Wie kann man Respekt entwickeln?

"Respekt" zwischen Menschen und Kulturen - hochkarätige Expertenrunde diskutierte an der Politischen Akademie

Wien (OTS) - Die Bedeutung von interkulturellem Verständnis und gegenseitigem Respekt diskutierten gestern Abend bei einer Veranstaltung des "Instituts für Umwelt-Friede-Entwicklung" (IUFE) an der Politischen Akademie der ÖVP Prof. Dr. Reinhold STIPSITS (Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien), Prof. Dr. Andreas J. OBRECHT (Interdisziplinäres Forschungsinstitut für Entwicklungszusammenarbeit, Linz) und DI Dr. Christian BAUMGARTNER (respect, Wien; Forum Nachhaltiges Österreich) unter der Leitung von Dr. Petra C. GRUBER (Geschäftsführerin IUFE).***

IUFE-Geschäftsführerin Gruber. "In einer globalisierten Welt ist das respektvolle miteinander Umgehen notwendiger denn je für ein friedliches Zusammenleben. Respekt sei nicht nur eine Herausforderung, sondern eine Chance für die gemeinsame Lösung der anstehenden Weltprobleme". Davon könne man sich heute täglich vergewissern - beim Blick in Weltnachrichten.

Stipsits: Einfühlendes Verstehen fördert Respekt

Der Beziehungswissenschafter Reinhold Stipsits hob hervor, dass der Abbau von Feindbildern mit dem Respekt vor dem Anderen und der Achtung des Anderen zu tun habe. So könne man auch zu einem besseren interkulturellen Verständnis gelangen. "Die Forschung zeigt, dass für Respekt `einfühlendes Verstehen` notwendig ist. Es ist entscheidend für das europäische Denken, dass es jedem möglich sein muss, den anderen zu verstehen". Ziel sei ein Streitschlichtungsverfahren durch Kommunikation. Dies habe durchaus Vorbildwirkung. Aber, kritisierte Stipsits, man gehe mit diesem europäischen Vorbild sehr leider schlampig um.

Obrecht: Rhetorik gegen Armut reicht nicht

Der Kulturanthropologe Andreas Obrecht verwies auf die Notwendigkeit, zwischen Armut und Verelendung zu differenzieren. "Viele Menschen, die nach unseren Vorstellungen arm sind, sind es nach lokalen Maßstäben nicht". Die Weltrhetorik verlaufe heute zwar in Richtung Armutsbekämpfung. "Von der Umsetzung der Milleniums-Ziele sind wir aber leider noch weit entfernt", betonte Obrecht. Allen voran das Ziel, die Armut bis 2015 zu halbieren. Sehr wohl erreichbar durch eine Verdoppelung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und einer Anhebung des Anteils der direkten Armutsbekämpfung auf 60% dieser Mittel.

Baumgartner: Bildet reisen?

Christian Baumgartner, Experte für nachhaltigen Tourismus, stellte fest, dass mit Fernreisen-Boom auch das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen zunehme. Er bezweifelt aber, dass dadurch auch die positive Auseinandersetzung mit diesen Kulturen wachse. "75% der Gäste, die in die Türkei reisen, verlassen ihre Ferien-Anlage kein einziges Mal", berichtete er. Man müsse zwischen der Kultur des Gastlandes und der Dienstleistungskultur unterscheiden, die der Tourist erlebe. Seine Branche habe gelernt, dass der moralische Zeigefinger nichts nütze. Man müsse auch Respekt vor den Reisenden und ihren Anforderungen nach schönen Erlebnissen und Erholung haben. Deshalb sei es wichtig, ihre Neugier zu wecken und ihnen zu zeigen, was sie alles versäumten, wenn sie sich nicht mit der lokalen Kultur beschäftigten. (schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Angelika Mayrhofer-Battlogg
Tel.: 01/814 20 DW 28; 0676/326 378 3; 0664/824 80 59

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PAO0001