"Neues Volksblatt" Kommentar: "Wertebasis?" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 3. Dezember 2004

Linz (OTS) - =

Natürlich kann die Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen mit der Türkei nicht schon die EU-Mitgliedschaft bedeuten. Auch in Ankara muss klar sein, dass die Entscheidung, in welcher Form sich EU und Türkei näher kommen, erst am Ende der Verhandlungen stehen darf. Und diese
brauchen sicher noch Jahre, wenn nicht sogar über ein Jahrzehnt. Der Wirbel, den ausgerechnet die SPÖ da jetzt schon zu inszenieren trachtet, wirkt da reichlich deplatziert. Einstige Hochrufe für "die internationale Solidarität" klingen im Oppositions-Getöse aus. Natürlich stellt die Türkei eine Herausforderung für die EU dar -gerade auch in ihrem Inneren. Über 80 Prozent der heimischen Bevölkerung definieren EU heute laut einer (trotz geringer Befragtenzahl wohl Tendenzen spiegelnden) ÖIES-Studie primär als Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft. Die Werte- und Kulturgemeinschaft sehen dagegen nur 43 bzw. 37 Prozent. Dass eine europäische Identität nur auf Wirtschaftsdaten - ohne Wertebasis -aufbauen kann, darf bezweifelt werden. Hier steckt für Politiker aller Nationen und Couleurs die große Herausforderung - auch am Anlassfall Türkei.

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