Europäische Verbraucherzentren testen Postdienstleistungen

Teurer heißt nicht schneller. Priority zahlt sich oft nicht aus.

Wien (OTS) - Wer heuer seine Weihnachtsgeschenke an Verwandte und Freunde in Europa per Post schicken möchte, muss sich beeilen: Manche Pakete benötigen mehrere Wochen, um zum Empfänger zu gelangen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Netzwerkes der Europäischen Verbraucherzentren, die zu Postdienstleistungen in der EU durchgeführt wurde. Auch die Europäische Verbraucherberatung Wien, angesiedelt beim Verein für Konsumenteninformation (VKI), nahm an dieser Untersuchung teil. Ziel des Projektes war es, die Effizienz, die Preise und die angebotenen Leistungen der nationalen Postdienste für den Versand von Paketen in der EU zu vergleichen. Fazit für heimische "Weihnachtsmänner": Die Sendung Wien - Kiel ging am schnellsten, das Paket von Wien nach Barcelona war am längsten unterwegs. Und: Express-Sendungen zahlen sich oft nicht aus.

Dreizehn Europäische Verbraucherzentren haben sich - zeitgleich am 14. September 2004 - wechselseitig Pakete mit jeweils rund 2,5 Kilogramm Inhalt per Express (in Österreich Priority) und - wenn angeboten - als Standardsendung zugeschickt. Insgesamt verschickten die Verbraucherschützer 154 Eilsendungen und 106 Standardpakete quer durch Europa.

Im europäischen Vergleich benötigte die Sendung von Vitoria (Spanien) nach Brüssel (Belgien) am längsten - insgesamt war das Paket 530 Stunden oder umgerechnet 22 Tage unterwegs. Am schnellsten ist die Post zwischen Enschede (Niederlande) und Brüssel - die Sendung kam nach 26 Stunden beim Empfänger an.

Wer von Wien aus Freunde oder Verwandte im deutschen Kiel mittels Postpaket beschenken möchte, kann sich noch Zeit lassen: Mit 49 Stunden war das Paket Wien - Kiel - im Vergleich zu anderen in Wien aufgegebenen Sendungen - am kürzesten unterwegs. Am längsten dauerte hingegen die Reise nach Barcelona (314 Stunden bzw. 13 Tage). Die Hoffnung schon fast aufgegeben hat die Europäische Verbraucherberatung in Wien beim Warten auf ein Paket aus Bozen -erst nach exakt 506 Stunden oder umgerechnet 21 Tage traf die Sendung ein.

Verwundert zeigen sich die Verbraucherschützer, dass es auch bei gleichen Strecken enorme Zeitunterschiede gibt. So benötigte ein Priority-Paket von Wien nach Barcelona 314 Stunden, umgekehrt kam die Sendung aber schon nach 74 Stunden in Österreich an.

Deutliche Unterschiede gibt es aber nicht nur bei der Zustelldauer, sondern auch bei den Portokosten. Für Standardpakete fällt das niedrigste Porto in Irland mit 9 Euro an, am meisten müssen Italiener mit 27,53 Euro zahlen. Doch trotz dieser Preisdifferenz waren die Lieferzeiten für die Strecke Dublin - Bozen und umgekehrt gleich: Sie betrugen jeweils neun Tage. Noch größer sind die Preisunterschiede bei Paketen, die per Express aufgegeben werden: Am günstigsten kommen Eilsendungen mit 10,10 Euro in Luxemburg, am tiefsten müssen die Iren dafür in die Tasche greifen: 34 Euro sind zu berappen.

Die heimischen Portogebühren liegen - sowohl für Standard- als auch für Express-Sendungen - im europäischen Mittelfeld. Für den "normalen" Versand zahlen Postkunden bei einem 2,5 Kilogramm schweren Paket je nach Zielland 13,37 Euro bzw. 14,12 Euro - bei Eilsendungen müssen Verbraucher 15,62 Euro (nach Italien) bzw. 17,12 Euro ins restliche Europa auslegen. "Der Umkehrschluss ‚Je höher die Kosten, desto schneller die Zustellung’ ist aber nicht zulässig", betont Georg Mentschl, Leiter der Europäischen Verbraucherberatung in Wien. Denn: "Fast jedes zweite Express-Paket aus Wien wurde zeitgleich mit der Standard-Sendung zugestellt, auf dem Weg Wien - Brüssel war das Standard-Paket sogar doppelt so schnell als Priority", fasst Mentschl zusammen.
Und auch in anderen europäischen Ländern lohnen sich Eilsendungen kaum: Von 106 Paketen ist nicht einmal die Hälfte früher angekommen. Ein Drittel der Eilsendung kam zeitgleich mit der Standardsendung, der Rest wurde später zugestellt.

Zum vorweihnachtlichen Paketversand rät Mentschl: "Statt des teuren Priority-Paketes auf den letzten Drücker ist es sinnvoll, etwas früher den einfachen Postweg zu wählen. Dann kann man beim Geschenk etwas großzügiger sein."

Hilfe bei grenzüberschreitenden Problemen bietet die Europa-Hotline unter 0810/810 225 (zum Ortstarif aus ganz Österreich). Informationen gibt’s auch unter www.europakonsument.at.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Georg Mentschl
Leiter Europäische Verbraucherberatung
Tel.: 01/588 77 - 342

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