Höhere Mathematik für Benzinbrüder

"Presse"-Glosse vom 3.12.2004, von Josef Urschitz

Wien (OTS) - Die Pisa-Studie bescheinigt österreichischen Schülern bekanntlich gewisse Mathematik-Schwächen. Den Kalkulatoren im heimischen Öl-Moloch OMV kann man diesen Makel nicht nachsagen. Die rechnen offenbar so: Rohöl ist in den vergangenen Tagen stark billiger geworden. Der Dollar, in dem Öltransaktionen abgerechnet werden, ist gegenüber dem Euro auch nachhaltig abgesackt. Macht zwei mal Minus und das ergibt, logisch, Plus. Bingo: Schnalzen wir also den Preis für Ölprodukte, diesfalls für Diesel, kräftig hinauf. Irgendwie müssen die "Petromdollars" (die OMV steckt gerade ein hübsches Sümmchen in den Kauf der rumänischen Petrom) ja hereinkommen.
Klingt polemisch? Tja: Der Petrom-Deal hat mit dem derzeitigen Dieselpreis tatsächlich exakt genau so viel zu tun wie dieser mit der internationalen Marktentwicklung. Nämlich nichts.
Wir lernen: Im österreichischen Treibstoffmarkt kann man mangels wirklicher Konkurrenz machen, was man will. Ganz schön bequem, so ein Quasi-Oligopol. Aber ein bisschen Demut wäre bei aller Marktbeherrschung nicht ganz unklug. Die Logik hinter dieser Preisgestaltung bleibt dem einfachen Österreicher mit seinem Pisa-Handikap jedenfalls verborgen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass derzeit nicht wenige den Benzinbrüdern von der Treibstoffbranche von ganzem Herzen Herrn Haupt samt seinen vor einiger Zeit angedrohten Kartellklagen an den Hals wünschen.

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