NEUES BUCH MIT AUFSÄTZEN JOHANNES MESSNERS IM PARLAMENT VORGESTELLT Khol mahnt Verantwortung der Politik für Mensch und Schöpfung ein

Wien (PK) - "Menschenwürde und Menschenrecht" lautet der Titel eines neuen Buches, unter dem der Oldenbourg Verlag ausgewählte Artikel des bedeutenden österreichischen Naturrechtslehrers Johannes Messner (1891 bis 1984) aus den Jahren 1952 bis 1981 veröffentlicht. Die Präsentation dieses Buches stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung im Parlament, zu der Nationalratspräsident Andreas Khol prominente Gäste mit dem Apostolische Nuntius Erzbischof Georg Zur an der Spitze begrüßte.

In seinen Eröffnungsworten unterstrich Khol die Bedeutung des Naturrechts im Hinblick auf die Arbeit des Österreich Konvents
und trat einmal mehr dafür ein, die Verantwortung der
Gesetzgebung gegenüber Mensch und Schöpfung in einer Präambel der neuen Bundesverfassung festzuhalten. Khol argumentierte mit den Erfahrungen der Unrechtsstaaten des 20. Jahrhunderts für eine Bindung der Gesetzgebung an die naturrechtlichen Grundlagen der Menschenwürde.

Bundesminister A.D. Abgeordneter Werner Fasslabend machte
zugleich auf die große Tradition und auf die Aktualität der Naturrechtslehre aufmerksam. Sie habe seit der griechischen Philosophie eine zeitweise beherrschende Rolle in der
europäischen Geistesgeschichte gespielt, sagte Fasslabend und zitierte Thomas von Aquin, der vom Recht und der Pflicht des Menschen sprach, seine Anlagen zu entwickeln, wofür eine gerechte Sozialordnung die Voraussetzung darstelle.

Johannes Messner, ein Arbeitersohn aus Schwaz in Tirol, der in Brixen Theologie, in Innsbruck Jus und in München Ökonomie studiert hatte, war bereits in den dreißiger Jahren Professor für Ethik und Sozialwissenschaften an der Theologischen Fakultät der Universität Wien, ehe er als Gegner Hitlers 1938 nach England emigrieren musste. Im Zentrum seines wissenschaftlichen Schaffens
- das zum "Urgestein der Katholischen Soziallehre" zählt, stand
die "soziale Frage" auf Basis des christlichen Menschen- und Gesellschaftsverständnisses. Messners Standardwerk - "Das Naturrecht" - erschien bereits 1950, es erlebte bis 1984 sieben Auflagen, wurde vielfach übersetzt und ist im Verlag Duncker&Humblot in Berlin erhältlich.

Der Obmann der Johannes-Messner-Gesellschaft Monsignore Werner Freistetter wies auf die Verbindung von Menschenwürde, sozialer Gerechtigkeit und globaler Perspektive im Werk Messners hin.
Messner habe sich intensiv mit der historischen Bedingtheit ethischer Werte und mit ihrer Entwicklung befasst, dabei aber als Naturrechtler stets an der seit der Antike (Platon, Aristoteles, Cicero) tradierten Auffassung festgehalten, dass der Mensch fähig sei, die jedem einzelnen Menschen zukommende Würde und seine
Rechte zu erkennen. Fortschritte in der Naturrechtserkenntnis
sind laut Freistetter wichtige Voraussetzung für Reformen in Gesellschaft und Staat sowie für eine humane Völkerrechtsordnung.

Nachdem Thomas Cornides (Verlag für Geschichte und Politik) dem Präsidenten der Johannes-Messner-Gesellschaft, Prälat Rudolf Weiler, für die Arbeit bei der Auswahl repräsentativer Texte aus dem großen Werk Johannes Messners gedankt hatte, und Weiler
selbst auf die Begründung der Wiener Schule der Naturrechtslehre durch Johannes Messner eingegangen war, rundete Herausgeber
Alfred Klose die Vorstellung des neuen Buches mit dem Hinweis
darauf ab, dass für Messner das Naturrecht ein kulturethisches Anliegen gewesen sei. Der Naturrechtslehrer habe es als eine der größten kulturethischen Leistungen der Menschheit verstanden,
eine politische Ordnung zu schaffen, die den Frieden sichert.
Denn die Friedensordnung sei Voraussetzung dafür, dass möglichst alle Menschen ihre wesentlichen Lebenszwecke erfüllen können.
Dies sei das Grundanliegen, das die 19 Aufsätze Johannes Messners aus dem Zeitraum 1952 bis 1981 verbinde, die in dem neuen Buch veröffentlich werden. - Weitere Bände mit Werken Johannes
Messners sind geplant, sagte Alfred Klose.

