"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Verdächtiger Anwalt" (Von Gerd Glantschnig)

Ausgabe vom 23. November 2004

Innsbruck (OTS) - Wenn ein Rechtsanwalt in Haft genommen wird, schrillen natürlich die Alarmglocken. Denn da steht immerhin das Vertrauen in einen ganzen Berufsstand auf dem Spiel. Und gerade dieses Vertrauen ist das wichtigste Betriebskapital der Rechtsanwälte und übrigens auch der Notare.
Im Fall des ehemaligen Innsbrucker Rechtsanwaltes Markus Z., der am Montag in Haft genommen wurde, geht es um Treuhandgeschäfte. Solche Geschäfte sind äußerst sensible Angelegenheiten. Denn immerhin vertraut da ein Klient sein Geld einem Rechtsanwalt an, der dann dafür zu sorgen hat, dass es zum richtigen Zeitpunkt weiter geleitet wird.
Etwa bei einem Wohnungskauf übernimmt der Anwalt treuhändisch die Kaufsumme, um sie dem Verkäufer erst dann auszubezahlen, wenn der Käufer mit all seinen Rechten sicher im Grundbuch steht, also Eigetümer geworden ist.
Passiert da ein Fehler, kann es durchaus geschehen, dass der Verkäufer bereits das Geld eingesackt hat, laut Grundbuch aber nach wie vor Eigentümer der Wohnung ist. Es ist wohl selbstredend, dass es einige Schwierigkeiten bereiten wird, den Verkäufer dazu zu bewegen, das Grundbuch zu räumen.
Gegen schwarze Schafe ist kein Berufsstand gefeit, auch nicht gegen Fehler, die bei der Abwicklung von Treuhandgeschäften passieren können.
Doch das nützt jenen nichts, die sich darauf verlassen, dass alles seine Ordnung hat. Darum sind die Rechtsanwälte bemüht, Sicherungen einzubauen. So haben Rechtsanwälte ihre Treuhandschaften zwingend über das "Anwaltliche Treuhandbuch" bei den jeweilien Rechtsanwaltskammern abzuwickeln. Für den Fall der Veruntreuung oder für "Kunstfehler" ist dann ein Schutz durch eine entsprechende Versicherung gegeben. Ähnlich halten es auch die Notare. Also kann man von einem versicherten Vertrauen sprechen.

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