Donau: Lebensader Europas im Würgegriff!

Umweltorganisationen warnen: 20 Jahre nach Hainburg ist die Donau erneut gefährdet.

Wien (OTS) - Wien, am 01. Dezember 2004 - Die Umweltschutzorganisationen GLOBAL 2000, Greenpeace und WWF sehen 20 Jahre nach der historischen Aubesetzung bei Hainburg kaum Anlass zum Feiern. "Es kann nach wie vor keine Entwarnung für die Donau gegeben werden", machten die Organisationen heute in einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien deutlich. Im Gegenteil orten die Organisationen massive Bedrohungen für den Erhalt des Fluss-Ökosystems "Donau". Für eine Intensivierung der Schifffahrt soll die Donau eingetieft und in ein enges Korsett gezwängt werden. Gigantische Straßenprojekte wie die Lobau-Autobahn oder die geplante Marchfeldautobahn im Norden der Au kreisen den Nationalpark Donauauen ein. "Es ist eine Ironie der Naturschutzgeschichte, dass gerade zum 20-jährigen Hainburg-Jubiläum die Zukunft der Donau wieder auf Messers Schneide steht", so die Umweltschutzorganisationen. "Wir fordern daher eine sofortige Nachdenkpause und eine dringliche Entschleunigung der Politik. Derzeit werden von Seiten der Politik rasend schnell Entscheidungen vorangetrieben, die die Donau auf dem Altar einer verfehlten Verkehrs- und Energiepolitik opfern würden. Das muss verhindert werden."

Im Rahmen der Trans-Europäischen-Netzwerke (TEN) soll die gesamte Donau schiffbarer gemacht werden. Als erstes Teilstück soll die Donau zwischen Wien und Bratislava für die Schifffahrt verbessert werden. Würde hier der Fluss, wie vom Verkehrsministerium (BMVIT) vorgesehen, auf 2,80 Meter abgegraben werden, dann würden 1.000 Flusskilometer folgen. Betroffen u.a.: 3 Nationalparks, 11 Ramsar Schutzgebiete, 1 Weltkulturerbe und ein Weltnaturerbe. "Mit der geplanten Kanalisierung der Donau geht Österreich als erstes Land über die Empfehlung der internationalen Donaukommission, die für die Donau flussabwärts von Wien 2,50 Meter vorsieht, hinaus - und das im Nationalpark", so Ulrich Eichelmann, WWF-Auenexperte. Die nächsten Strecken, die auf dieses Niveau vertieft werden müssten, wären die Wachau und der ungarische Donauabschnitt bis Budapest, mit noch unabsehbaren Konsequenzen für den Hochwasserschutz und die Natur. Zwanzig Jahre nach Hainburg geht also wieder eine richtungsweisende Entscheidung von diesem Raum aus. Diesmal geht es nicht um die Energiewirtschaft, sondern um die Schifffahrt. "Jetzt geht es um die ganze Donau. Auf diesen 45 Kilometern entscheidet sich auch, ob die Donau an immer größere Schiffe angepasst wird oder ob dieser Trend endlich gestoppt wird," so Eichelmann.

Weitere aktuelle Gefährdungen für die Donauauen gehen von Straßenbauprojekten in Niederösterreich und Wien aus, zeigt sich die Umweltorganisation GLOBAL 2000 besorgt. "Während es vor 20 Jahren gigantische Kraftwerksprojekte waren, sind es heute Autobahn-Pläne, die den Donauraum bedrohen. Der Nationalpark würde durch die Lobau-Autobahn, die Marchfeldautobahn und die Spange Kittsee förmlich eingeschnürt. Die damit verbundenen Beeinträchtigungen durch Emissionen und Lärmbelästigungen stellen eine massive Verschlechterung des Status Quo dar und gefährden damit den Nationalpark. Im Fall der Lobau-Autobahn wird - egal ob die sechste Donauquerung per Tunnel oder Brücke erfolgt - auf jeden Fall Augebiet zerstört werden. Wir gehen davon aus, dass durch den Bau der Lobau-Autobahn der Wiener Teil des Nationalparks diesen Status verlieren würde. Im Gegensatz zur heute praktizierten Verkehrs-, Umwelt- und Energiepolitik haben wir die richtigen Lehren aus Hainburg gezogen und werden alles daran setzen, diese Projekte zu verhindern. Für uns ist der Jahrestag der Aubesetzung ein Auftrag für den aktiven Schutz der Donau und der Donauauen", so GLOBAL 2000-Verkehrsreferent Heinz Högelsberger.

"Oft wird behauptet, dass wir die Donau für die Schifffahrt ausbauen müssten, um so Verkehr von der Straße wegzubringen. Hierbei wird aber vergessen, dass der Transport via Schiff in erster Linie nicht Verkehr von den Straßen wegnimmt, sondern dass dieser eher eine Konkurrenz zur Schiene darstellt. Mit Schiffen werden eher Massentransporte von Schüttgut durchgeführt, wo die Alternative eben eher der Zug als der LKW ist", sagt Jurrien Westerhof, Greenpeace-Energieexperte. "Es ist somit naiv, zu glauben, dass durch die geplante Donauvertiefung weniger Transit-LKW durch Österreich fahren werden! Insgesamt bedeutet mehr Transport über die Donau wahrscheinlich eher eine Straßenverkehrszunahme! Dabei ist der Transport via Schiene umweltfreundlicher als per Schiff. Es wird vergessen, dass wir es mit einem Fluss, und nicht mit einer Wasserstraße zu tun haben." "Man soll die Schiffe dem Fluss, und nicht den Fluss den Schiffen anpassen", fordert Westerhof. "Es braucht eine verkehrsvermeidende Politik, und nicht eine Politik, die den Transport weiter ankurbelt!"

WWF, GLOBAL 2000 und Greenpeace fordern:

• Keine weitere Vertiefung der Donau über die Empfehlungen der

Donaukommission hinaus (maximal 2,50 Meter) bei gleichzeitiger Renaturierung der Au und Stopp der Sohleintiefung

• Keine Querung der Lobau und keine Schnellstraße durch das Marchfeld.

Die Umweltorganisationen nehmen den Jahrestag der Aubesetzung zum Anlass:
1.) Am 8. Dezember: Tag des Widerstandes: ab 13 Uhr Stopfenreuther Au bei Hainburg mit Kulturprogramm, Ansprachen, Infoständen, Diskussionen und Verköstigung.
2.) Am 10. und 11. Dezember (Ort: Naturhistorisches Museum Wien) findet ein internationaler Donau-Gipfel statt, an dem Naturschutzorganisationen aus zehn Staaten teilnehmen werden. Zentrales Thema ist die Schifffahrt.

Rückfragen & Kontakt:

Weitere Informationen:
Jurrien Westerhof, Greenpeace-Energieexperte, Tel 0664/612 6701
Andreas Baur, GLOBAL 2000-Pressesprecher, Tel 0664/1032 423
Lydia Matzka, WWF-Pressereferentin, Tel 0676/83 488 288

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