Gewalt gegen Frauen: Millionen Frauen weltweit Opfer - 25.11. "Int. Tag zur Abschaffung von Gewalt gegen Frauen"

Heinisch-Hosek: Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter

Wien (SK) Nächste Woche, am 25. November, wird zum fünften
Mal offiziell der Internationale Tag zur Abschaffung von Gewalt gegen Frauen begangen. Ein Anlass für SPÖ-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek, auf die verschiedenen Aspekte der Gewalt gegen Frauen hinzuweisen. "Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter", sie beinhalte nicht nur körperliche Misshandlungen, sondern auch Psychoterror und eine Verschärfung des ökonomischen Drucks gegen Frauen, so Heinisch-Hosek. Über die internationale Situation informierte Ulrike Plichta, Geschäftsführerin der Österreichischen Stiftung für Weltbevölkerung und Internationale Zusammenarbeit (SWI), und präsentierte erschütternde Zahlen: In Südafrika etwa werden jährlich eine Million Frauen vergewaltigt; speziell in südlichen Regionen "fehlen" 60 Millionen Mädchen durch die selektive Abtreibung weiblicher Föten: in Asien und Osteuropa werden jährlich zwei Millionen Mädchen zwischen fünf und 15 Jahren entführt und als Sexsklavinnen missbraucht, so einige der Zahlen. ****

In Österreich wird jede fünfte bis zehnte Frau in ihrer Beziehung Opfer von Gewalt; 150.000 bis 300.000 Frauen erleiden jährlich Misshandlungen. Und jede zweite Frau gibt an, in ihrem Bekanntenkreis eine zu kennen, die Opfer von Gewalt wird, erläuterte Heinisch-Hosek zur Situation in Österreich. Zwar gibt es seit 1997 das vorbildhafte Gewaltschutzgesetz, leider sei aber das Budget für Maßnahmen gegen und Hilfestellung bei Gewalt nicht ausreichend; auch die Plätze in Frauenhäusern - derzeit sind es 563 - müssen erhöht werden, fordert die SPÖ-Frauensprecherin. Heinisch-Hosek kündigte außerdem eine Initiative für ein "Anti-Stalking"-Gesetz an: Auf Initiative von SPÖ-Frauenvorsitzender und 2. Nationalratspräsidentin Prammer soll ein Gesetz gegen den Psychoterror (etwa vom Ex-Partner) als Vier-Parteien-Gesetzesantrag beschlossen werden; sie hoffe dabei auf das Mitgehen der Regierungsparteien, so Heinisch-Hosek.

Weiters verwies Heinisch-Hosek auf eine Enquete im Parlament zum Thema Gewalt gegen Frauen, die nächste Woche am 25. November stattfindet. Auf Initiative von Präsidentin Prammer werden neben Prammer und Heinisch-Hosek auch die ehemaligen Frauenministerinnen Dohnal und Konrad daran teilnehmen.

Heinisch-Hosek betonte aber auch, dass Gewalt nicht erst beim Hinschlagen beginne. Gewalt sei für sie auch, wenn Frauen Angst haben müssen, im Dunkeln auf der Straße unterwegs zu sein, eine Form von Gewalt sei auch, wenn Frauen bei einer Bewerbung diskriminiert werden, weil sie ja Kinder bekommen könnten, Gewalt sei auch, wenn der ökonomische Druck auf Frauen massiv zunimmt. In diesem Zusammenhang erinnerte die SPÖ-Frauensprecherin an die Auswirkungen der Pensionsharmonisierung für Frauen, wo Frauen durch die lebenslange Durchrechnung, den fehlenden Pensionskorridor und die fehlende "Hacklerregelung" für Frauen zu den Verliererinnen gehören.

Heinisch-Hosek und Plichta vom SWI betonten beide, wie wichtig Anti-Gewalt-Maßnahmen in den Industrieländern auch als Vorbildwirkung für die Entwicklungsländer sind. Wie dramatisch die Situation für Frauen in vielen Regionen der Erde ist, konkretisierte Plichta mit einer Reihe von Zahlen: So werden in einem Jahr etwa in Südafrika eine Million Frauen vergewaltigt, in den USA werden zwei Millionen Frauen von ihren Lebenspartnern körperlich schwer misshandelt, in Russland sterben 14.000 Frauen jährlich an den Folgen körperlicher Gewalt, in Indien passieren rund 7.000 "Mitgiftmorde" pro Jahre, im nördlichen Afrika fallen rund 5.000 Frauen im Jahr einem "Ehrenmord" zum Opfer - meist, weil sie vergewaltigt wurden und damit "Schande" über die Familie gebracht haben. In den Regionen südlich der Sahara werden jährlich zwei Millionen Frauen Opfer einer Genitalverstümmelung.

Aber die Gewalt gegen Frauen beginnt schon, bevor sie geboren werden. In südlichen Regionen - besonders in bestimmten Gegenden Indiens und Chinas - "fehlen" insgesamt 60 Millionen Mädchen, weil weibliche Föten selektiv abgetrieben werden. In bestimmten Regionen in China beträgt das Verhältnis geborener Buben zu Mädchen schon 140 zu 100, normal sind 103 zu 100. Die Gewalt geht bei Kindern weiter:
In Süd- und Südostasien sowie in Teilen Osteuropas werden jährlich zwei Millionen Mädchen zwischen fünf und 15 entführt und als Sexsklavinnen missbraucht; in Südafrika ist die Wahrscheinlichkeit für ein Mädchen lesen zu lernen geringer, als die Wahrscheinlichkeit vergewaltigt zu werden. Dies habe auch mit dem Mythos zu tun, Sex mit einer Jungfrau könne von HIV/Aids heilen, erklärte Plichta.

Auch die Kriege betreffen zunehmend Frauen und Kinder. Im 21. Jahrhundert hat sich der Schwerpunkt der Opfer von den Soldaten zu den Zivilisten verschoben. 90 Prozent aller Kriegstote sind nach Schätzungen heute Zivilisten, davon 80 Prozent Frauen und Kinder. Zum Krieg gehöre auch zunehmend Vergewaltigung als bewusst angewandte Waffe: Allein in Ruanda wurde 1994 über eine halbe Million Frauen systematisch vergewaltigt, 1993 wurden rund 50.000 bosnische Frauen Opfer von Vergewaltigungen. Für die aktuelle Situation in Darfur gebe es zwar noch keine Zahlen, man nehme aber an, dass die Situation für Frauen dramatisch sei.

Die Folgen von Gewalt gegen Frauen seien vielfältig. Plichta verwies als Beispiel auf die Folgen für die reproduktive Gesundheit durch ungewollte Schwangerschaften, unsichere Abtreibungen, Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten, vermehrte Frühgeburten, geschädigte Föten und unterentwickelte Babys. Und auch ökonomisch betrachtet seien die Folgen enorm: So werden in den USA die Kosten, die unmittelbar mit Gewalt gegen Frauen verbunden sind, auf knapp sechs Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt. Und gerade für arme Länder bedeuten diese Kosten auch entgangene Entwicklungschancen, so Plichta, die abschließend noch einmal die Vorbildwirkung der Industrieländern in dieser Frage betonte. (Schluss) ah

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