WirtschaftsBlatt Kommentar vom 14.12.2004 Mehr Schatten als Licht im Burgenland - von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Rund 450 Millionen Euro EU-Förderung sind seit 1995
in die burgenländische Wirtschaft geflossen, fast 600 Millionen Euro Subventionen schossen Bund und Land zu. Einzelne Unternehmen, Bäder und Fremdenverkehrswirtschaft haben in dem Ziel-1-Gebiet vom Geldregen profitiert. Da dieser aber schon jetzt immer dünner und in zwölf Monaten ganz versiegen wird, interesssiert nur eines: Was ist das bleibende Ergebnis der üppigen Finanzströme?
Die traurige Antwort: Dauerhafte Standortvorteile sind kaum wahrzunehmen, hingegen ziehen geförderte Unternehmen samt Arbeitsplätzen ab in die kostengünstigeren Nachbarländer, zumal dort ab 2007 mit Ziel-1-Förderungen durch die EU zu rechnen ist. Der Autozulieferer Delphi, der die Mitarbeiterzahl innerhalb weniger Jahre halbierte, ist nur eines der aktuellen Beispiele. Boxmark wird seine Ledersitzbezüge auch nicht ewig in Jennerdorf produzieren. Kromberg & Schubert musste einen Teil der Subventionen zurückzahlen, weil die Arbeitsplatz-Zusagen nicht eingehalten wurden.
Bleibend ist die aus Fahrlässigkeit und Kriminalität überschuldete Bank Burgenland. Sie hat nichts mit Ziel-1-Förderungen zu tun, wohl aber mit dem sumpfigen Dampf, der sich über jedem Subventionsgebiet ausbreitet. Beständig wird die Monokultur der Thermalbäder sein, für deren Erschliessung riesige Summen öffenticher Gelder aufgewendet wurden. Aber auch Westungarn hat Thermalbäder und wird bald noch mehr davon bekommen. Für die Weinwirtschaft gilt ähnliches. Burgenland grenzt an drei neue EU-Staaten, die genau das wollen, was das Burgenland geniessen konnte. In dieser Grossregion ist warmes Wasser aus der Tiefe der Erde, ummauert mit faden und teuren Hotelstadt-Idyllen, gewiss keine einmalige Fremdenverkehrsattraktion, sondern die Defizitbombe der Zukunft.
Subventionswirtschaft hat einen nomadisierenden Charakter. Manchmal sind potenzielle Subventionsbezieher so schnell unterwegs, dass sie trotz lukrativer Angebote gar nicht mehr im Burgenland Station machen. Der Schweizer Glaskonzern Trösch ist eine Paradebeispiel dafür.
Offenbar schaffen manche Subventionen keinen dauerhaften Standort, sondern nur Briefkastenadressen, von denen internationale Unternehmen Geld abholen, bevor sie weiter ziehen. Wenn das rundherum in allen zentraleuropäischen Staaten so funktionieren wird wie bisher im Burgenland, dann wehe dem Burgenland.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001