WirtschaftsBlatt Kommentar vom 20.11.2004: Zwei Lobbys im New Look - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Österreichs Unternehmer-Lobbys haben sich, von der Öffentlichkeit weit gehend unbemerkt, ein geradezu radikales Facelifting verpasst. Dieses war längst fällig und bringt vorerst einmal eine optische Bereicherung der Standespolitik. Sowohl Industriellenvereinigung als auch Wirtschaftskammer treten nämlich beinahe österreichweit mit neuen Namen an der Spitze auf. Das ist sicherlich zu begrüssen ob das alleine reicht, ist indes eine andere Frage. Seit Veit Sorger als Präsident der Industriellen amtiert, ist in der IV-Zentrale am Schwarzenbergplatz im Vergleich zu früher geradezu eine wilde Frische spürbar. Sorger, unterstützt von den zwei Vizes und Generalsekretär Markus Beyrer, verhilft der in den vergangenen Jahren ziemlich verschlafen wirkenden Institution zu deutlich mehr Ideen und Renommee. Auch in den Bundesländern sind erfolgreiche Industrielle wie Norbert Zimmermann (NÖ), Jochen Pildner-Steinburg (Stmk.) oder Klaus Pöttinger (OÖ) als Frontmen angetreten durchwegs Persönlichkeiten, die jedenfalls als industrielle Paradeunternehmer gelten. Die Wirtschaftskammer setzt sogar noch intensiver auf neue Gesichter als die Industrie: Ihr Präsident Christoph Leitl etwa hat seine Crew mit Hansjörg Schelling und Anna-Maria Hochhauser verstärkt und in den Ländern sind ebenfalls Veränderungen angesagt. So ist es in Oberösterreich und Salzburg bereits zu einem Wechsel an der Spitze gekommen: Rudolf Trauner, der Neo-Landesrat Viktor Sigl beerbt hat, und Julius Schmalzl, der unlängst den glücklosen Rainhard Buemberger ersetzen musste, bemühen sich, so etwas wie eine längst fällige Aufbruchstimmung zu verbreiten. Doch damit nicht genug: In Wien wird die Immospezialistin Brigitte Jank den amtsmüden Walter Nettig ablösen, im Burgenland folgt der Eisenstädter Bürgermeister Peter Nemeth auf den durch und durch unspektakulären Uhrmacher Karl Kröpfl, und in Tirol macht Langzeit-Präsident Hans-Jörg Jäger dem regionalen Wirtschaftsbund-Häuptling Jürgen Bodenseher Platz. Zugleich schickt auch der Wirtschaftsbund da und dort neue Spitzenkandidaten ins Rennen: In Wien, Oberösterreich und dem Burgenland soll beim VP-Bund ebenfalls ein frischer Wind wehen. Im Hinblick auf die Kammerwahlen im März 2005 kommen die Personalrochaden gerade recht. Der Wirtschaftsbund unternimmt jedenfalls alles, um die mit Abstand stärkste Kammer-Kraft zu bleiben. Eine Schlappe, wie sie der ÖAAB bei den AK-Wahlen erlitt, wird ihm garantiert erspart bleiben. Ob die Kammermitglieder allein schon auf Grund der neuen Häuptlinge massenhaft in Begeisterung verfallen, wird sich allerdings erst zeigen.

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