EIN STREITER FÜR LITERATUR UND MENSCHENRECHTE Band über Hermann Broch im Hohen Haus präsentiert

Wien (PK) - Zu einer Buchpräsentation lud Nationalratspräsident Andreas Khol heute aus Anlass des Internationalen Tags der Menschenrechte ins Hohe Haus. Vorgestellt wurde der Band "Hermann Broch - Ein Engagierter zwischen Literatur und Politik", den die Österreichische Liga für Menschenrechte herausgegeben hat. Zur Vorstellung des Werkes erschien ein ebenso zahlreiches wie prominentes Publikum, darunter der Erzbischof der Armenisch-Apostolischen Kirche Mesrob Krikorian, die ehemalige Staatssekretärin Beatrix Eypeltauer, Abgeordnete Terezija Stoisits und die ehemaligen Abgeordneten Volker Kier, Alfred Ströer und Josef Höchtl.

Khol erinnerte eingangs daran, dass am 10. Dezember 1948 die allgemeine Erklärung der Menschenrechte angenommen wurde. Diese damalige Pionierleistung habe seitdem ihren Siegeszug durch die zivilisierte Welt angetreten, wobei die Europäische Menschenrechtskonvention ebenso zu nennen sei wie die Einrichtung des International Criminal Tribunal. In diesem Zusammenhang würdigte der Präsident auch das Wirken der Liga für Menschenrechte. Schließlich ging der Präsident auch auf Hermann Broch und insbesondere auf sein Werk "Die Schlafwandler" ein.

Der Präsident der Liga, Ferdinand Lacina, nannte das vorliegende Buch das Ergebnis eines Symposions, das zur Lektüre empfohlen sei. Sodann verwies er auf die Aktivitäten der Liga und nannte drei Punkte, die ihr besonders am Herzen lägen. Zum einen habe der Nationalrat, so Lacina, eine Bringschuld gegenüber der österreichischen Gesellschaft hinsichtlich der topographischen Aufschriften in Kärnten, zum anderen gebe es noch im Jugendstrafvollzug und in der Asylgesetzgebung Optimierungsbedarf. Lacina plädierte auch für eine Weiterentwicklung der heimischen Demokratie und sprach sich dabei für ein möglichst direktes Wahlrecht und für eine Stärkung der Rechte von Selbstverwaltungskörpern aus.

Sodann las Otto Tausig Texte von Hermann Broch, ehe Annette Bik, Dimitrios Polisoidis und Andreas Lindenbaum vom "Klangforum Wien" ein Streichtrio von Roman Haubenstock-Ramati zum Vortrag brachten.

HERMANN BROCH, WERK UND WIRKUNG

Der vorliegende Band vereint 13 Beiträge zu Werk und Wirkung des österreichischen Dichters und Menschenrechtsaktivisten Hermann Broch (1886-1951), welche die unterschiedlichen Facetten seines Schaffens beleuchten. So setzt sich Manfried Welan mit Hermann Brochs Engagement für die Menschenrechte auseinander, während Helga Mitterbauer auf die Menschenrechtsdebatte bei Hannah Arendt und Hermann Broch eingeht.

Tanja Zigon aus Ljubljana verfasste einen beeindruckenden Essay über Brochs Leitmotive vor dem Hintergrund der Biographie des Autors, und Laszlo Szabo stellt vergleichende Studien zwischen Broch und Nietzsche an. Weitere Beiträge stellen u.a. die Broch-Bibliothek in Klagenfurt, die Rezeption des Dichters und seine erzwungene Flucht aus Österreich nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten dar. Ein abschließender Aufsatz von Paul Lützeler, der auf die Aktualität von Brochs Literatur verweist, rundet die Publikation ab.

Hermann Broch wurde am 1. November 1886 in Wien geboren und übernahm auf Wunsch des Vaters den familieneigenen Textilbetrieb, nachdem er zuvor den Titel eines Textilingenieurs erworben hatte. 1925 entsagte er dem Textilhandel und studierte an der Universität Philosophie, wenig später begann er an seinen ersten literarischen Texten zu arbeiten. 1932 errang er mit seiner Romantrilogie "Die Schlafwandler" erstmals künstlerische Anerkennung, die ihm in der Folge Vergleiche mit Robert Musil und Franz Kafka eintrug. In weiterer Folge entstanden essayistische Arbeiten, in denen er sich mit Massenpsychologie und der Verantwortung des Dichters in Krisenzeiten auseinandersetzte, ehe Broch 1938 in die Emigration gezwungen wurde. Auf Fürsprache seines Freundes James Joyce konnte er nach England fliehen, Albert Einstein verschaffte ihm ein Visum in die USA, wo er bis zu seinem Tod am 30. Mai 1951 lebte. Dort entstand auch sein 1945 veröffentlichtes Hauptwerk "Der Tod des Vergil".

Der Band "Hermann Broch - Ein Engagierter zwischen Literatur und Politik" ist im Innsbrucker Studienverlag erschienen, umfasst 171 Seiten und ist im Buchhandel erhältlich. (Schluss)

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