Häupl in NEWS: "Neuerungen im SP-Team überlegenswert."

NEWS-Debatte zu den Folgen des SP-Parteitags: Von Michael Häupl, der Änderungen im Gusenbauer-Team will bis Irmtraud Karlsson, die Gusenbauers Rücktritt fordert.

Wien (OTS) - In einem Interview mit der Donnerstag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS beantwortet der Wiener Bürgermeister die Frage, ob nun Neuerungen im Team rund um Alfred Gusenbauer nötig seien, mit: "Ja. Es ist überlegenswert, darüber nachzudenken."

Er, Häupl selbst, habe zwar "nicht überhören können, dass viele meinen, dass man mit Michael Häupl Wahlen gewinnen kann - aber es hat keinen Sinn, einen Mittvierziger durch einen bald 56-Jährigen zu ersetzen." Er werde eine Kanzlerkandidatur Alfred Gusenbauers unterstützen, "weil er ein ganz gescheiter und fleißiger Arbeiter ist" und deshalb "auch die Wahl gewinnen kann. Ich werde dafür arbeiten."

SP-Gewerkschafter Hans Sallmutter bleibt trotz der Kritik Häupls an seiner Person auch gegenüber NEWS bei seiner Linie "Es gibt noch keinen Kanzlerkandidaten" und konkretisiert seine Vorwürfe gegen die Parteispitze: "Das Image des Vorsitzenden wird von der Konkurrenz immer wieder angepatzt. Da muss die SPÖ sich besser wehren und vor allem weniger Eigenfehler machen."

Bei einer NEWS-Umfrage unter den Parteitagsdelegierten ergibt sich ein ebenso kritisches Bild: So meint Imtraut Karlsson, Delegierte der SP-Frauen, dass "Fredl sich ein Beispiel an seinem Namensvetter Fred Sinowatz nehmen soll - und einem Platz machen soll, der es besser kann." Eine Meinung, die von den meisten Parteigranden so freilich nicht geteilt wird - obwohl die Kritik ansonsten etwa von Leopold Gratz zwar indirekt, aber heftig ausfällt: Viktor Adler zitierend meint der Ex-Bürgermeister, dass "man die Leute liebhaben muss, um erfolgreiche Politik zu machen." Oberösterreichs SP-Chef Erich Haider ist zwar zufrieden, dass "Alfred zeigt, dass er mehr will als Neoliberalismus minus zehn Prozent." Auch wenn er den Parteichef keinesfalls zur Disposition stellen will, meint Haider, dass "Vieles leichter wäre, wenn er nicht für jede Positionierung mehrere Anläufe bräuchte."

Scharfe Kritik am politischen Management des Parteitags übt SP-Pensionistenchef Karl Blecha: "Wir haben uns selbst ins Knie geschossen. Die Prozentdiskutiererei im Vorfeld anstelle klarer Inhaltsdebatten war ein Blödsinn. So geht unter, dass Gusenbauer wirklich Alternativen hat." Die Personaldebatte erklärt Blecha für beendet: "Wenn's keinen gibt, der bereit ist, es zu machen, brauchen wir nicht herumreden. Dann muss Gusenbauer antreten."

Der Klubchef der SP-Niederösterreich, Hannes Weninger, erklärt:
"Schüssel war eine Lachnummer in der eigenen Partei. Erst als Kanzler gewann er Profil. Wir warten jetzt auf das SP-Team. Fraglich, ob Knoll, Broukal und Co. nach so langer Wartezeit noch motivierbar sind." Und AK-Präsident Herbert Tumpel meint: "Die Kommunikation in Gusenbauers Team ist sicherlich verbesserungswürdig. Das Team sucht immer der Häuptling aus." Und der SP-Bürgermeister von St. Veit in Kärnten, Gerhard Mock sieht die "Justamenthaltung zur FPÖ als Blödsinn. Wollen wir auch wieder Junge gewinnen, sollte das Wort Genosse abgeschafft werden."

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