Hauptverband fordert Versachlichung der Diskussion rund um die steirischen Blinddarmoperationen

Wien (OTS) - In der aktuellen Diskussion rund um die Anzahl der Blinddarmoperationen in steirischen Krankenanstalten bestätigte die zuständige Geschäftsführerin im Hauptverband, Beate Hartinger, die vom Magazin NEWS veröffentlichten Daten, rief aber gleichzeitig alle Beteiligten dazu auf, konstruktiv an der Erforschung der Hintergründe mitzuwirken.
Der Hauptverband hat das KV-Systemscreening als Prototyp entwickelt. Ziel der Entwicklung war, den Entscheidungsträgern handfestes Datenmaterial zur Qualität im Gesundheitswesen zur Verfügung zu stellen. Das Datenmaterial zu den Blinddarmoperationen in den steirischen Spitälern steht der steirischen Krankenanstaltengesellschaft Kages seit Ende Oktober zur Verfügung und wurde laut Kleinen Zeitung bereits von Kages-Vorstandsdirektor Christian Kehrer bestätigt.
"Ohne irgendjemanden kriminalisieren zu wollen, geht es mir um die restlose Aufklärung der Daten. Immerhin sind die größten Abweichungen von den österreichischen Durchschnittswerten bei den
0-14 jährigen Kindern. Da sich diese Patienten selbst nicht wehren können, fordere ich alle Beteiligten auf, konstruktiv an der Aufklärung der Daten und den entsprechenden Lösungen mitzuwirken", so Hartinger.
Der Hauptverband hat die Analysen der betroffenen Spitäler sehr ernst genommen. Mit Hilfe des KV-Systemscreenings können jedoch einige Erklärungsversuche als unbegründet belegt werden. Ausgeschlossen werden kann, dass die Größe des Bezirkes oder der Patiententourismus in benachbarte Bezirke für die Abweichungen verantwortlich sind. Alle Daten wurden vor dem Vergleich auf Basis von 10.000 Einwohner standardisiert.
Ausgeschlossen werden kann auch, dass in einzelnen Spitälern die Blinddarmoperationen statt auf herkömmliche Art laproskopisch durchgeführt wurden. Beide Arten einen Blinddarm zu entfernen wurden in der Analyse berücksichtigt. Während ein oberösterreichisches Spital bei 192 herkömmlichen Operationen nur ein einziges Mal laproskopisch den Blinddarm entfernt hat, gibt es andere Spitäler, bei denen das Verhältnis genau umgekehrt ist. So wurden in einem niederösterreichischen Spital im Jahr 2003 nur 6 Blinddärme herkömmlich entfernt, während 161 Blinddarmoperationen laproskopisch durchgeführt wurden.
"Diese Analysen zeigen, dass es keine medizinischen Standards gibt, wann eine laproskopische Operation sinnvoller ist als eine herkömmliche Blinddarmoperation. Auf welche Art der Patient, der das nächstgelegene Krankenhaus aufsucht, operiert wird entscheidet sich somit nach dem Wohnort des Patienten", erläutert Hartinger die Problematik.
Ein anderes Beispiel für die unterschiedlichen medizinischen Standards sind die unterschiedlichen Regelungen in den einzelnen Krankanstaltengesetze der Länder. Einzig in Wien müssen alle Zellen oder Gewebeteile die durch Eingriffe jeglicher Art gewonnen werden einer pathologischen Untersuchung unterzogen werden (§ 15 b Abs.7 Wiener KAG). In keinem anderen Bundesland gibt es vergleichbare Regelungen auf Gesetzesebene.
"Im Interesse der Patienten sind die Fachgesellschaften der Ärzte aufgerufen hier nachvollziehbare Standards zu definieren. Österreich hat ein hervorragendes Gesundheitssystem und es ist im 21. Jahrhundert nicht einzusehen, warum der Wohnort des Patienten für die medizinische Behandlung entscheidend ist", betont Hartinger abschließend.

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