"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Bitte zur Kasse!" (Von Anita Heubacher)

Ausgabe vom 3. Dezember 2004

Innsbruck (OTS) - Für die Tiroler wird es teuer. Unsere Müllgebühren werden steigen, weil uns die Zeit davonläuft.
Dabei hatten wir ursprünglich genügend Zeit. Seit 1997 weiß das Land, dass man ab 2004 keinen unbehandelten Müll mehr deponieren darf. Wir deponieren natürlich unbehandelt weiter, weil wir Tiroler sind und dafür dem Bund mehr Gebühren zahlen. 2006 darf sich der Bund wieder über ein Zubrot freuen, da wird es für den Tiroler Steuerzahler noch einmal teurer, wenn wir bis dahin keine Lösung haben.
Jetzt hat der Telfer Industrielle Arthur Thöni ein Konzept vorgelegt. Das Konzept ist nicht wirklich neu. Die Idee, mehrere kleine Behandlungsanlagen zu installieren, hatten wir schon einmal. Fix mit im Boot sitzt der oberösterreichische Entsorgungsriese AVE, der den Müll, der brennt, verwerten kann. Das sind immerhin mindestens 60 Prozent des gesamten Abfalls. Das Konzept berücksichtigt den gesamten Tiroler Müll. Thöni hat also etwas angeboten, das die Landespolitik noch immer nicht auf die Beine gestellt hat: eine Gesamttiroler Mülllösung.
Vom Land abgesegnet ist bis jetzt nur eine Mülllösung für Innsbruck-Stadt, Innsbruck-Land und Schwaz. Diese Bezirke bzw. deren Verbände bauen eine Anlage im Ahrental. Was das Oberland und das Unterland mit ihrem Müll machen, ist noch immer offen. Es war im Jahr 2002, da tauchte die Idee eines Verbände-Konzeptes auf. Das Land spielte in der Folge den Ball per Gesetz an die Verbände weiter. Eine Schnapsidee. Die Verbände sollten bis Oktober 2003 eine Lösung für ihren Müll vorlegen. Im Dezember 2004 liegen noch immer keine Vorschläge am Tisch. Die Verbände überlegen noch. Die Landespolitik sieht zu. Dafür haben wir aber keine Zeit. Ab 2005 müssen auch in Deutschland Abfälle vorbehandelt werden. Die Verbrennungskapazitäten werden enger. Das sagen Experten. Aber auf die hört in der Müllfrage die Politik ohnehin nicht.

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