NATURRECHT UND WIRTSCHAFT ODER: KLASSISCHE NATIONALÖKONOMIE IM DIENST GLOBALER VERANTWORTUNG

Um einen Einblick in ein konkretes Arbeitsgebiet von Johannes Messner zu geben, im Folgenden einige Proben aus ökonomischen Arbeiten des Naturrechtslehrers: An der Spitze der Beiträge des heute Abend präsentierten Sammelbandes steht ein Artikel Messners zur Frage "Wirtschaftstheorie oder Wohlfahrtstheorie", in dem
sich Messner kritisch mit der Vollbeschäftigungstheorie von John Maynard Keynes und darauf gründenden sozialistischen Wirtschaftsexperimenten auseinandersetzte. Messner erinerte
daran, dass "mit dem "Fallenlassen des Prinzips der Geldwertstabilität eine der Voraussetzungen gesicherter Prosperität der einzelnen Volkswirtschaften preisgegeben wird". Messner warnte generell - mit Bezug auf die klassischen
Prinzipien der Nationalökonomie - vor Wohlfahrtstheorien, die auf die Sicherung der Stabilität des Geldwerts verzichten, und bezeichnete sie als "Theorien der Scheinwohlfahrt".

"Klassische" Kritik an sozialistischer Wirtschaftstheorie übte Messner auch in seinem Aufsatz "Lohngerechtigkeit heute" (1981). Dort verteidigte Messner Keynes gegen manche von dessen
Anhängern, indem er darauf aufmerksam machte, dass der Begründer globaler Nachfragesteuerung selbst die Grundsätze der klassischen Theorie der Nationalökonomie, also die freie Entscheidung des Marktes über Preis, Zins, Renten und Lohn wieder in Kraft gesetzt sehen wollte, "wenn mit den Mitteln der zentralen Geld- und Haushaltspolitik (Defizit spending) die Vollbeschäftigung
erreicht ist".

In "Lohngerechtigkeit heute" analysiert Messner auch die Wachstumsprobleme der Weltwirtschaft seit dem Ansteigen der Inflationsraten zu Beginn der sechziger Jahre wie folgt:
"Organisierte Gruppen" haben sich Einkommensteile sichern können, "die nicht durch wirklich erarbeiteten Ertrag der Volkswirtschaft gedeckt waren", schreibt Messner und zeigt die Folgen auf: "Am empfindlichsten reagiert die Volkswirtschaft, wenn ihr durch überhöhte Einkommen und Überverbrauch die Investitionsmittel zu sehr verkürzt werden. Wird der Investitionsbedarf nicht
befriedigt, müssen die Zukunftsentwicklung der Volkswirtschaft
und die Gewährleistung der Arbeitsplätze leiden. Denn wenn Vollbeschäftigung das Ziel ist, ist der Arbeitgeber im Grunde die Volkswirtschaft als Ganzes."

Messner mahnte die Verantwortung der Kollektivvertragsparteien gegenüber dem Gemeinwohl ein und riet, diese Verantwortung zu "institutionalisieren", wobei er sich auf den englischen Ökonomen Aubry Jones und dessen "jahrelangen Erfahrungen als Vorsitzender
der Preis- und Einkommenskommission in Großbritannien" berief.

Johannes Messner war kein Theoretiker des Nullwachstums. Das
Streben nach Wohlfahrt, freilich ohne "Habsucht und Schlemmerei", wie er schreib, erschien Messner nicht fragwürdig, sondern selbstverständlich: "Wohlfahrt kann in den Dienst der
vielfältigen Bedürfnisse von unter Armut leidenden Völkern oder Volksgruppen gestellt werden. Nicht zu verantworten" ist für Messner aber "das Wohlfahrtsstreben von Volkswirtschaften, wenn
ein Großteil der Weltbevölkerung mit dem Lebensnotwendigsten auskommen muß und ihm auch das nicht immer gesichert ist."

Bereits Anfang der achtziger Jahre befasste sich Johannes Messner mit den Problemen einer globalisierten Wirtschaft. Er
unterstützte die im Jahr 1975 auf der UNIDO-Konferenz in Lima erhobene Forderung der Entwicklungsländer nach einer Neuen Weltwirtschaftsordnung. Dabei beschränkte er sich nicht auf abstrakte Feststellungen, sondern bekannte sich zum Prinzip
"Hilfe zur Selbsthilfe" bei der "Schaffung von selbstversorgenden Bauernbetrieben sowie Kleingewerbe-, Handwerks- und Kaufmannsbetrieben" und erteilte industriellen Großprojekten in
der Entwicklungshilfe eine Absage.

Johannes Messner: "Menschenwürde und Menschenrecht. Ausgewählte Artikel", Band 6 der "Ausgewählten Werke" Johannes Messners, herausgegeben von Anton Rauscher und Rudolf Weiler in Verbindung
mit Alfred Klose und Wolfgang Schmitz. Oldenbourg Verlag Wien

Die Johannes-Messner-Gesellschaft wurde im Jahr 1991 in Wien gegründet, um das wissenschaftliche Erbe Messners lebendig zu erhalten. Zu diesem Zweck hat die Gesellschaft im Verlag für Geschichte und Politik, Verlag Oldenbourg, bisher fünf Bände der "Ausgewählten Werke" herausgegeben: "Kulturethik", "Spirituelle Schriften", "Frühschriften", "Widersprüche in der menschlichen Existenz" und "Vom Sinn der menschlichen Gesellschaft". (Schluss)

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