AK zur PISA-Studie: Bildungssystem umfassend reformieren!

Wien (OTS) - AK Präsident Herbert Tumpel fordert auf Grund der Ergebnisse der PISA-Studie umfassende Reformschritte im Bildungssystem, die in ihren Grundlagen einen breiten gesellschaftlichen Konsens erfordern. Die AK sieht eine gemeinsame Schule für die Grundausbildung mit individualisiertem Unterricht sowie bedarfsorientiertem ganztägigen Angebot bis zum 14. Lebensjahr als vorrangig. "Zu den dringend notwendigen Maßnahmen gehört auch eine verpflichtende Vorschulerziehung, die einen verbesserten Spracherwerb ermöglicht", verlangt Tumpel. "Denn wenn jetzt festgestellt wird, dass ein Fünftel der Schüler im Alter von 15 und 16 Jahren weder lesen noch rechnen kann, so werden neuerlich fast 6 Prozent nicht berücksichtigt, die nach ihrer Pflichtschulzeit keinen Ausbildungsplatz erhalten haben", so Tumpel. "Es ist daher davon auszugehen, dass rund ein Viertel jedes Jahrgangs - das sind mehr als 22.000 Jugendliche - schwerwiegende Probleme bei den Grundkenntnissen hat, die eine Integration in den Arbeitsmarkt behindern."

Weiters verlangt die AK die umgehende Ausbildung aller Lehrer in Hochschulen mit einem besonderen Schwerpunkt im methodisch-didaktischen Bereich und studienbegleitende Unterrichtspraktika sowie eine verpflichtende Lehrerweiterbildung. Neben diesen grundlegenden Umstellungen im Bildungssystem sind eine Reihe von Sofortmaßnahmen für die bereits im Schulsystem befindlichen SchülerInnen notwendig. Die AK hat bereits bei der PISA-Studie 2000 mit dem Bildungsministerium Gespräche über Sofortmaßnahmen für BerufsschülerInnen zur Verbesserung der Lesekenntnisse aufgenommen, die jedoch zu keinem Ergebnis geführt haben. In 40 Stunden Deutschunterricht verteilt auf drei Jahre können bestehende Defizite nicht behoben werden. Die AK fordert daher ein Sonderprogramm für die Berufsschulen, im dem auch eine Öffnung der Berufsschulen für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz beinhaltet ist.

Die AK hat bereits bei der PISA-Studie 2000 keinen Grund gesehen, den 10.Platz zu bejubeln, da Österreich eine Gruppe von sechs Ländern anführte deren Mittelwert sich damals schon kaum unterschied. Die AK hat mit Nachdruck auch darauf hingewiesen, dass zu den 14 Prozent von Schülern, die nicht Lesen können, weitere 7 Prozent hinzu kommen, die nicht mehr im Schulsystem waren.

Obwohl die Datenlage bei PISA 2000 bereits durchaus dramatisch war, kam es zu einem gravierenden Lehrerabbau (ca. 5.000) und in der Folge wurden vorhandene Förder- und Stützsysteme extrem zurückgefahren. "Auch der neue Finanzausgleich ändert nichts daran, da trotz der zugesagten zusätzlichen 450 Dienstposten auf Grund des Bundesvoranschlags 2005 ab Herbst weitere 3.000 Landeslehrer aus dem Pflichtschulbereich abgebaut werden", beanstandet Tumpel. Diese Maßnahme sei auch nicht mit dem Schülerrückgang zu rechtfertigen. "Besonders betroffen von dieser Maßnahme sind Jugendliche aus bildungsfernen oder einkommensschwächeren Schichten", sagt der AK Präsident. Gerade bei der Lesekompetenz wirkt sich der sozioökonomische Aspekt stark aus. Die grob mangelhafte soziale Durchlässigkeit wurde erst im heurigen Herbst durch eine ÖGB/AK-Studie belegt. Fast 60 Prozent der polytechnischen Schüler und beinahe die Hälfte der Berufsschüler kommen aus Haushalten, die nur über ein monatliches Einkommen von unter 1.500 Euro verfügen. Damit ist ein Ausweichen auf private Nachhilfe, deren Kosten überdies ständig steigen, nicht mehr möglich. Auch PISA 2003 belegt neuerlich, dass es Ländern mit den besten Leistungsdaten gelingt, bestehende soziale Ungleichheiten durch ihr Bildungssystem auszugleichen.

Die AK weist auch seit Jahren auf den ineffizienten Ressourceneinsatz im Schulsystem hin. Allein für die Klassenwiederholungen in der Oberstufe werden jährlich ca. 300 Mio Euro ausgegeben. Auch die Führung einer sozial hochselektiven, zweigliedrigen Mittelstufe (Hauptschule und AHS-Unterstufe) mit den doppelten Verwaltungsstrukturen verschlingt hohe Budgetmittel. Außerdem konnte durch PISA 2000 schon nachgewiesen werden, dass größere Schulstandorte durch besser organisierbare Fördermöglichkeiten steigende Leistungsdaten aufweisen. Auch Finnland hat diesen Weg durch Schulzusammenlegungen eingeschlagen.

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