SPÖ-Parteitag: SPÖ-Bildungsprogramm einstimmig beschlossen

Broukal und Niederwieser präsentieren SPÖ-Bildungsprogramm

Wien (SK) Gemeinsam mit den zehn LeiterInnen des
Kompetenzteams Bildung präsentierten SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser und SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal - als "Geburtshelfer des Programms" - am Dienstag beim SPÖ-Parteitag das neue Bildungsprogramm der SPÖ, an dem ungefähr 150 Lehrer, Eltern, Schülervertreter, Studenten, Professoren und Bildungsfachleute mitgearbeitet haben. Wie Broukal betonte, werde mit dem Programm ein Angebot gemacht für pädagogisch wertvolle Ganztagsschulen, für funktionierende Unis und für eine gemeinsame Ausbildung für Pädagogen, die die bisherige Ausbildung über Bord wirft. "Seit gestern gilt ohnehin das Motto 'Lehrer statt Gehrer', so Broukal, der in diesem Zusammenhang an einen gestrigen Ausspruch von SPÖ-Vorsitzendem Gusenbauer erinnerte. Niederwieser erklärte, dass an dem schlechten PISA-Ergebnis die Regierung mit ihren Lehrer-Kürzungen schuld sei und sicher nicht die Lehrerinnen und Lehrer. Das SPÖ-Bildungsprogramm wurde nach Präsentation und Diskussion einstimmig von den Delegierten beschlossen. ****

Schrodt: Bildung muss eine Aufgabe des Staates bleiben

Auf die Frage "Bildung wozu, Bildung wie und mit welchen Inhalten" ging Heide Schrodt, Direktorin der AHS Rahlgasse/Wien, die sich in ihrer Arbeitsgruppe mit diesem Thema beschäftigt hat, ein. Schrodt: "Bildung muss eine Aufgabe des Staates bleiben. Bildung hat für alle da zu sein und nicht nur für die, die es sich leisten können." Gefordert wird der gleichberechtigte Zugang zu allen Ebenen von Bildung, unabhängig von Herkunft und Geschlecht. "Wir wollen jene fördern, die benachteiligt sind. Für uns hat jedes Kind das Recht auf den Besuch einer ganztägigen Schule. Schuldemokratie und Mitbestimmung der Schulpartner sind uns zentrale Anliegen", so die AHS-Direktorin.

Brandsteidl: Bizarre Rundumschläge Gehrers

Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl bezeichnete die Vorwürfe von Bildungsministerin Gehrer als "bizarren Rundumschlag". Es sei klar, dass mit weniger Lehrern und Unterrichtsstunden nicht mehr Qualität erzielt werden könne. Die SPÖ stehe selbstverständlich für Leistung, es brauche aber einen neuen Zugang zur Schule, wie er etwa in Finnland gewählt wurde. Für Brandsteidl gehören dazu eine gemeinsame universitäre Ausbildung der PädagogInnen, der Ausbau der Ganztagsschulen, bilingualer Unterricht und Frühförderung.

Grubich-Müller: Frühförderung wesentliche Forderung

Regina Grubich-Müller, ehemalige Direktorin einer Wiener Volksschule, jetzt Bezirksschulinspektorin und Leiterin des Referats Schulversuche im Stadtschulrat, betonte, dass man den Mut aufbringen müsse, Schule neu zu machen und nicht nur neu zu denken. Besonders wesentlich sei dabei die Frühförderung - z.B. für sprachliche Kompetenz, Motorik und Kreativität -, die für alle Kinder gelten müsse. Erstrebenswert sei ein zehntes Jahr der Schulpflicht vor dem sechsten Lebensjahr in starker Kooperation mit Kleinkindpädagogen und ein fließender Schuleintritt. Außerdem müsse man sich gegen Selektion aussprechen, Mehrstufenklassen und eine alternative Leistungsbeurteilung schaffen. Schule müsse angst- und stressfrei funktionieren.

