REKTOREN IM GESPRÄCH MIT ABGEORDNETEN Wissenschaftsausschuss befasst sich mit aktuellen Fragen der Unis

Wien (PK) - Die Abgeordneten des Ausschusses für Wissenschaft und Forschung konnten sich heute aus erster Hand über die Situation
und die Probleme an den österreichischen Universitäten informieren. Im Rahmen einer Aktuellen Aussprache waren nämlich
der Präsident der Österreichischen Rektorenkonferenz und Rektor der Universität Wien, Georg Winckler, der Rektor der Technischen Universität Wien, Peter Skalicky, der Rektor der Medizinischen Universität Graz, Gerhard Franz Walter, und der Rektor der Universität Mozarteum Salzburg, Roland Haas, als Experten
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Um den Universitäten einen optimalen Rahmen bieten zu können, müsse man nach dem Grundsatz "We need to invest better and we
need to invest more" vorgehen, betonte Georg Winckler. In diesem Zusammenhang bewertete er die Universitätsreform 2002 durchaus positiv, vor allem begrüßte er es, nicht mehr nach der Kameralistik arbeiten zu müssen. Man könne dadurch rationeller
und zielorientierter investieren. An den Universitäten sei
seither Einiges in Bewegung geraten und man beginne mit der Profilbildung, was europaweit sinnvoll sei. Die Schwierigkeit
liege nur in der Tatsache, dass man gleichzeitig auch die neuen Organisationsstrukturen umsetzen müsse.

Leider habe man aber nicht die Mittel, um mehr zu investieren. Winckler sprach damit die budgetären Probleme der Universitäten an. Die Kürzung des "General University Fund" sei zu akzeptieren, im Gegensatz dazu wäre es aber notwendig gewesen, den Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung FWF höher zu dotieren. Während in Österreich pro Kopf zirka 12 € für die Forschungsförderung ausgegeben würden, liege diese Summe in Schweden und in der Schweiz bei zirka 30 € bis 40 €, was eine finanzielle Basis für den FWF von 240 Mill. € bis 320 Mill. € bedeuten würde. Derzeit verfüge dieser lediglich über Mittel von rund 100 Mill. €. Auch in den USA würden von staatlicher und von privater Seite wesentlich mehr Mittel für die Forschung zur Verfügung gestellt, merkte Winckler an. Im Sinne der Lissabon-Ziele müsse daher auch in Europa die Forschungspolitik verstärkt werden, das heiße, in Österreich sollten die Ausgaben für F&E gemessen am BIP 1,3 % betragen, das wären rund 600 Mill. € mehr.

Um das Notprogramm für die Universitäten umsetzen zu können, sei ein zusätzlicher Bedarf von mindestens 100 Mill. € nötig, führte Winckler weiter aus. Er sei daher dankbar, dass die Universitäten vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung zusätzlich 25 Mill. € in den beiden kommenden Jahren für Investitionen in die Infrastruktur erhalten.

Ein weiteres budgetäres Problem stelle das Dienstrechtsänderungsgesetz für die Universitäten dar. Durch die Überführung der Professoren in das ASVG bekämen diese nun niedrigere Pensionen, weshalb es notwendig sei, höhere
Aktivbezüge zu bezahlen, um in der Berufungspolitik nicht allzu sehr eingeschränkt zu werden. Während der Finanzminister dadurch entlastet würde, hätten die Universitäten mit Mehrbelastungen zu kämpfen. Auch andere Faktoren würden die Personalaufwendungen verteuern, sagte Winckler und forderte für die Universitäten eine Pensionskassenregelung, die vom Finanzminister versprochen, aber noch nicht realisiert worden sei.

Mit der Generalsanierung der Universitäten und dem Universitätsbauprogramm sei man auf Schiene, führte der Präsident der Österreichischen Rektorenkonferenz weiter aus, die Universitäten sähen sich aber nun mit höheren Mietaufwendungen konfrontiert. Hilfreich wäre nach Ansicht Wincklers, die Abschreibungsdauer zu verlängern. Schwierigkeiten bereiteten den Universitäten auch unerwartete Grundsteuervorschreibungen.

Hinsichtlich der am Beginn des Studienjahres öffentlich diskutierten Schwierigkeiten an einzelnen Instituten der Universität Wien meinte Winckler, dass es von den rund 100 Studienprogrammen lediglich in vier bis fünf Studienrichtungen zu Schwierigkeiten gekommen sei. Dabei stelle sich aber die Frage
nach der Sinnhaftigkeit etwa so vieler PublizistikstudentInnen. Grundsätzlich, meinte der Rektor der Wiener Universität, brauche man sowohl mehr Spitze als auch mehr Breite.

Der Rektor der Technischen Universität Wien, Peter Skalicky, bekannte sich dazu, dass er von Beginn an die Universitätsreform 2002 begrüßt habe und seine bisherige Bilanz bei der Umsetzung
sei auch positiv. Hinsichtlich der Probleme im Bereich des Personalaufwandes sowie hinsichtlich der Umsetzung des Generalsanierungskonzepts schloss er sich seinem Vorredner an. Ebenso vertrat er die Ansicht, die Forschungsförderung müsse auf 240 Mill. € angehoben werden, um international Anschluss zu
haben.

