Warum Janukowitsch gewinnen musste

"Presse"-Glosse vom 23.11.2004 von Burkhard Bischof

Wien (OTS) - Es ist schwer zu durchschauen, wie die ukrainische Bonzokratie tickt. Klar ist aber so viel: Der herrschende Clan will weiterhin das Sagen haben. Deshalb musste der Kandidat der Macht, der bisherige Regierungschef Viktor Janukowitsch, die Wahl am Sonntag -wie auch immer - gewinnen; deshalb durfte niemals zugelassen werden, dass der Kandidat der Opposition, Viktor Juschtschenko, siegreich aus der Stichwahl hervorgeht.
Alles wäre sonst nämlich gefährdet: der ungestörte Lebensabend des bisherigen Skandalpräsidenten Leonid Kutschma; die rüden Machtintrigen der grauen Eminenz der ukrainischen Politik, Präsidialamtschef Viktor Medwedtschuk; die guten Geschäfte der mit der bisherigen Machtelite verbandelten Oligarchen, von Grigori Surkis bis Kutschma-Schwiegersohn Viktor Pintschuk. Ihnen allen hatte Juschtschenko im Wahlkampf mutig Konsequenzen im Falle seines Sieges angekündigt.
Aber wenn sie von vornherein keinen demokratischen Machtwechsel akzeptieren wollten, warum setzte die Kutschma-Clique dann überhaupt diese Wahlen an? Wahlen, die dann vor den Augen der Welt mit einer derartigen Dreistigkeit gefälscht werden mussten, dass ein Präsident Janukowitsch seine ganze Amtszeit ein tonnenschweres Legitimitätsproblem mit sich herumschleppen wird. Denn weder bei einem großen Teil der eigenen Bevölkerung noch im westlichen Ausland wird er je als frei und fair gewählter Präsident akzeptiert werden.

Rückfragen & Kontakt:

Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445
chefvomdienst@diepresse.com

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PPR0001