"Neues Volksblatt" Kommentar: "Nahtlos" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 30. November 2004

Linz (OTS) - =

Wenn starke Worte (oder, besser, Verbalinjurien, die
sich seriöser Kritik eher entziehen) einen echten Aufbruch ersetzen könnten, wären die SPÖ und ihr Vorsitzender Alfred Gusenbauer wirklich startklar. Tatsächlich war gestern beim SPÖ-Parteitag nur wenig von Aufbruchsstimmung spürbar. Die Genossinnen und Genossen beklatschten ihren Chef zwar, die Ohrfeige bei der Bestätigung machte aber klar, dass hier fehlende Alternative, nicht wahre Begeisterung die Regie führt.
Die Frage, was an Aussagen beim Parteitag geblieben wäre, wenn es den Reibebaum Schwarz-Blau nicht gäbe, macht das Dilemma deutlich. Zu klar wäre die Antwort: nichts. SPÖ und Gusenbauer definieren ihre politische Identität nach wie vor über blanke Ablehnung der Regierung, ÖVP und FPÖ schaffen ihr eine Art Identitätsklammer. Von einem eigenständigen und inhaltlich geprägten Alternativ-Profil ist die heimische Sozialdemokratie weiterhin meilenweit entfernt. Der Weg von der ent-intellektualisierten Marketing-Maschine unter Klima und Rudas zur ent-intellektualisierten Oppositions-Maschine unter Gusenbauer und Bures wurde nahtlos fortgesetzt.

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