Konsum nach Neuberechnung schwächere Konjunkturstütze

Zuwächse im Weihnachtsgeschäft möglich

Wien (WIFO) - Die Konjunktur bessert sich in der EU zusehends. Getragen wird diese Entwicklung von der Exportnachfrage, während die Inlandsnachfrage - auch die der privaten Haushalte - verhalten ist. Während die verfügbaren Einkommen nur mäßig steigen, ist die Sparneigung anhaltend hoch. Die stabilisierende Wirkung des Konsums in einer Rezession ist im Euro-Raum geringer geworden. In Österreich erhöhte sich der private Konsum im 1. Halbjahr nach vorläufigen Berechnungen des WIFO mäßig. Das Wachstum dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte beschleunigen, sodass im Weihnachtsgeschäft Zuwächse möglich sind.

Im Euro-Raum stützte der Konsum nach den Ergebnissen einer ökonometrischen Analyse die Wirtschaftsentwicklung in der Rezession 2001/2003 weniger als im Abschwung 1992/93. Bislang zeigte die von Statistik Austria berechnete Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung für Österreich eine höher Konsumneigung als im Euro-Raum und insbesondere als in Deutschland.

Nach einer Revision des Datensatzes erweist sich diese konjunkturstabilisierende Funktion des privaten Konsums jedoch als geringer als bisher angenommen: Durch die Revision wurde das Niveau der privaten Konsumausgaben etwas nach oben korrigiert, aber weniger stark als das Bruttoinlandsprodukt insgesamt. Die Veränderungsraten der Konsumnachfrage wurden sowohl in nomineller als auch realer Rechnung in der Regel nach unten korrigiert. Im Durchschnitt der Periode 1996 bis 2003 ergibt sich damit ein um rund 0,5 Prozentpunkte pro Jahr langsameres Wachstum des privaten Konsums. Der Anteil des Konsums der privaten Haushalte am BIP wurde durch die Revision geringer, sodass seine konjunkturstabilisierende Wirkung schwächer ist als nach den bisherigen Ergebnissen der VGR.

Im 1. Halbjahr 2004 nahmen die Ausgaben der privaten Haushalte nach vorläufigen Berechnungen des WIFO mäßig zu (+1,4%). Der reale Zuwachs entsprach etwa dem Durchschnitt des Euro-Raumes; in Deutschland war ein weiterer Rückgang zu verzeichnen.

Im Verlauf des Jahres gewann die reale Konsumnachfrage in Österreich an Schwung (I. Quartal +0,8% gegenüber dem Vorjahr, II. Quartal +2,0%; saisonbereinigt II. Quartal +0,7% gegenüber dem I. Quartal), insbesondere die einkommenselastische Nachfrage nach dauerhaften Konsumgütern lebte auf (I. Quartal +3,3% gegenüber dem Vorjahr, II. Quartal +7,9%; saisonbereinigt II. Quartal +0,8% gegenüber dem I. Quartal).

Die Sparneigung dürfte in Österreich derzeit hoch sein; dafür spricht der kräftige Anstieg der Geldvermögensbildung der privaten Haushalte. Dabei ist eine Umschichtung zu Wertpapieren und Finanzprodukten der Versicherungen und Pensionskassen zu beobachten, die mit der Diskussion über weitere Reformschritte für das Pensionssystem und die Förderung der privaten Vorsorge zusammenhängt.

Zu Beginn des 2. Halbjahres verzeichnete der Einzelhandel in Österreich nach Angaben von Statistik Austria einen lebhaften Geschäftsgang. Daraus leiten sich günstige Perspektiven für das Weihnachtsgeschäft ab, das für einige Branchen immer noch von herausragender Bedeutung ist. Wenn der Trend nicht durch die starke Energieverteuerung gedämpft wird, sind leichte reale Zuwächse möglich.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 12/2004!

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