KPÖ: Gehrer Reaktionen auf PISA-Studie bestätigen einmal mehr, dass Sie rücktrittsreif ist

Wien (OTS) - Als wahren Skandal bezeichnet die Bildungssprecherin der KPÖ Wien, Dagmar Schulz, die Äußerungen von BM Gehrer in der Presse und in der TV - Sendung "Offen gesagt" zum Thema "PISA -Studie".

Schuldzuweisungen an Eltern und LehrerInnen, die Ankündigung von weiteren Repressalien und Kontrollmechanismen ("Bildungsstandards") träfen nicht den Kern des Problems. Selbst die späte Einsicht (und langjährige Forderung der SPÖ), dass eine gemeinsame Schule der 10 -14 Jährigen nach fast durchgängigem europäischen Modell die Bildungsmisere in Grenzen halten würde, greife zu kurz. Lächerlich sei auch die Forderung nach einem" Fortbildungspass" für LehrerInnen (diesen gab es im Bundesland Salzburg bereits vor 20 Jahren), solange die Rahmenbedingungen und die Qualität der Fortbildungsveranstaltungen nicht entscheidend verbessert würden.

Solange nicht vom neoliberalen Prinzip, das Bildung als Ware betrachtet, abgegangen werde und dies sich nicht auch in verbesserten Arbeitsbedingungen für SchülerInnen und LehrerInnen niederschlage (Senkung der Anzahl der SchülerInnen pro Klasse, verbesserte Aus- und Fortbildung, Reform von Beurteilungs- und Aufstiegskriterien, Anpassung des Lehrplans an veränderte Lebensumstände, Anerkennung von Bildung und Lehren als Wert, Solidarität mit und Wertschätzung der Arbeit der LehrerInnen) handle es sich bei allen vorgeschlagenen Maßnahmen um reine Kosmetik.

Außerdem seien bei allen Beurteilungsversuchen auch die Zwänge, denen die Eltern der SchülerInnen durch die Verschärfung des Drucks am Arbeitsmarkt, durch "Flexibilisierung" und Konkurrenzkampf ausgesetzt seien, zu berücksichtigen. Statt also die Eltern die Verantwortung für die schlechten Leistungen ihrer Kinder zuzuweisen, solle man sich besser fragen, inwieweit sich die Lebensumstände dieser Menschen in den letzten Jahrzehnten in einer Welt des beinahe uneingeschränkten Kapitalismus mit Konsumzwang, Werbungs- und Reizüberflutung, Entsolidarisierung und Individualisierung verändert haben und was die Schuld daran trägt.

Schulz warnte weiters vor allen Versuchen, die Ergebnisse der PISA-Studie dazu zu benützen, um einerseits die öffentlichen Schulen in Österreich zu diffamieren und so eine Entwicklung zu einer Zweiteilung des Schulsystems in (private) Eliteschulen und öffentliche Restschulen zu beschleunigen oder andererseits konservative Drillsysteme mit privatem Nachhilfezwang (wie in Südkorea oder Japan) als Beispielmodelle zu propagieren.

Tests wie die PISA-Studie seien schließlich in ihrer Gesamtheit kritisch zu betrachten, weil sie rein produktorientiert ausgerichtet seien und soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Empathie und soziales Lernen vollkommen ausblenden.

Die einseitige Reaktion der Bildungsministerin Gehrer auf die erhobenen Vorwürfe sei ein weiterer Grund, ihren Rücktritt zu fordern, schloss Schulz.

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