ÖGB-Csörgits: "China ist Versuchsfeld der Wirtschaft"

Für konstruktiven Dialog mit schwierigen Partnern im Interesse der ArbeitnehmerInnen

Miyazaki (ÖGB) - "Vor dem Hintergrund der globalen Wirtschaft muss der Internationale Bund Freier Gewerkschaften einen Weg finden, um die chinesischen Arbeitnehmerinnen zu unterstützen." Das erklärte ÖGB-Vizepräsidentin Renate Csörgits beim 18. Weltkongress des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften (IBFG) heute, Montag, in Miyazaki. "Die Verweigerung der Vereinigungsfreiheit in China macht dieses Land zum Versuchsfeld der Wirtschaft. Die größten Leidtragenden sind die ArbeitnehmerInnen. Daher muss man den Dialog suchen, um demokratische Weiterentwicklungen zu fördern", so Csörgits.++++

Die Rolle Chinas und seine Weigerung freie Gewerkschaften zu zulassen, wird von den Delegierten beim 18. IBFG-Weltkongress immer wieder angesprochen. Csörgits, die Mitglied des IBFG-Vorstandes ist, forderte heute, Montag, dass der IBFG einen konstruktiven Dialog mit dem regierungstreuen All-chinesischen Gewerkschaftsbund sucht. Das sei im Interesse der ArbeitnehmerInnen dringend nötig. "Es leiden die Menschen in China unter den Arbeitsbedingungen und es leiden die Menschen in anderen Ländern, die ihre Arbeitsplätze verlieren, weil die Konzerne ihre Produktionen aufgrund der niedrigen Löhne und kaum existenten ArbeitnehmerInnen-Rechte nach China verlagern", erklärte Csörgits. "Die einzige Gewinnerin ist die Wirtschaft." Der IBFG müsse daher alles tun, um die chinesischen Gewerkschaften nicht völlig auszugrenzen. Vielmehr müsse man Wege finden, um eine demokratische, starke und gute ArbeitnehmerInnen-Vertretung in China zu fördern. Csörgits: "Daher darf man den All-chinesischen Gewerkschaftsbund nicht ins Abseits drängen, sondern muss den Dialog suchen, um demokratische Weiterentwicklungen zu fördern."

China unterdrückt jeden Ausdruck wirklicher Gewerkschaftstätigkeiten. Auf diese Weise ist es zum weltweit beliebtsten Empfängerland für ausländische Direktinvestitionen geworden. Der IBFG spricht von der "Superwerkstatt der Welt im 21. Jahrhundert". Ein neuer gigantischer Aufschwung wird in China durch das in wenigen Wochen auslaufende Quotensystem im Textil- und Bekleidungshandel erwartet. IBFG-Generalsekretär Guy Ryder befürchtet, dass allein Bangladesch bis zu einer Million Arbeitsplätze an China verlieren könnte.

Gewerkschaften brauchen Frauen

Zweiter Schwerpunkt des Beitrages von Renate Csörgits beim IBFG-Kongress bildeten die Rechte der Frauen. Csörgits begrüßte, dass 40 Prozent der Delegierten zum IBFG-Weltkongress Frauen sind. Dennoch gäbe es im IBFG noch Mitgliedsorganisationen, in denen Frauen noch nicht mit Sitz und Stimme vertreten seien. Hier müsse man weiter an Verbesserrungen arbeiten. Csörgits: "Gewerkschaften brauchen Frauen und Frauen brauchen Gewerkschaften!" Frauen sind von Armut anders betroffen als Männer - man denke nur an Frauenhandel und Prostitution. Auch seien es vor allem die Frauen, die weltweit von prekären Dienstverhältnissen abhängig sind.

ÖGB, 6. Dezember
2004
Nr. 811

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