Er betonte jedoch, dass die einzelnen Universitäten unterschiedliche Anforderungen hätten. Das Herunterfahren des General University Fund hielt er im Prinzip für richtig, das
setze aber voraus, so der Rektor der TU Wien, dass den Universitäten Zeit gegeben werde, sich anzupassen und zu profilieren. Skalicky machte jedoch mit Nachdruck darauf
aufmerksam, dass die Eigenmittel der Universitäten, vor allem
jene der technischen Universitäten, nicht immer frei verfügbar seien, weil es hier um Kooperation mit der Wirtschaft gehe und
die Mittel in die Projekte einflößen.

Dezidiert sprach sich Skalicky für Elite-Universitäten aus. Er warnte jedoch davor zu versuchen, diese aus dem bestehenden
System heraus zu entwickeln.

Im Gegensatz dazu vertrat der Rektor der Medizinischen
Universität Graz, Gerhard Franz Walter, die Auffassung, Elite-Universitäten entschieden sich an den besten Studienbedingungen
und den besten Studierenden und nicht an den Forscherinnen und Forschern. Diese ergäben sich dann von selbst.

Grundsätzlich hielt Walter fest, dass man mit der
Eigenständigkeit der Medizinischen Universitäten gut gefahren sei und sich diese auf dem besten Weg zu
gesundheitswissenschaftlichen Universitäten befänden. Für die Selbständigkeit spreche vor allem, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Universitäten nicht nur in Lehre und Forschung tätig sind, sondern auch in der Krankenversorgung, und eine gute Krankenversorgung sei eine unverzichtbare Basis für Forschungsleistungen. In dieser doppelten Aufgabe liege auch eine große Chance, nämlich die Neugestaltung der Zusammenarbeit mit
den einzelnen Krankenhausträgern. Dabei gebe es eine Reihe von Synergieeffekten, die jedoch nicht von heute auf morgen schlagend würden.

In diesem Zusammenhang forderte Walter ausdrücklich die
Einführung einer Kostentrennungsrechnung, um genau die Ausgabenposten für den Versorgungsauftrag in den Krankenhäusern nachvollziehen zu können. Denn durch die demographische
Entwicklung stiegen die Versorgungsaufgaben ständig, wodurch es
zu einer Verschiebung der Mittel komme.

Die Infrastrukturausgaben an den Medizinischen Universitäten bezeichnete Walter als einen ebenso wichtigen Aspekt wie die Forschungsförderung, um Sonderprogramme, wie z.B. die österreichische Genom-Forschung, durchführen zu können. An den Medizinischen Universitäten sei aber auch im Interesse einer bestmöglichen praktischen Ausbildung ein hoher Personaleinsatz notwendig.

Mit Problemen ganz eigener Art haben die Kunstuniversitäten zu kämpfen, wie man der Stellungnahme des Rektors der Universität Mozarteum Salzburg, Roland Haas, entnehmen konnte. Am Beginn
seiner Ausführungen bezeichnete er es als eine "aufregende Tatsache", dass in Österreich die Kunstausbildung mit der Wissenschaft und Forschung gleichgesetzt sei und an den Universitäten stattfinde. Daraus ergäben sich aber auch
zahlreiche Aufgaben und Herausforderungen, denn vieles, was im Wissenschaftsbereich normal sei, könne man nicht von vornherein
auf den Kunstbereich übertragen. So stelle die Notwendigkeit
einer Habilitation an den Kunstuniversitäten ein Problem dar.
Eine weitere Frage stelle sich, wie man Künste evaluieren könne. Für all das müsse man neue Kriterien entwickeln und die Verfahrensregeln anpassen, was eine politische Antwort erfordere, betonte Haas. Zur Bewältigung der Strukturprobleme bräuchten die Kunstuniversitäten auch neue Kräfte von außen, um den Übergang zu schaffen.

Haas bedauerte es außerordentlich, dass die zahlreichen ausländischen Studierenden, das seien an seiner Universität 60 %, gezwungen seien, Studiengebühren zu bezahlen und nicht unter den gleichen Bedingungen ihr Studium fortsetzen könnten, wie sie es begonnen haben. Viele könnten sich das kaum leisten, unterstrich Haas.

Bundesministerin Gehrer hielt im Anschluss an diese
Stellungnahmen fest, dass die Vereinbarungen mit dem
Finanzminister eingehalten würden. Das Grundbudget sei zwischen
dem Finanzministerium und ExpertInnen aus den Universitäten ausgearbeitet worden. Bei den Investitionen wolle man jedoch
nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip vorgehen, sondern antragsbezogen und schwerpunktmäßig. Das Universitätsbudget sei kein gedeckeltes, sondern ein dynamisches Budget. Das dreijährige Budget biete den Universitäten Sicherheit. Nun gehe es darum, für das nächste dreijährige Budget die Grunddaten zu erarbeiten. Gehrer räumte ein, dass die Umstellungen im Personalbereich nicht so schnell gingen und man sich derzeit in einer Übergangsphase befinde. Jedenfalls seien die Vorziehprofessuren genehmigt, die Universitäten müssten diese nur in Anspruch nehmen. Als eine große Herausforderung für die Zukunft bezeichnete sie den klinischen Mehraufwand.

An der Diskussion beteiligten sich die Abgeordneten Josef
Broukal, Erwin Niederwieser (beide S), Kurt Grünewald, Wolfgang Zinggl (beide G), Gertrude Brinek (V) und Elke Achleitner (F). (Schluss)

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