ÖGB-Leutner: Kranke werden weiter ausgenommen

Weitere Streichung von Sehbehelfen - Einstiegsbrillen gänzlich gestrichen

Wien (ÖGB) - "Die unsozialen Leistungskürzungen im Gesundheitssystem sollen weiter verschärft werden. Kranke Menschen werden ausgenommen ", kritisiert Dr. Richard Leutner, Leitender Sekretär des ÖGB anlässlich des heute, Mittwoch, im Finanzausschuss des Parlaments mit Mehrheit der Regierungsparteien beschlossenen "Gesundheits-Finanzierungspakets", das eine Streichung von Zuschüssen auf Sehbehelfe vorsieht. Dabei wurde eine weitere Verschärfung der Sehbehelfe-Bestimmung von den Regierungsparteien beschlossen: Der Mindestselbstbehalt wird auf 72,60 Euro angehoben, die Mindestgebrauchsdauer von Brillen auf 3 Jahre ausgeweitet und Trifokalbrillen aus dem Leistungskatalog gestrichen. Leutner: "Es ist ungerecht und widerspricht dem Solidarprinzip, dass Gesunde geschont und Kranke zur Kasse gebeten werden."++++

Mit der Anhebung auf 72,60 Euro werden die Selbstbehalte bei Brillen de facto verdreifacht. Das bedeutet, dass augenkranke und sehschwache Menschen für einen überwiegenden Teil der Sehbehelfe selbst aufkommen müssen. Das hat auch medizinische Konsequenzen, denn Einstiegsbrillen müssen künftig zur Gänze selbst bezahlt werden. Bisher wurde beim Wunsch oder der medizinischen Notwendigkeit nach einer Brille oder Kontaktlinsen automatisch eine Vorsorgeuntersuchung des Auges vorgenommen. Dadurch konnten Erkrankungen des Auges wie der Grüne Star, Netzhautdefekte oder Tumore meist frühzeitig erkannt werden. Als Folge der entfallenden Krankenkassenzuschüsse werden sich jedoch viele PatientInnen den Weg zum Augenarzt "ersparen" und sich dadurch hohen medizinischen Gefahren aussetzen. Leutner: "Eine derartige Vorgehensweise ist fahrlässig und das Gegenteil einer vorausschauenden Gesundheitspolitik."

"Künftig müssen sechs Prozent der Versicherten, nämlich die Augenkranken und Sehschwachen, 27 Prozent der zusätzlichen Mittel für die Krankenkassenfinanzierung aufbringen. Das ist ungerecht", so Leutner abschließend.

ÖGB, 1. Dezember
2004
Nr. 799

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