Ärztekammer: Gesundheitsreform bringt Bürokratieflut

Beabsichtigte Dokumentation könnte Ordinationen lahm legen - Protest der Ärztekammer - Pragmatische Lösung von Gesundheitsministerium gefordert

Wien (OTS) - Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) befürchtet im Zuge der Gesundheitsreform eine Bürokratisierungsflut, die zu schweren Beeinträchtigungen der Gesundheitsversorgung durch Ambulanzen und niedergelassene Ärzte führen könnte. Als weitere Folge einer Überfrachtung der Patientenbehandlung mit administrativen Tätigkeiten seien Leistungsverschlechterungen zu erwarten, hieß es Dienstag in einer Aussendung der Österreichischen Ärztekammer.

Die massiven Bedenken der Ärzte richten sich gegen neue vom Gesundheitsministerium geplante Dokumentationspflichten, die den Verwaltungsaufwand in den Ordinationen nach Aussage des geschäftsführenden ÖÄK-Vizepräsidenten Walter Dorner in "absurde" Höhen treibe. Dabei handle es sich, so Dorner, um die Aufzeichnung von Erkrankungen nach einem Schema, das für die Ansprüche der Praxen und Spitalsambulanzen gänzlich ungeeignet sei und zu einem zusätzlichen, unbewältigbaren Administrationsschub führen würde. Der damit verbundene Mehraufwand unterbinde ärztliche Zuwendungsmedizin, sei in höchstem Maße auf den bürokratischen Selbstzweck ausgerichtet und widerspreche wesentlichen Aspekten der ärztlichen Qualitätssicherung. "Kommt es so, wie das Ministerium das offensichtlich will, dann droht der Arzt in Zukunft unter einer Verwaltungslawine zu ersticken. Die Computerarbeit wird zur beherrschenden Tätigkeit, für den Patienten bleibt dann nur noch ganz wenig Zeit. Das kann und darf doch nicht sein", erläuterte Dorner. Das Modell diene lediglich der Selbstgefälligkeit einiger Bürokraten und habe keinerlei Bezug zur täglichen Arbeit im Sinne der Patienten.

Das vom Gesundheitsministerium bevorzugte und in Arbeit befindliche Dokumentationsmodell sei auf den stationären Spitalsbereich zugeschnitten und für den ambulant-niedergelassenen Bereich eine "groteske bürokratische Verirrung ohne Beispiel, weil es die ärztliche Arbeit im ambulant-niedergelassenen Bereich nicht erfasse und nicht nachvollziehbar mache", so der Bundesobmann der niedergelassenen Ärzte, Jörg Pruckner.

In den Ordinationen und Spitalsambulanzen gebe es ganz andere Anforderungen und Voraussetzungen, die zur Zeit im Gesundheitsministerium diskutierte Dokumentationslösung verkenne Inhalte und Ziele des Arztberufes, der offensichtlich in eine politische Zwangsjacke gesteckt werden solle, um über ihn die Patienten zu kontrollieren, führte ÖÄK-Vizepräsident Dorner weiter aus.

Ein Ergebnis der nach Ansicht der Ärztekammer untauglichen, bürokratielastigen Aufzeichnungspflichten wären unweigerlich Verschlechterungen für die Patienten.

Das höchste beschlussfassende Ärztegremium, die Vollversammlung der Österreichischen Ärztekammer, hatte vergangenes Wochenende in einer Resolution gegen die Absicht des Gesundheitsministeriums protestiert und sie als völlig unbrauchbar bezeichnet. Das Ärzteparlament beschloss die Entwicklung einer eigenen Diagnose- und Leistungsdokumentation und forderte vom Gesundheitsministerium die Bereitstellung von ausreichenden, dafür vorgesehenen Mitteln.

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