BILDUNGSENQUETE (3) Kärntner Landesschulratspräsidentin Egger: Fächerkanon ergänzen

Wien (PK) - Dr. Claudia Egger wies bei der Bildungsenquete des Bundesrats zunächst darauf hin, dass sie die erste amtsführende Präsidentin des Landesschulrates für Kärnten sei, die keine Pädagogin ist. Sie sei Juristin und sie habe daher vor zweieinhalb Monaten unbelastet, unbeeinflusst und mit dem Blick von außen ihr Amt antreten können. Bildung sei mehr als Schule, sie bedeute nämlich Sozialisation, Hilfe beim Aufwachsen und das Aneignen von Wissen und Kultur, betonte Egger. Ihr Ziel sei es, eine Bildungslandschaft zu schaffen, in der die Menschen, die Schüler, Eltern und Lehrer im Mittelpunkt stehen, denn eine gute Schule bedinge gegenseitige Wertschätzung und Zusammenarbeit.

Schule und Bildung werden getragen von Personen. Von Personen, die im Idealfall Vorbilder sind, die engagiert sind, die Wertschätzung und Vertrauen weitergeben. Ganz wichtig sei ihrer Meinung nach, dass das Interesse und die Freude am Lernen so früh wie möglich gefördert werden. Es mangle nicht an Anforderungen, die an die Pädagogen gestellt werden. Was Lehrer brauchen sei daher neben guter Aus- und Weiterbildung, Motivation und Respekt in der Gesellschaft sowie Anerkennung und Unterstützung durch den Dienstgeber. Sie könne sich etwa vorstellen, dass ein verpflichtendes Maß an Weiterbildung für Lehrer vorgegeben werden sollte. Egger begrüßte die vom Bildungsministerium eingerichtete "Leadership Academy", weil damit die Lehrer auf Leitungsfunktionen in den Schulen vorbereitet werden. In Kärnten soll die Möglichkeit geschaffen werden, die Leitungsfunktionen zu teilen, führte Egger weiter aus. Für alle verwaltungstechnischen Maßnahmen sollte eine eigene administrative Leitung installiert werden. Warum sollte auch nicht eine bundesweite Imagekampagne für Lehrer, für Bildung und Unterricht gestartet werden, wie dies bereits in Nordrhein-Westfalen erfolgreich durchgeführt wurde, schlug Egger vor.

Eltern und Schüler fordern immer häufiger Möglichkeiten, den Lehrern Feedback geben zu können. In Kärnten wurde bereits ein erster Schritt in Form einer Evaluierung mittels Fragebögen gemacht. Im Moment werde gemeinsam mit Schüler- und Lehrervertretern Resümee gezogen und über die weitere Vorgangsweise diskutiert. Außerdem müsse die Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Familie gestärkt werden, denn Lernergebnisse und vor allem pädagogische Wirkungen der Schulen seien wesentlich von den Eltern abhängig. Diesbezügliche Schulprojekte werden von ihr in Kärnten gefördert, informierte die Landeschulratspräsidentin.

Niemand könne heute sagen, was in zehn Jahren an Berufen und in welchem Ausmaß gebraucht werde. Damit die Schülerinnen und Schüler aber adäquat für später ausgebildet werden, müsse der Fächerkanon erweitert werden, forderte sie. Dabei denke sie an "Gegenstände" wie Phantasie entwickeln, Kreativität schöpfen, Durchsetzungsvermögen beweisen, Durchhaltevermögen zeigen, konfliktfähig sein etc. Es sei auch an der Zeit, dass neben der traditionellen Wissensvermittlung vermehrt Kompetenzen und Fähigkeiten vermittelt werden, die es den Schülern ermöglichen, Zusammenhänge zu erkennen. Prädestinierte Methoden dafür seien sicher der Projektunterricht sowie der fächerübergreifende Unterricht. Auch die Einführung von Bildungsstandards sei begrüßenswert. Der Unterricht sollte auch nicht überfrachtet werden; er müsse Gelegenheit zu Wiederholungen bieten. Bildung beginne ihrer Meinung nach bereits im Kindergarten. Frühkindliche Förderung sei daher sehr wichtig. Ein Ziel müsse es auch sein, den Ausbildungsgang der Lehre zu stärken und gleichzeitig den sozialen Status des Facharbeiters gesellschaftlich anzuheben.

Was die Schulverwaltung anbelangt, so müsse es zu einer Vereinfachung der Strukturen kommen, wünschte sich Egger. Die derzeit teuren Doppel- und Dreifachstrukturen in den Ländern sollten beseitigt werden. Auch sollten die vielen Verfassungsbestimmungen im Schulrecht zugunsten von einfachgesetzlichen Bestimmungen fallen, um gerade diesen Bereich flexibler gestalten zu können.

Im Rahmen des Zukunftsdialogs Kärnten werde gerade ein Bildungsplan in ihrem Bundesland erarbeitet, der regelmäßig adaptiert werden soll, informierte die Präsidentin des Landeschulrates. Gleichzeitig soll Qualitätsmanagement in den Schulen eingeführt und umgesetzt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem fünf Bereiche: Qualität des Unterrichts, Qualität des Lebensraums, Schulpartnerschaft, Schulmanagement und Professionalität. Bei all den Überlegungen solle man jedoch nicht vergessen, dass immer die Menschen im Mittelpunkt stehen. Wenn mit gegenseitigem Respekt an den Zielen gearbeitet werde, dann könne eine bunte und zukunftsreiche Bildungslandschaft entstehen, zeigte sich Egger überzeugt. (Forts.)

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