Umfrage: Macht Weihnachten krank?

Eine repräsentative Umfrage des Fonds Gesundes Österreich bringt Widersprüchliches zutage

Wien (OTS) - Wie gesund leben die ÖsterreicherInnen zur Weihnachtszeit? Macht uns "die stillste Zeit des Jahres" krank? Der Fonds Gesundes Österreich befragte - wie schon 1999 und 2003 - Anfang Dezember 2004 insgesamt 500 ÖsterreicherInnen im Rahmen einer bundesweiten telefonischen Umfrage. Die ÖsterreicherInnen teilen sich in punkto Weihnachten in 4 Gruppen: 39% sind Festtagsgenießer, ein Viertel (24%) Festtagsromantiker, 21% Festtagspragmatiker und 16% Festtagsgegner.

"Die Umfragedaten zeigen, wie weit Wunsch und Wirklichkeit auseinander klaffen. Fast alle ÖsterreicherInnen wünschen sich Gesundheit, Frieden und besinnliche Tage im Kreis der Familie, erleben aber oft Hektik, Konsumzwang und Streit um den Festtagsbraten. An den Feiertagen wird exzessiv gegessen, nach den Feiertagen plagt dann offensichtlich das schlechte Gewissen und die ÖsterreicherInnen trachten danach, die Es(s)kapaden der Festtage wieder wett zu machen.", fasst Dennis Beck, Geschäftsführer des Fonds Gesundes Österreich, die Ergebnisse der Umfrage zusammen. Zuversichtlich stimmt ihn ein weiterer Befund: "Hätten die ÖsterreicherInnen einen Wunsch ans Christkind frei, sind vorweihnachtliche Hektik und Konsumrausch vergessen: 80 wünschen sich Immaterielles (Gesundheit, Weltfrieden), nur 10% wünschen sich Weihnachten unter Palmen, Reichtum und anderes Materielles."

Im folgenden finden Sie einen Auszug der zentralen Ergebnisse. Die gesamte Unfrage, die im Auftrag des Fonds Gesundes Österreich vom Meinungsforschungsinstitut ISMA durchgeführt wurde, steht unter www.fgoe.org/weihnachten.htm zum download bereit.

"Die stillste Zeit" - Widersprüchliches zwischen Hektik und Besinnlichkeit

Im Advent und zu Weihnachten sehnen sich die ÖsterreicherInnen nach Harmonie und Spiritualität: 97% legen Wert auf den Zusammenhalt der Familie, 90% sehnen sich nach Stille und Besinnung, knapp 90 Prozent möchten mehr Zeit mit FreundInnen und Bekannten verbringen und 72% würden gern den religiösen und traditionellen Charakter von Weihnachten stärker betonen.

Dieser Erwartung steht allerdings eine nüchterne Einschätzung der Realität gegenüber: während gut die Hälfte (51%) der ÖsterreicherInnen den Advent tatsächlich als "stillste Zeit" erleben, lehnen 49% diese Charakterisierung ab. Für Drei Viertel der ÖsterreicherInnen hat "Weihnachten seinen eigentlichen Sinn verloren, weil der Konsumgedanke die Oberhand gewonnen hat".

O du fröhliche ...? Weihnachten als Auslöser für Stress,

Streit und Ängste

Die Schattenseite des Familienfestes - Weihnachten als Zeit der Einsamkeit, des Streits und der Traurigkeit - nehmen fast die Hälfte (46%) der ÖsterreicherInnen wahr, 12% der Befragten haben Angst davor, zu Weihnachten alleine zu sein. Für 7% der ÖsterreicherInnen ist die Weihnachtszeit gar Auslöser für depressive Verstimmungen, bei den allein Lebenden trifft es jede/n Fünfte/n (20%).

Für fast ein Drittel (31%) birgt die familiäre Geselligkeit auch Konfliktstoff: sie geben zu, durch die üblichen Verwandtenbesuche in den Weihnachtsfeiertagen ordentlich genervt zu sein. 18% der ÖsterreicherInnen würden am liebsten dem Weihnachtstrubel entgehen und weit weg in den Urlaub fahren, ein gutes Drittel (34%) ist dann sehr froh, wenn Weihnachten vorbei ist.

