Wilder Ritt durch fünf TV-Jahrzehnte: Dreharbeiten zur ORF-Serie "11er-Haus" auf Hochtouren

ORF-Ausstrahlung voraussichtlich im Herbst 2005

Wien (OTS) - Ein Wiener Zinshaus, 40 Bewohner und 50 Jahre
bewegter Zeit- und Fernsehgeschichte - das ist das "11er-Haus", die neue Unterhaltungsserie des ORF, die derzeit für das Jubiläumsjahr 2005 produziert wird. Noch bis 3. Dezember laufen im siebenten Wiener Gemeindebezirk die Dreharbeiten zu dieser zehnteiligen TV-Produktion aus der Feder von Starkabarettist Alfred Dorfer, die kein Geringerer als Erfolgsregisseur Harald Sicheritz in Szene setzt. In insgesamt 250 launig-unterhaltsamen Serienminuten lädt das "11er-Haus" in seinen einzigartigen Mikrokosmos ein, der aus mehr oder weniger skurrilen Mietern besteht und - ab der Anlieferung des ersten TV-Geräts im Jahr 1955 - fünf spannende (Fernseh-)Jahrzehnte voller sozialer, politischer und wirtschaftlicher Veränderungen widerspiegelt. "Wir liefern hier keine vollkommene Darstellung der Fernsehgeschichte", betont Regisseur Harald Sicheritz, "sondern was man hier sieht, ist die ganz subjektive Wirkung von 50 Jahren Fernsehen auf Menschen der verschiedensten Milieus." Eine beeindruckte Herausforderung, die der österreichische Filmemacher mit ausgesprochener Zuneigung für historische Themen da auf sich genommen hat: "In der Tat. Das ist ein wilder Ritt, der uns in nur acht Wochen durch fünf Jahrzehnte führt. Es ist sehr interessant zu sehen, wie Menschen in dieser Zeit anders leben und die Welt anders sehen - ein wahres Sittenbild. Und spannend ist auch, wie die Schauspieler durch Maske und Kostüm altern."

Langzeitmieter Julia Stemberger und Johannes Silberschneider

Nur zwei der vierzig Bewohner des "11er-Hauses" sind von Anfang bis zum Ende als durchgehende Serienfiguren mit dabei. Einmal ist da Christl Steiner, die 1955 noch ein zehnjähriges Schulkind war und sich noch sehr gut daran erinnert, wie das erste Fernsehgerät ins Haus gekommen ist. Der Zweite im Bunde ist Herr Fischer, ein einfacher kleiner Mann mit Weitblick und Herz, der 1955 schon 30 Jahre alt war und seither ebenfalls turbulente Zeiten erlebt hat. Julia Stemberger und Johannes Silberschneider sind in die Rollen der beiden Langzeitmieter des "11er-Hauses" geschlüpft und haben dafür auch das Altwerden in Kauf genommen. So verwandelt sich Julia Stemberger im Lauf der Zeit in eine 60-jährige Dame, die ihren Mitbewohner, Herrn Fischer, in der letzten Folge der Serie noch liebevoll im Rollstuhl herumkutschiert. Das spannendste für Julia Stemberger war bisher ihr erster Drehtag, weil an einem einzigen Tag ein ganzes Menschenleben vor ihren Augen ablief. "Wir haben an dem Tag sowohl den Anfang als auch den Schluss gedreht und ich war sowohl als Junge als auch als 60-jährige dran. Das ist schon irgendwie seltsam", erzählt Julia Stemberger bei einem Pressetermin am Set. Auch Kollege Johannes Silberschneider hat mit dem (Film-)Alter zu kämpfen: "Ich bin zum Schluss ein vereinsamter alter Mann, bei dem der Sozialstaat einfach nicht greift."

Der Stellenwert des Fernsehens

Im Leben der "11er-Haus"-Gemeinschaft nimmt das Fernsehen eine bedeutende Rolle ein - aber wie ist das im Leben seiner Darsteller und Macher? An das erste TV-Gerät kann sich Regisseur Harald Sicheritz noch gut erinnern. "Bei uns kam das Fernsehen 1964 ins Haus und für mich war das etwas ganz Besonderes. Man konnte vieles daraus erfahren, was man nicht wusste. Meine allererste Erinnerung an den eigenen Fernseher ist mit der Entzündung des olympischen Feuers auf dem Bergisel verbunden." Im Vergleich zu damals sei das Fernsehen allerdings eine Selbstverständlichkeit geworden, so Sicheritz, auf allen Kanälen wird 24 Stunden am Tag gesendet. Dennoch hält der Regisseur von Publikumshits wie "Kaisermühlen Blues", "MA 2412", "Muttertag" oder "Hinterholz 8" die Flut an Fernsehangeboten für unbedenklich. "Jeder ist selbst verantwortlich für das, was er sieht. Man kann niemanden aus seiner Verantwortung entlassen. Man muss nur hinterfragen, welche Interessen werden über das Fernsehen vertreten?"

Hauptdarstellerin Julia Stemberger hatte eine fast fernsehfreie Kindheit: "Wir hatten zu Hause keinen Fernseher. Da stiegen dann natürlich die Besuche bei der Oma in ihrem Wert, denn dort durfte man schauen." Ihr erstes eigenes "Kastl" erstand sie gleichzeitig mit ihrer ersten eigenen Wohnung. "Das war 1984. Aber später wurde ich dann mehr zur Radiohörerin. Ich sehe nur wenig fern, lieber lese ich abends ein Buch. Wenn ich unterwegs bin und in Hotels übernachte, dann schaue ich schon öfters." Auch Filmpartner Johannes Silberschneider ist kein häufiger Fernschauer: "In meiner Kindheit war das Fernsehen eine gewisse Zeit lang prägend, aber heute wird der Fernseher bei uns nicht oft benützt. Wenn ich schaue, bevorzuge ich Nachrichten oder Kunst- und Kulturprogramme. Und als in München lebender Auslandsösterreicher schaue ich natürlich auch öfters ORF 2, weil man nur den Heimatkanal dort bekommt."

Aufdrehen lautet die Devise

Das "11er-Haus" wäre aber für beide Hauptdarsteller Anlass genug, das Fernsehgerät regelmäßig aufzudrehen: "Ja, schon allein wegen der Besetzung und wegen dem Alfred Dorfer. Ich mag seine Sachen sehr", sagt Stemberger und streut dem Drehbuchautor Rosen. Silberschneider würde die Serie nicht verpassen, weil sie "ein Synonym für Österreich und seine Geschichte ist." Noch bis 3. Dezember werden Julia Stemberger und Johannes Silberschneider sowie eine Vielzahl prominenter Kollegen - u. a. Wolfgang Böck, Nicholas Ofczarek, Gabriela Benesch, Bettina Redlich, Alexander Lutz, Erika Mottl, Wolfram Berger, Eva Billisich, Michael Ostrowski, Gertraud Jesserer, Simon Schwarz und Wolfgang Pissecker - im "11er-Haus" ein- und ausgehen. Dann schließen sich die Pforten des Zinshauses vorerst wieder - bis zur glanzvollen Eröffnung zur ORF-Ausstrahlung, voraussichtlich im Herbst 2005.

Mehr Informationen zum "11er-Haus" - eine Produktion des ORF, hergestellt von der Wiener MR Film Gruppe - sind unter http://presse.ORF.at abrufbar.

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