WKÖ: Wirtschaftsgespräche zu Klimaprojekten in Russland

Erste Abschlüsse schon 2005 zu erwarten - ein Drittel des österreichischen CO2-Bedarfs durch russische Emissionsgutschriften abdeckbar

Wien (PWK 836) - Nach der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls durch Russland vor zwei Wochen fanden diese Woche in der WKÖ die ersten österreichisch-russischen Wirtschaftsgespräche über die Zusammenarbeit im Klimaschutz statt. "Ab sofort ist der russische Markt für Kyoto-Kooperationsprojekte offen. Unser Ziel ist es, die Kosten der Erfüllung des österreichischen Kyoto-Ziels deutlich zu verringern und gleichzeitig Exportchancen zu nützen", sagte Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik der WKÖ, anläßlich einer heute (Freitag) zu diesem Thema abgehaltenen Pressekonferenz.

Mit der Teilnahme Russlands am Kyoto-Abkommen sind 62% der weltweiten Industrieemissionen abgedeckt und mit 2,4 Mrd. Tonnen CO2 (1990) ist Russland der größte Teilnehmer des Kyoto-Protokolls (17%). Russland verfügt daher über ein sehr großes Potenzial an Emissionsreduktionseinheiten für gemeinsame Klimaschutzprojekte. Schwarzer: "Für Österreich bedeutet das, dass durch Kooperationsprojekte sehr große Mengen an Zertifikaten geholt werden könnten um das vorgegebene Ziel, die Treibhausemissionen bis 2012 um 13% zu senken, zu erfüllen." An den russisch-österreichischen Gesprächen nahmen auf russischer Seite Manager der beiden größten russischen Industriebranchen, der Energie- und der Stahlindustrie, sowie der Vorsitzende des JI-Kommitees teil. Auf die Stahlindustrie entfallen rund 10% der Emissionen Russlands. Alleine beim größten russischen Energieversorger UES Unified Energy Systems of Russia steht ein CO2-Reduktionspotenzial von rund 58 Mio. Tonnen bereit.

"Rund ein Drittel der 7 Mio. Tonnen CO2, die Österreich aus der Nutzung der flexiblen Kyoto-Mechanismen brauchen wird, kann es über den Ankauf russischer Projekte hereinbringen", erläuterte Schwarzer. "Besonders erfolgversprechend sind Energieeffizienzprojekte in der Stahlindustrie und der Energiewirtschaft. Großes Interesse auf russischer Seite besteht auch an Energie- und Abfallprojekten in den Ballungszentren." Erste Projektüberlegungen gibt es in der Region Moskau und im Uralgebiet.

Die Russland-Exportzahlen für das erste Halbjahr 2004 zeigen ein Plus von 17 % auf nahezu 600 Mio. Euro. "Für heuer scheint ein Jahresexportvolumen von 1,3 Mrd. Euro möglich und wir hoffen, dass in der Zukunft durch Kyoto-Projekte ein weiterer Ausbau der Geschäfte mit Russland möglich sein wird", sagte Carl de Colle, Exportfinanzierungsexperte der Außenwirtschaft Österreich (AWO). Durch österreichische Projekte in Russland, sogenannte Joint-Implementation-(JI)-Projekte, sollen die Treibhausgasemissionen gesenkt werden. Die eingesparten Emissionen sind für Österreich als Gutschriften für die Erfüllung der Kyoto-Verpflichtung verwendbar.

Ein besonders innovatives Beispiel eines Klimaschutz-Kooperationsprojektes, das sich auch auf Russland übertragen läßt, ist das Deponieprojekt der Kremser Firma Brantner in der Slowakei. Mit der Erfassung der Deponiegase lukriert das Projekt CO2-Zertifikate im Ausmaß von 550.000 Tonnen, welche die holländische Regierung im Rahmen ihres Klimaschutzprogrammes ankauft. Projektentwickler Alexander Simader: "Weitere Vorhaben werden uns im osteuropäischen Raum zusätzliche zwei Millionen Tonnen bringen. Jetzt wollen wir uns auch dem russischen Markt zuwenden und uns damit langfristig die Marktführerschaft für JI-Projekte im Deponiebereich sichern." (Bs)

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