Fromme Wünsche an das "Christkind"

Hätten die ÖsterreicherInnen einen Wunsch an das Christkind frei, der in Erfüllung gehen sollte, zeigt sich als erfreuliches und überraschendes Ergebnis: für 80% der ÖsterreicherInnen sollten immaterielle und lediglich für 10% materielle Wünsche in Erfüllung gehen. Weitere 10% der Befragten sind wunschlos.

Bei den immateriellen Wünschen steht das Thema Gesundheit, auf das zusammengefasst 50% der Nennungen fallen, an vorderster Stelle. Weitere prominente Nennungen sind der (Welt)Frieden (11%), Harmonie in der Familie/Partnerschaft (7%) und Glück/Zufriedenheit (5%).

Beim Materiellen werden an erster Stelle, wohl auch jahreszeitbedingt, Fernreisen bzw. Urlaube in exotischen Ländern ersehnt, gefolgt von finanziellen Wünschen.

Alt und Jung

Deutlich unterschiedlich das Empfinden der älteren und jüngeren Generation: 82% der über 70-Jährigen sehen Weihnachten als die "Stillste Zeit im Jahr", bei den 16-29 Jährigen sind es nur ein gutes Drittel (36%). Für die Jungen hat das Fest eher Event-Charakter, beim Essen wird von Drei Viertel (74%) über die Stränge geschlagen, während nur ein gutes Drittel (35%) der über 70-Jährigen angeben "zu viel und ungesund zu essen". Nur 19% der Jüngsten und noch in Ausbildung befindlichen sehnen sich das Ende der Feiertage und damit der Ferien herbei, während es bei den über 70-Jährigen 43% sind. Auch bei den "Wünschen an das Christkind" zeigt sich eine deutliche Altersverteilung: 20% der unter 29-Jährigen äußern materielle Wünsche, bei den über 70-Jährigen sind es nur 3%.

Clusteranalyse

Zur Analyse der grundlegenden Einstellungen gegenüber der Weihnachtszeit wurden die Umfragedaten einer Clusteranalyse unterzogen und es konnten vier deutlich differenzierte Segmente von Einstellungsgruppen diagnostiziert werden.

39% Festtagsgenießer:

Weihnachten vor allem als Feiertagsevent erlebt - auch im Sinn von arbeitsfreien Tagen. Es wird gut gegessen und getrunken, man nimmt die Annehmlichkeiten auf faktischer und symbolischer Ebene entgegen. Die Festtagsgenießer feiern Weihnachten im Kreis der Familie und genießen das auch. Das positive Gesamterlebnis "Weihnachten" ist so stark, dass Kritik am Fest und seinem Umfeld in den Hintergrund tritt und der Sinn nicht in Frage gestellt wird. Zwei Drittel bedauern das Ende der Feiertage.

Charakteristik:

  • 62% sind zwischen 16 und 44 Jahren alt
  • jede/r Dritte ist Angestellte/r
  • 30% haben Matura bzw. einen Hochschulabschluß
  • 52% leben mit Kindern im gemeinsamen Haushalt

24% Festtagsromantiker:

Die Festtagsromantiker erleben Weihnachten stark stereotypisiert, wobei vor allem althergebrachte und religiös tradierte Werte der Verinnerlichung in den Vordergrund gestellt werden. Die negativen Aspekte hingegen werden weitgehend ausgeblendet. Zu Weihnachten wird - offenbar wie auch im übrigen Jahr - vernünftig getrunken und gegessen, Zeit mit angenehm erlebten Verwandtschaftsbesuchen verbracht und man fühlt sich mit der Familie bzw. dem Partner wohl.

Charakteristik:

  • mit 62% der stärkste Frauenanteil
  • jede/r Zweite (46%) ist Pensionist/in
  • jede/r Zweite ist älter als 49 Jahre
  • der Anteil an MaturantInnen und AkademikerInnen beträgt lediglich 14%
  • 40% leben in einem Zweipersonenhaushalt

21% Festtagspragmatiker

Charakteristisch ist der nüchterne, wenn auch durchaus kritische Approach zur Weihnachtsthematik. Die gängigen Klischees werden nicht akzeptiert; es scheint, als habe sich diese Gruppe vor allem kognitiv von den Festtagen distanziert. Dennoch dürften kaum emotionale Aversionen bestehen: Man nimmt Weihnachten so, wie es ist und versucht diszipliniert das Beste daraus zu machen: ohne Ernährungsexzesse, übermäßigen Alkoholkonsum und innerfamiliären Streit. Dennoch sind drei Viertel aus diesem Cluster meistens froh, wenn Weihnachten vorbei ist und jeder Zweite gesteht ein, am liebsten weit weg reisen zu wollen, um dem Weihnachtstrubel zu entgehen.