Riepl: Berufsschulen können mehr, wenn sie es dürfen

Franz Riepl, SPÖ-Abgeordneter und Zentralsekretär der Gewerkschaft Metall, stellte die Vorschläge für eine moderne Berufsbildung in Schule und Unternehmen vor. Derzeit konserviere die konservative Politik das System der beruflichen Bildung; "statt gefördert wird gesiebt". Die zu geringe Durchlässigkeit habe zu enormen Drop-Out-Raten geführt, kritisierte Riepl und forderte daher eine Qualifizierungsoffensive für die Jugend, kein Jugendlicher mit 15 Jahren dürfe ohne Schul- oder Lehrplatz dastehen - "keine Jugendlichen mit Langeweile auf der Straße". Dazu benötige man Berufsorientierung als eigenen Gegenstand in der jeweiligen Schulstufe, bessere Arbeitsbedingungen für die Lehrer sowie eine erweiterte Rolle für die Berufsschule mit Deutsch, Englisch und politischer Bildung in allen Klassen. "Berufsschulen können mehr, wenn sie es nur dürfen", so Riepl. Keinen Sinn würden Schmalspurberufe wie VorhangnäherIn machen; notwendig seien dafür mehr Schulplätze in den BMHS und ein Unterricht in Modulen, um die Sitzenbleiberzahl zu senken. Außerdem sei ein Berufsbildungsfonds gefordert als Lastenausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben. Riepl: "Wer der Jugend Schulen gibt, braucht später weniger Polizisten, Drogenberater und vielleicht auch keine Gefängnisse."

Muttonen: Kultur ist nicht das fünfte Rad am Wagen

SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen betonte, dass Kultur nicht das fünfte Rad am Wagen sei, sondern die Räder schlechthin darstelle. Für die SPÖ sei Bildung nicht nur der Erwerb von Fachwissen und Fertigkeiten, sondern auch ein Beitrag zu einer umfassenden Persönlichkeitsentwicklung. Die Gesellschaft habe sich in den letzten Jahren stark verändert und zu den wichtigsten Voraussetzungen für ein erfülltes Leben gehörten Schlüsselkompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Kreativität, die Fähigkeit zum Querdenken und Neugier. "Kulturelle Bildung ist nicht das Erlernen des Flötespielens oder Malens, sondern die Auseinandersetzung mit unserer Gesellschaft mittels Kunst und Kultur. Eine Auseinandersetzung, die zunehmend wichtiger wird", so Muttonen.

Lapp: Ziel - Inklusive Bildung

SPÖ-Behindertensprecherin Christine Lapp erläuterte den Begriff der "Inklusion", was das selbstverständliche Miteinander vor Ort bedeute und Verschiedenheit im Gemeinsamen bestehen lasse. Um Inklusion zu erreichen, müsse Integration flächendeckend ausgebaut und bessere Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden. Das bedeute, dass Integration verstärkt werden müsse, um dem großen Ziel "Inklusive Bildung" näher zu kommen. Voraussetzung dafür sei auch eine Bewusstseinsänderung aller am Schulsystem beteiligten Menschen, denn sensibel auf Verschiedenartigkeit zu reagieren und den Unterschiedlichkeit als Bereicherung und nicht als Hemmschuh anzusehen, erfordere persönliche und pädagogische Stärke, so Lapp.

Kadlec: Selbstbestimmung braucht Mitbestimmung

Auf die immer noch fehlende Demokratie an Österreichs Schulen ging Kim Kadlec von der Aktion kritischer SchülerInnen (AKS) ein. Die Mitsprache der Schüler solle direkt in den Schulen und Klassen durch regelmäßige Schülervollversammlungen und Klassenräte gesichert werden. Aber auch auf Landes- und Bundesebene soll durch Direktwahl der Vertretungen endlich nicht mehr Scheindemokratie herrschen. Um das Demokratieverständnis möglichst früh zu fördern, müssten demokratische Strukturen bereits bei den 10- bis 14-Jährigen eingeführt werden. "Nur wer demokratische Rechte früh erlebt, kann sie später auch nutzen", so Kadlec

