WirtschaftsBlatt Kommentar vom 16.12.2004: Billa bleibt mächtig und darf es sein - von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Die Marktmacht der grossen Handelsketten wie Billa/Merkur, Spar oder der beiden Möbelriesen ist gewaltig und ungebrochen - auch gegenüber ihren Lieferanten. Das ist in einfachen Worten das Ergebnis des sehr auskunftsfreudigen Sonderberichts der Bundeswettbewerbsbehörde.
So steht das natürlich nicht drin. Man kann den Text auch in frommer Grundeinstellung lesen und erfährt, "dass Stil und Vorgangsweise mächtiger Unternehmungen des Lebensmitteleinzelhandels deutlich zu dem übergegangen sind, was das Nahversorgungsgesetz ,kaufmännisches Wohlverhalten’ nennt". Damit wäre ja alles so harmonisch wie Senf und Knackwurst.
Dem ist natürlich überhaupt nicht so, aber im harten Wirtschaftsleben entscheidet letztlich kein Gericht und auch keine Wettbewerbsbehörde darüber, wer wen über den Tisch zieht. Der Stärkere hat recht. Den schmalbrüstigen Lieferanten mag vor Zorn die Luft wegbleiben, wenn ihnen die Handelskette die Verdienstspanne gegen null drückt. Aber wenn sie vor die Wahl gestellt werden, entweder das subjektiv verspürte Unrecht öffentlich anzuprangern oder mit ihren Waren in den Regalen zu bleiben, dann schweigen sie. Oder behaupten, sie hätten lediglich davon gehört, dass es Druck gäbe. Hunderte Opfer, aber weder Kläger noch Zeugen.
Und von aussen her ist der Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung im kartellrechtlichen Sinn kaum nachzuweisen. Dieses Eingeständnis liefert die Wettbewerbsbehörde gleich mit.
Die kleinen Produzenten und Lieferanten haben es jetzt schwarz auf weiss, dass ihnen nicht zu helfen ist. Wollen sie im schlechten Geschäft bleiben, müssen sie blechen. Die Bezeichnungen für Rabatte, Abschläge und "Eintrittsgebühren" sind sonder Zahl, die Betroffenen dürfen also vor Anwendung der Instrumente wenigstens noch gustieren, wie sie es haben wollen. Aber der korrekte Übertitel müsste lauten:
Schutzgeldtarife im Handelsgeschäft.
Die Konsumenten bekommen, was sie verlangen beziehungsweise was ihnen die Werbung als Wert eintrichtert, nämlich das immer noch Billigere. Ein auf Umsatz und Flächendeckung bedachter Anbieter kann nur expandieren, wenn er das Signal der Zeit hört und beachtet, so grauslich und kulturlos es ist: Geiz ist geil. Es ist die Sprache einer Konsumgesellschaft, die ihre Lebensqualität nach Tiefst- und Ausverkaufspreisen definiert.

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