"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Halbherziger Kampf" (Von Anita Heubacher)

Ausgabe vom 29. November 2004

Innsbruck (OTS) - Lkw an Lkw, egal ob am Pannenstreifen
aufgefädelt oder in einer Kolonne fahrend, daran hat man sich in Tirol bereits gewöhnt. Zum Leidwesen aller. Und so ist es auch legitim, dass Lkw-Fahrer auf ihr Arbeitsleid aufmerksam machen. Lkw-Fahrer karren das an, was wir täglich konsumieren, billig und just-in-time haben wollen. Zwei Dinge stießen jedoch bei der Frächterblockade am Samstag sauer hoch: Sich die Methode des Protests vom Transitforum abzuschauen, kommt einer Verunglimpfung der Transitgegner gleich. Außerdem wurde mit fragwürdigen Zahlen argumentiert. Die Frächter behaupteten, dass der Transit nur fünf Prozent des Verkehrsaufkommens ausmacht. Eine Behauptung, die an der Zählstelle am Brenner eindrucksvoll widerlegt wird.
Unterm Strich zahlen Lkw-Fahrer und Transitgegner für eine unglaubwürdige Verkehrspolitik, die vor Widersprüchen strotzt. Das Nachtfahrverbot wurde eingeführt, um die Luftgüte zu verbessern. Die Gesundheit als oberstes Ziel der Politik. So rasch wollte man die Ziellinie offenbar nicht erreichen, eine Mini-Ausdehnung des Verbots war die Folge. Ein Placebo für das Wahlvolk, ein Ärgernis für die Lkw-Fahrer.
Wo, wenn nicht im Transit, wird politisch immer der Zusammenschluss mit den Nachbarn gepredigt? Auch das hinkt. Während Tirol die Lkw nachts nicht fahren lässt, belohnt Südtirol seine Frächter, wenn sie nachts fahren. Während Tirol auf das Nachtfahrverbot setzt, klagt Vorarlberg es beim Verfassungsgerichtshof ein. Und Bayern eröffnet aufgrund des Ausweichverkehrs den "Transit-Krieg" mit Tirol.
Den letzten Widerspruch lieferte Verkehrsminister Gorbach. Er verurteilte die Frächterblockade, die Bahn sei das "Gebot der Stunde". Vor sechs Tagen klang das anders. Da forderte, der von der schwarz-blauen Regierung eingesetzte, neue ÖBB-Vorstand Martin Huber, den Ausbau der Unterinntaltrasse zu verzögern. Andere Projekte hätten Vorrang.

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