Charakteristik:

  • höchster Anteil an Männern, vor allem an berufstätigen Männern
  • höchster Anteil in Wien
  • rund jede/r Fünfte (22%) lebt in einem Singlehaushalt

16% Festtagsgegner

Die Einstellungen der Festtagsgegner gegenüber Weihnachten sind durch zwei charakteristische Faktoren gekennzeichnet: Weihnachten und die Festtage werden sowohl auf der kognitiven Ebene als auch emotional abgelehnt. Gängige Klischees werden verworfen, die negativen Aspekte der Feiertage hervorgehoben. Advent und

Weihnachten werden als generell ungute Zeitspanne erlebt, als Zeit voll mit Stress und Hektik, die für viele auch Streit, Einsamkeit und Traurigkeit mit sich bringt.

Charakteristik:

  • überhöhter Männeranteil (53%)
  • gehäuft im Alter zwischen 44 bis 59 Jahren
  • überhöht bei Personen mit Pflichtschulabschluß

59% aller Neujahrsvorsätze betreffen die Gesundheit

41% der ÖsterreicherInnen hat bereits gute Vorsätze für das Jahr 2005 gefasst, 59% haben das (noch) nicht gemacht. Knapp 60% aller Neujahrsvorsätze betreffen die Gesundheit, angeführt vom Bestreben nach mehr Bewegung/Sport (20%), Gewicht abnehmen (12%), Nikotinabstinenz (11%) Stressvermeidung (8%)

48% der ÖsterreicherInnen haben neben gesundheitsbezogenen auch andere Vorsätze gefasst: 9% hoffen auf Glück und Zufriedenheit in der Familie, gewünscht werden auch Erfolg im Beruf (4%) und in der Schule/im Studium (11%). Für 5% ist der größte Wunsch, dass alles so bleibt, wie es ist.

Darüber, ob man diese Vorsätze auch verwirklichen und längere Zeit durchhalten kann, herrscht gedämpfter Optimistismus. Nicht einmal jede/r Fünfte (18%) ist sich "ganz sicher", den guten Vorsätzen treu zu bleiben. Immerhin fast die Hälfte (45%) hält dies für "eher sicher". Gut ein Viertel (29%) antwortet vorausahnend mit "eher unsicher" und 8% der Befragten resignieren mit einem klaren "ganz unsicher".

"Ich freue ich mich über die vielen ambitionierten Vorsätze im Bereich Gesundheit und ermutige besonders jene, die die Feiertage als psychische Belastung und Zeit der Einsamkeit empfinden, einen ersten Schritt aus diesem "Weihnachts-Tief" zu tun. Eine jüngst erschienenen Broschüre zum Thema "Seelische Gesundheit" und der Folder "Schau auf dich!" geben dazu Anregungen, Hilfe und praktische Tipps. Weiters appelliere ich, sich auch um diejenigen im persönlichen Umfeld anzunehmen, die einsam oder krank sind - besonders zu Weihnachten, aber auch während der restlichen Zeit des Jahres." schließt Dennis Beck.

Information:

Bei Ernährungsfragen berät Sie die Ernährungshotline des Fonds Gesundes Österreich werktags unter 0810 810 227.

Bei Einsamkeit und emotionalen Krisen sind an den Feiertagen folgende Beratungsstellen telefonisch erreichbar:

Sozialpsychiatrischer Notdienst des Psychosozialen Dienstes Tel. 01/3108779 Telefonseelsorge: Tel. 142 Ö3-Kummernummer: Tel. 0800/600607 Notfallpsychologischer Dienst Österreich: 0699 18855400

Auf der Homepage der größten österreichischen Gesundheitsförderungs-Organisation www.fgoe.org können die Broschüren Bewegung, Ernährung und Seelische Gesundheit heruntergeladen oder per E-Mail unter gesundes.oesterreich@fgoe.org bestellt werden. Telefonische Bestellungen sind unter 01-8950400 möglich.

Rückfragen & Kontakt:

Fonds Gesundes Österreich, Mag. Markus Mikl, Pressereferent
Tel. 01/ 895 04 00-16. Fax 01/ 895 04 00-20,
während der Feiertage: Tel. 0676/314 314 3.
mail: markus.mikl@fgoe.org

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