Schasching: Ganztagsschule bietet echte Chancengleichheit

Beate Schasching, SPÖ-Abgeordnete und Bildungssprecherin der Kinderfreunde, hat ein pädagogisches Konzept zur Ganztagsschule entwickelt, das über den Tag verteilt Lernen, Üben, Kreativität und Sport vorsieht. Die Ganztagsschule biete echte Chancengleichheit, weil allen Kindern der Zugang zu Lernressourcen und eine optimale individuelle Förderung gegeben werden. Für die Familien biete die Ganztagsschule die Sicherheit, dass ihre Kinder den ganzen Tag über bestens pädagogisch betreut werden und ein warmes Mittagessen bekommen. Dadurch, dass die Aufgaben in der Schule erledigt werden, werde wertvolle gemeinsame Arbeit am Abend gewonnen. "Wir fordern daher, dass alle österreichischen Eltern die Möglichkeit haben sollen, zwischen der halben und der ganzen Schule zu wählen", so Schasching, die betonte, dass man dazu den flächendeckenden Ausbau der Ganztagsschulen und mehr Geld für die Gemeinden brauche.

Niederwieser: Brauchen neue, bessere Lehrerausbildung

Die Notwendigkeit einer neuen, besseren Lehrerausbildung betonte SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser. Die SPÖ wolle eine Hochschule für alle pädagogischen Berufe - das sei internationaler Standard -, die auch eine echte Hochschule sein soll.

Ludwig: Rechtsanspruch auf Bildungskarenz

Auf die immense Bedeutung der Erwachsenenbildung machte der Wiener Bildungsvorsitzende Michael Ludwig aufmerksam. Der Zugang für alle Menschen zum lebensbegleitenden Lernen müsse gewährleistet sein, und Bildung dürfe nicht auf unmittelbare wirtschaftliche Verwertbarkeit reduziert werden - sie müsse allen Interessen der Menschen gerecht werden. Erwachsenenbildung sei im Sinne des lebensbegleitenden Lernens und als Verschränkung von allgemeiner, beruflicher, kultureller und politischer Bildung zu verstehen, die als "dritte Säule" in das Bildungssystem integriert werden müsse. Jeder müsse eine zweite Bildungschance bekommen - dazu gehöre die Möglichkeit, Abschlüsse gebührenfrei nachholen zu können, eine jährliche Bildungsfreistellung im Ausmaß einer Arbeitswoche unter Fortzahlung des Entgelts sowie der Rechtsanspruch auf Bildungskarenz.

Bayr: Erfolgsgeschichte Fachhochschulen

Auf die Erfolgsgeschichte der Fachhochschulen - fußend auf dem Werk der SPÖ - wies SPÖ-Fachhochschulsprecherin Petra Bayr hin. Dennoch gelte es einiges zu verbessern, etwa mehr Frauenförderung, ein stärkeres Angebot an berufstätige Studierende, mehr Durchlässigkeit für die Fachhochschulen, Einführung von Mitbestimmungsmöglichkeiten, mehr finanzielle Mittel und ein Aufstocken des Angebots.

Broukal: Den Unis wieder Luft zum Atmen geben

"Die SPÖ wird den Unis wieder die Luft zum Atmen geben, sie wird die Studierenden von den Studiengebühren befreien, sie wird den Lehrenden wieder eine Perspektive geben. Sie sollen den Kopf frei für Wissenschaft und Lehre haben und sich nicht um ihr finanzielles Überleben sorgen müssen", erklärte SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal in seinem Redebeitrag. Broukal betonte aber auch, dass die Universitäten und Lehrenden den StudentInnen die Möglichkeit geben müssen, das Studium im Regelfall in der Mindestzeit absolvieren zu können. "Bis jetzt war das Bildungsprogramm unser Kind, nun soll es euer Kind sein", so Broukal abschließend zu den Delegierten. (Schluss) cs

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