KORREKTUR ZU OTS 0298 - Morak: Edition der Ministerratsprotokolle sind ein nachhaltiges Gedächtnisprojekt

Erster Band der Ministerratsprotokolle der Zweiten Republik, Kabinett Figl I präsentiert

Wien (OTS)- Heute abend wurde im Bundeskanzleramt der erste Band der Protokolle des Ministerrats der Zweiten Republik des Kabinetts Leopold Figl I präsentiert. "Die Ministerratsprotokolle sind ein nachhaltiges Gedächtnisprojekt, eine Quelle, die die historischen Schwellenjahre Österreichs nach 1945 in einer besonderen Weise anschaulich machen", so Staatssekretär Morak anlässlich der Buchpräsentation. Der Band sei eine "ausgezeichnete Einstimmung auf die Ereignisse, die das kommende Jahr prägen werden. Es ist mir wichtig, dass das kommende Jahr nicht nur kurzfristige Events bringt, sondern auch Signale setzt, die auf Dauer angelegt sind."

"Ich bin froh, dass diese Vorstellung gerade zu einem Zeitpunkt stattfindet, der in der historischen Rückblende von 59 Jahren zwischen den ersten Nationalratswahlen am 25 November 1945 und der Konstituierung der Regierung Figl/Schärf liegt", betonte der Staatssekretär.

Die Präsentation fand in jenen Räumlichkeiten im Bundeskanzleramt statt, in denen sich der Ministerrat der jungen Republik konstituierte. "Damals forderte Figl alle Mitglieder der Bundesregierung auf, davon beseelt zu sein, ihre ganze Kraft in selbstlosester Weise für das Wohl von Volk und Vaterland einzusetzen," sagte Morak. "Es war die Überzeugung der durch die Nationalratswahlen vom November legitimierten neuen Mitglieder der Bundesregierung, auf den Trümmern des Nationalsozialismus die Zweite Republik zu errichten", betonte der Staatssekretär.

Professor Lorenz Mikoletzky, Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs, dankte dem Staatssekretär, das Projekt als persönliches Anliegen übernommen zu haben. "Die Archivmaterialien bieten einen Einblick in das zeitgeschichtliche Geschehen, das sonst nicht mehr nachvollziehbar wäre", betonte Mikoletzky. Herausgegeben wurde der Band von Frau Dr. Gertrude Enderle-Burcel und Dr. Rudolf Jerabek.

Professor Ernst Buckmüller ging in seinem Festvortrag auf die Person und Arbeit Figls und der gesamten Regierung ein, die am 20. Dezember 1945 ihre erste Ministerratssitzung abhielt. "Das war nicht die klassische Karriere vom Tellerwäscher zum Bundeskanzler." Es sei schon früh klar gewesen, dass Figl, wie es Zeitgenossen nannten, "einfach gern geredet hat." Eine Gabe, die ihm in der bewegten Zeit nach 1945 zum Vorteil gereichen sollte. "Die Arbeit im Ministerrat war nicht zuletzt deswegen unheimlich schwierig, weil die alliierte Besatzungsmacht alle Beschlüsse absegnen musste. Die Regierung war sehr eingeschränkt." Von den Besatzungsmächten sei Figl nicht nur geschätzt worden. Von der Sowjetmacht etwa wurde er als Agent der Amerikaner gesehen, der eine Hochburg der katholischen Reaktion errichten wollte. "Trotz der vielen Probleme ist es erhebend, die Ministerratsprotokolle zu lesen, da wir wissen, dass dieser Abschnitt der österreichischen Geschichte ein gutes Ende hatte", sagte Bruckmüller.

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