WirtschaftsBlatt Kommentar vom 9.12.2004: Mediaanalyse: Ein Spiel mit Hausnummern - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Es ist mir durchaus klar, dass sich Leserinnen und Leser einer Tageszeitung nur bedingt für Mediaanalysen interessieren das ist vielmehr etwas, was primär Verleger, Journalisten und Agenturen beschäftigt. Trotzdem muss ich Sie heute einmal mit dieser Materie befassen noch dazu gleich in eigener Sache: Wolfgang Zekert, der Vorstandsvorsitzende der WirtschaftsBlatt AG, hat sich in der Vorwoche entschieden, im nächsten Jahr nicht mehr bei der Leseranalyse mitzumachen. Grund: Er ärgert sich über die "so was von nicht nachvollziehbaren, so was von unplausiblen Daten", die für das WirtschaftsBlatt im dritten Quartal 2004 erhoben wurden. In der Tat:
Die Mediaanalyse (MA) weist, vermutlich nicht nur für das WirtschaftsBlatt allein, von Quartal zu Quartal laut Zekert geradezu "sprunghaft pendelnde Reichweiten-Angaben" aus und diese Schwankungen sind einfach nicht nachvollziehbar und durch nichts zu begründen. Um das etwas plausibler zu machen: Wenn eine Zeitung von einem Quartal zum nächsten bei der verkauften Auflage, die ja kontrolliert wird, beispielsweise wie das WirtschaftsBlatt um sieben Prozent zulegt, dann ist es nach Adam Riese einfach nicht denkbar, dass sich ihre Leserzahl die Reichweite in genau diesem Zeitraum beinahe halbiert (!!!). Für eine derartige Lachnummer ist Wolfgang Zekert verständlicher Weise nicht mehr bereit auch noch zu zahlen weshalb das WirtschaftsBlatt dem Verein Arbeitsgemeinschaft MA vorerst Adieu sagt wie schon andere Zeitungen zuvor. Jeder Verlag kann ja gottlob selbst entscheiden, ob er derartige Zahlengrotesken akzeptiert oder nicht nur ein Beispiel dazu: "Die Presse", die deutlich mehr als "Der Standard" verkauft, soll laut MA angeblich viel weniger Leser als dieser haben. Den Meinungsforschungsinstituten, die auf Grund von 17.600 Interviews zu derart unsinnigen Erkenntnissen gelangen, müssten drei Dinge rasch klar werden: erstens verzerren sie mit derart zweifelhaften Methoden die Konkurrenzsituation am Pressemarkt sie erweisen der Branche also keinen guten Dienst; zweitens können sie insbesonders Titeln mit kleineren Auflagen beträchtlichen Schaden zufügen, weil sich etliche Agenturen bei der Vergabe von Werbeetats an den MA-"Daten" orientieren; und drittens wird dieses mediale Spiel mit merkwürdigen Hausnummern bloss ihre eigene Glaubwürdigkeit, die etwa wegen absurder Wahl-Prognosen ohnedies schon ziemlich gelitten hat, nur weiter ramponieren.

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