"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Heile Welt" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 02.12.2004

Wien (OTS) - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi lässt am laufenden Band Gesetze beschließen, die vor allem ihm selbst und seinem Medienkonzern nützen. Der Sohn von UN-Generalsekretär Kofi Annan steht unter dem dringenden Verdacht, im Zusammenhang mit einem UN-Hilfsprogramm für den Irak Schmiergelder kassiert zu haben. Griechenland hat jahrelang seine Budgetzahlen frisiert, um 2001 den Euro einführen zu können. Ohne die Fälschungen wäre es nie und nimmer "euro-fit" gewesen.
So sieht es derzeit aus auf der politischen Bühne. Im Vergleich dazu muten die innerösterreichischen Skandälchen wie die viel zitierten "peanuts" an - auf Neudeutsch jene lächerlichen Kleinigkeiten, über die man sich zwar trefflich erregen kann, über die ernsthaft zu streiten aber eigentlich gar nicht lohnt.
Vermutlich ist das auch der Grund, warum die Opposition in Österreich mit ihrem übertriebenen Gezeter regelmäßig ins Abseits läuft. Mit konkreter Kritik an Fehlentwicklungen würde sie wohl eher punkten. Vom Bildungs- über das Gesundheitswesen und den Sozialstaat bis zur überbordenden Bürokratie gibt es genug zu kritisieren und vieles wäre besser zu machen. Der Blick über die Grenzen macht aber eines ziemlich klar: Wir leben zwar nicht auf einer Insel der Seligen, aber nach wie vor in einer weitgehend heilen Welt.

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