WirtschaftsBlatt Kommentar vom 23.11.2004: Post: Wer ist am Dilemma schuld? - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Anton Wais ist, mit Verlaub, ein armer Teufel. Der Generaldirektor der Österreichischen Post AG bekommt speziell seitens der Regierung Prügel, die mit Sicherheit anderen gebühren würden. Die geplante Schliessung von mindestens 350 Postämtern hat Politiker wie Bartenstein, Gorbach oder Mainoni zu merkwürdigen Aussagen motiviert, die sie sich besser hätten sparen sollen. Der Wirtschaftsminister etwa hat damit wohl, wie man so schön sagt, den Sack geschlagen, aber womöglich den Esel gemeint. Wer aber ist dieser Esel? Anton Wais kann's jedenfalls nicht sein, denn der erledigt ja bloss seinen fast unlösbaren Job: Er muss laut Auftrag seines Aufsichtsrats bis 2007 im Filialnetz 22,7 Millionen Euro einsparen; dabei hat er sich sklavisch an die gesetzlichen Vorgaben der Universaldienstverordnung zu halten, die der Post 2002 aufs Auge gedrückt wurden; und nachdem er des Zauberns nicht mächtig ist, bleibt ihm keine andere Chance, als einen Teil der mehr als 1000 unrentablen Postämter eiskalt zuzusperren. Für den Post-Boss, der den früher total verstaubten Monopolbetrieb auf monopollose Zeiten einzustimmen hat, sprechen jedenfalls durchaus erfreuliche Zahlen: Er hat die wichtigsten Kennziffern in den ersten neun Monaten beträchtlich steigern können, das EGT etwa gleich aufs Doppelte. Mit Hilfe des Restrukturierungskurses also Jobs abbauen, Filialen schliessen etc. soll er die Braut auf Wunsch der Eigentümer sprich: ÖIAG in den nächsten zwei Jahren so elegant herausputzen, dass sie dann endlich einem Freier zugeführt werden kann. Die Deutsche Post, die ursprünglich Interesse signalisiert hat, zeigte den Österreichern ja Ende September die kalte Schulter die schwarz-blaue Regierung hatte ihr allzu deutlich zu verstehen gegeben, dass sie an einer Privatisierung der Post vorerst kein Interesse habe. Diese unklare Linie der Regierung, die nicht wirklich weiss, was sie wollen soll, und die massive Ratlosigkeit der ÖIAG-Führung addieren sich zu Rahmenbedingungen, die das Management eines Staatsbetriebs nahezu entmündigen. Anton Wais steckt letztlich in einem straffen Korsett, das ihm weitgehend jeglichen Bewegungs-und Entscheidungsspielraum raubt. Der ziemlich groteske Status quo stellt sich so dar: Ein Minister (Grasser) knöpft der Post AG jährlich eine Sonderdividende ab und setzt sie damit wirtschaftlich unter Druck, ein anderer Minister (Bartenstein) droht ihr das Ende des Briefmonopols an, und der dritte (Gorbach) fordert vom Post-Vorstand "intelligente Lösungen", lässt aber selbst intelligente Ideen vermissen. Fazit: Die Regierung sollte die Schuld an der Misere nicht auf andere schieben, sondern bei sich selbst suchen.

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