Neue Studie: Pflegende brauchen Rechtsanspruch auf Entlastung

Nicht-Valorisierung des Pflegegeldes brachte Staat 1 Mrd. Euro

Wien (OTS) - Um für morgen in Österreich ein funktionierendes Pflege-System zu sichern, müssen heute dringend die nächsten großen Schritte gesetzt werden. Eine zentrale Rolle spielen hier gesetzlich verankerte Informations-, Beratungs- und Entlastungsangebote für Menschen, die ihre alten und kranken Familienmitglieder pflegen: Zu diesem Schluss kommt August Österle in einer Studie zur heimischen Pflegevorsorge, die der Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien im Auftrag der Caritas für die Kardinal König Akademie erstellt hat. Die Nicht-Valorisierung des Pflegegeldes seit 1996 brachte dem Finanzminister demnach insgesamt eine Milliarde Euro im Staatssäckel.

"Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Deutschland und den Niederlanden hat sich Österreich bisher zu stark auf Geldleistungen beschränkt. Was hier zu Lande fehlt sind ein Rechtsanspruch auf Pflegeberatung, Urlaubsvertretung und auf eine sozialrechtliche Absicherung", kritisiert der Experte. Denn nur rechtliche Ansprüche könnten sicher stellen, dass diese Leistungen auch tatsächlich systematisch angeboten und in Anspruch genommen werden, so Österle.

Die begünstigte Selbstversicherung für pflegende Angehörige solle erweitert und auf andere informell pflegende Personen (etwa Nachbarn) ausgedehnt werden, fordert Österle. "Es braucht eine Politik, die sich gleichzeitig auf pflegebedürftige Menschen und informell pflegende Menschen bezieht", ergänzt Co-Studienautorin Elisabeth Hammer.
Die Langzeitpflege werde aufgrund der demographischen Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten noch weit stärker in den Mittelpunkt der Sozialpolitik rücken, ist Österle überzeugt.

Als "wichtigen Meilenstein der österreichischen Sozialpolitik" lobt Caritas-Präsident Franz Küberl die Einführung des Pflegegeldes. Die geplante Anhebung um zwei Prozent ab 2005 hätte aber "viel, viel höher ausfallen müssen".
"Pflegende Angehörige müssen unserer Erfahrung nach selbst besonders pfleglich behandelt werden. Ohne Hilfe von außen drohen ihnen körperliche und seelische Beschwerden, gesellschaftlicher Rückzug und manchmal auch finanzielle Engpässe. Viele Pflegende drohen sogar selbst zum Pflegefall zu werden, weil sie überfordert sind", weiß Küberl. Im Bereich der Betreuung und Pflege arbeiten über 3.500 Caritas-MitarbeiterInnen.

Angehörige als größter "Pflegedienst" Österreichs

Rund vier Fünftel der über 500.000 älteren hilfs- und pflegebedürftigen Menschen werden in Österreich von Familienmitgliedern - 80 Prozent davon Frauen - gepflegt. Die pflegenden Angehörigen stellen damit den größten "Pflegedienst" Österreichs.
"Die Sicherung der ,Daseinsvorsorge’ ist eine zentrale öffentliche Aufgabe des Staates, die nicht privatisiert werden kann. Sonst werden Menschen, die ohnehin schon am Rande der Gesellschaft leben, Opfer einer ausschließlichen Marktperspektive im Bereich der sozialen Dienste", betont Michael Landau, Direktor der Caritas der Erzdiözese Wien und stellvertretender Vorsitzender der Kardinal König Akademie.

Die Kardinal König Akademie wurde 1999 mit dem Ziel gegründet, zur Weiterentwicklung und praktischen Innovation sozialer und pastoraler Tätigkeiten beizutragen.

Die Studienergebnisse werden heute, Dienstag, von 15 bis 18 Uhr im Rahmen eines Expertengesprächs zur zukünftigen Betreuung und Pflege älterer Menschen im Don Bosco Haus, St.Veit Gasse 25, 1130 Wien präsentiert.
mit: Univ. Prof. Dr. August Österle, DSA Mag. Elisabeth Hammer (beide WU Wien), Erich Fenninger (Volkshilfe), Dr. Max Rubisch, Dr. Margarethe Fürstl-Grasser, (beide Sozialministerium), Dr. Elisabeth Gröss, NÖ Landesregierung), Dr. Johannes Rudda (Hauptverband der Sozialversicherungsträger), Franz Küberl, DDr.Michael Landau (beide Caritas)

Der Eintritt ist frei. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

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