hat dabei den Arbeitgeber bezüglich der Informationen an Anwartschaftsberechtigte zu unterstützen, insbesondere über

  • die Funktionsweise einer Pensionskasse,
  • sowie den Leistungsumfang ihrer Pensionszusage.

Weiters werden für zukunftsorientierte Leistungsdarstellungen die Parameter für die Hochrechung begrenzt.

Während der Vertragslaufzeit sind die Anwartschaftsberechtigten jährlich über

  • die eingezahlten Beiträge,
  • die erworbenen Pensionsansprüche,
  • sowie eine allfällige Änderung der Anlagepolitik zu informieren.

Die Pensionskasse soll anhand einer zukunftsbezogenen Darstellung dem Anwartschaftsberechtigten ein möglichst realistisches Bild seiner zu erwartenden Leistung geben. Um den Prognosecharakter zu verdeutlichen, wird bei beitragsorientierten Pensionszusagen zusätzlich die Leistungsdarstellung in Form einer Korridorangabe empfohlen.

Ab Pensionszahlungsbeginn sollen den Leistungsberechtigten unter anderem folgende Informationen gegeben werden:

  • Pensionshöhe,
  • Pensionszahlungsmodalität,
  • Grundlagen der Versteuerung,
  • allfällige Änderungen der Anlagepolitik.

Beim Austritt aus dem Unternehmen vor Pensionsleistung ist der Anwartschaftsberechtigte über

  • die Höhe des Unverfallbarkeitsbetrages
  • und die möglichen Verfügungsarten über den Unverfallbarkeitsbetrag schriftlich zu informieren.

FMA-Mindeststandards Lebensversicherung

Vorab ist grundsätzlich sicherzustellen, dass die Werbung für Vorsorgeprodukte nicht irreführend sein darf.

Bei Vertragsabschluss ist der Versicherungsnehmer - über das anwendbare Recht sowie die zuständige Aufsichtsbehörde, - über die Möglichkeiten der Vertragsbeendigung, - und über die verschiedenen technischen Parameter seines Vertrages nachweisbar verständlich zu informieren.

Die Effektivverzinsung (die Rendite des Versicherungsvertrages im Erlebensfall) ist dem Versicherungsnehmer auf Anfrage bekannt zu geben.

  • Eine etwaige Gewinnbeteiligung ist transparent darzustellen.
  • Die Versicherungsleistung darf nur anhand der letzten Gewinndeklaration prognostiziert werden; es ist eine Korridordarstellung zu machen; die Unverbindlichkeit der Prognosedarstellung ist deutlich auszuweisen.

Für fonds- und indexgebundene Lebensversicherungen wurden die Anforderungen an die Information vor Abschluss des Vertrages verschärft und klar spezifiziert: Vor allem hat die Leistungsdarstellung auf Basis einer angenommenen Fondsperformance von 0%, 3% und 6% zu erfolgen.

Bei Produkten der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge müssen ausdrücklich deren Besonderheiten dargestellt werden.

"Diese beiden FMA-Mindeststandards zu den Informationspflichten sind nur Teil eines Gesamtpaketes zur Verbesserung der Transparenz von Vorsorgeprodukten", stellt FMA-Vorstand der Dr. Traumüller klar. Sie entfalten ihre volle Wirkung erst im Zusammenspiel mit weiteren Maßnahmen wie etwa der einfachen und allgemein verständlichen Darstellung der Funktionsweise des österreichischen Pensionskassensystems auf der Website der FMA (www.fma.gv.at) sowie der ebenfalls dort zu findenden Erklärung der wesentlichen Parameter bei Lebensversicherungen.

Dr. Traumüller begrüßt in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass die Pensionskassen nun laufende Performancedaten - getrennt nach betrieblichen und überbetrieblichen Pensionskassen sowie aufgegliedert nach standardisierten Anlagestrategien - über die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) veröffentlichen. "Dieses Gesamtpaket ist ein wesentlicher Beitrag, dem mündigen Konsumenten zu ermöglichen, rationale Vorsorgeentscheidungen zu treffen", so der FMA-Vorstand.

Rückfragen & Kontakt:

Klaus Grubelnik (FMA-Mediensprecher)
++43/(0)1/24959-5106
++43/(0)676/88249516

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0001