"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Ein Unersättlicher muss gehen" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 03.12.2004

Wien (OTS) - Gerhard Randa konnte nie genug bekommen. Wer ihn nach seinem beruflichen Befinden fragte, bekam fast unausweichlich die immer gleiche Antwort: "Ich bin mit dem Erreichten nie zufrieden." Diese rastlose Unzufriedenheit hat Österreichs Bankenlandschaft in den letzten 15 Jahren bis zur Unkenntlichkeit verändert: Länderbank, Zentralsparkasse, Girozentrale, ÖCI, Creditanstalt - all diese klingenden Namen sind Geschichte, seit Randa 1990 vom Sessel des Vizegeneraldirektors der Creditanstalt in den Chefsessel der Länderbank wechselte und alles aufzumischen begann.
Ein historischer Verdienst wird ihm bleiben: Er hat als erster verkrustete Strukturen aufgebrochen und dazu beigetragen, dass die österreichischen Banken europareif geworden sind. Er wird aber auch als derjenige in die Wirtschaftsgeschichte eingehen, der die Kontrolle über einstige Flaggschiffe des heimischen Finanzwesens durch den Verkauf der BankAustria an die Münchner HVB ins Ausland verlagert hat.
Vielleicht hat ihn dabei die Sorge getrieben, dass die BankAustria allein nicht wirklich lebensfähig gewesen wäre: Die Altlasten im Auslandsgeschäft ließen alle Alarmglocken schrillen. Vielleicht war Randa auch der ständigen politischen Interventionen überdrüssig, als er im Sommer 2000 den Deal mit den Deutschen einfädelte. Wahrscheinlich war es eine Kombination aus all diesen teils sachlich begründeten, teils sehr persönlichen Gründen.
Seit dem Verkauf (und der damit verbundenen Übertragung von verlustbringenden Krediten an die deutsche Mutter) hat Randa die BankAustria mit eiserner Hand auf Erfolgskurs getrimmt. Ihre Gewinne sicherten der schwer defizitären HVB das Überleben. Zuletzt war die Österreich-Tochter an der Börse fast so viel wert wie die Muttergesellschaft - ein Triumph für Randa, der ihm aber in München keine Freunde bescherte.
Die wurden auch aus anderen Gründen rar: Randa wurde auch gegenüber engen Mitarbeitern immer misstrauischer. Schon als "roter" Vizechef in der traditionell "schwarzen" Creditanstalt hatte er hinter fast jeder Säule einen Feind gewittert, obwohl ihm seine unkonventionelle Art auch viele Anhänger beschert hatte. Ohne Teamgeist und gegenseitiges Vertrauen sind aber Spitzenmanager nicht nur sehr einsam, sondern bald einmal auch ziemlich hilflos.
In seiner derzeitigen Doppelrolle als Vorstandsmitglied der HVB und Aufsichtsratspräsident der BankAustria machte sich Randa dann so viele Feinde, dass seine "Alles-oder-nichts-Strategie" nicht mehr aufging. Er wird nun vorzeitig aus dem Vorstand der HypoVereinsbank und aus dem Aufsichtsratspräsidium der BankAustria ausscheiden.
Die Reaktionen darauf schwanken zwischen Schadenfreude und Mitleid. Beides ist unangebracht. Randa hat genügend andere Interessen, um den Machtverlust zu verkraften, und zum Sozialfall wird er erst recht nicht.
Eine große Portion Nachdenklichkeit über wirtschaftspolitische Eckpfeiler, über die Sinnhaftigkeit der Verscherbelung heimischer Flaggschiffe ans Ausland und über langfristig erfolgreiche Managementstrategien ist aber angebracht. Immerhin werden nach dem Ausscheiden Randas die Deutschen das Ruder in der größten Bank Österreichs endgültig fest in die Hand nehmen werden. Ob das im Interesse der heimischen Wirtschaft ist, wird sich erst zeigen müssen.

Rückfragen & Kontakt:

Vorarlberger Nachrichten
Chefredaktion
Tel.: 0676/88501382

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PVN0001