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AK gewinnt Musterverfahren: Schadenersatz vom Veranstalter für abgesagte Gewinnreise

KonsumentInnen bleiben nicht auf ihren Kosten sitzen

Wien (OTS) - Für eine Gewinnreise hatte eine Konsumentin fast 900 Euro für Zusatzleistungen beim Reiseunternehmen aufgezahlt -eigentlich war alles fix. Doch etwa sechs Wochen vorher wurde die Reise plötzlich abgesagt. Geld zurück, entschied nun das Handelsgericht Wien auf Grund eines AK Musterprozesses: Der Veranstalter von Gewinnspielen haftet für den Schaden, der Konsumenten durch eine abgesagte Gewinnreise entsteht. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Vorgeschichte: "Sie haben einen von vier Preisen gewonnen" -diese Zusendung erhielt Frau K. 2002 von der Prior Produkt Vertriebs GmbH, besser bekannt unter Friedrich Müller. Sie forderte für 50 Euro Organisationsbeitrag ihren Gewinn an und erhielt einen Reisegutschein von Express Tours über eine viertägige Mittelmeerkreuzfahrt für zwei Personen. Sie meldete sich und einen Freund zur Reise direkt bei Express Tours an und zahlte weitere 870 Euro für verschiedene Zusatzleistungen an. Rund sechs Wochen vor Reisebeginn wurde die Kreuzfahrt überraschend abgesagt. Ihre Anzahlungen waren weg. Das Reiseunternehmen mit Sitz auf Malta berief sich auf Zahlungsschwierigkeiten.

Beim Gewinnspielveranstalter hatte die Konsumentin auch wenig Glück. Prior Produkt Vertriebs GmbH hatte sich von seinem finanziell kränkelnden Partner schon getrennt. Zwar bekam sie die 50 Euro Organisationsbeitrag zurück, die Prior selbst verlangt hatte. Für die weiteren Forderungen erklärte sich Prior aber nicht zuständig und verwies sie wieder an Express Tours: Sie hätte den Gewinn auch ohne Extras und Zuschläge bekommen können. Warum aber viele KonsumentInnen die Aufzahlungen leisteten, blieb unerwähnt. So sollte z.B. die Unterbringung am Schiff in einer Vier-Bett-Kabine erfolgen ohne Garantie, dass auch wirklich Personen gleichen Geschlechts untergebracht werden, oder die Reise enthielt keine An- und Abreise zum Ausgangs- und Endhafen der Kreuzfahrt oder alle Termine waren in der attraktiven Reisezeit mit Saisonzuschlägen belegt.

Frau K. wandte sich an die AK. Die AK klagte 2002 den Gewinnspielveranstalter auf Schadenersatz. "Das Handelsgericht Wien gab 2004 der AK in zweiter Instanz Recht. KonsumentInnen, die im Vertrauen auf einen Gewinn weitere Ausgaben tätigen, können sich an den Veranstalter des Gewinnspiels halten, wenn die Reise ins Wasser fällt, weil das Reiseunternehmen die Reise storniert", sagt AK Konsumentenschützerin Jutta Repl. Das Urteil ist rechtskräftig. Die Anzahlungen der Konsumentin und die Verfahrenskosten wurden vom Unternehmen bereits überwiesen. "Ein erfreuliches Urteil, die Konsumenten bleiben nicht auf ihren Kosten sitzen", betont Repl.

Durch das Musterverfahren konnte die AK auch anderen Geschädigten helfen, die sich ebenfalls erfolglos um Kostenersatz bemüht hatten. Die Prior Produkt Vertriebs GmbH hat den KonsumentInnen ihre Unkosten bereits zurückgezahlt.

Rückfragen & Kontakt:

Doris Strecker
AK Wien Kommunikation
tel.: (+43-1) 501 65-2677
doris.strecker@akwien.at
http://wien.arbeiterkammer.at

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