Sofiensäle: Empfehlungen für die weitere Vorgangsweise

Wien (OTS) - Im vergangenen Frühjahr hat die Stadt Wien, Magistratsabteilung 21 A, namhafte ArchitektInnen eingeladen, Expertisen für eine mögliche Neugestaltung und -nutzung der Sofiensäle zu erstellen. Auf Basis dieser Expertisen hat ein Beratungsgremium Empfehlungen für die weitere Vorgangsweise ausgearbeitet, die am Donnerstag von Planungsstadtrat Rudolf Schicker gemeinsam mit dem Präsidenten des Bundesdenkmalamtes, Dr. Wilhelm Georg Rizzi, dem Leiter der MA 21 A, DI Klaus Vatter sowie dem Vorsitzenden des Denkmalbeirates, Dr. Friedmund Hueber, präsentiert wurden. Stadtrat Schicker forderte angesichts der Expertisen neuerlich eine rasche Lösung für die Sofiensäle: "Die Empfehlungen des Beratungsgremiums sind eine gute Grundlage für eine Projektrealisierung. Der Eigentümer wäre gut beraten, jetzt rasch entsprechende Schritte für ein adäquates Projekt zu setzen, das dem Standort und seiner historischen Bedeutung sowie den Empfehlungen der ExpertInnen Rechnung trägt."

Die wesentlichsten Grundsätze dieser Empfehlungen sind:

o Als vorwiegende Nutzung werden Wohnungen (auch in Form von SeniorInnen- oder StudentInnenwohnungen o.ä.) vorgeschlagen
o Der Denkmalschutz soll auch weiterhin gewahrt werden. Allerdings

müssen zeitgemäße Einrichtungen, wie z.B. behindertengerechte Erschließung (in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt) möglich

sein
o Die Erhaltung des ehemaligen "Große Saals" kann als Innen- oder

Außenraum (mit Witterungsschutz) erfolgen; multifunktionale Nutzung o Die mögliche Kubatur und Bebauungshöhe orientiert sich an den Bestimmungen des bisherigen Flächenwidmungs- und Bebauungsplans (abzüglich der Kubatur der denkmalgeschützten Bausubstanz) Partielle Überschreitungen nur als architektonische Akzente und in Abstimmung mit den AnrainerInnen möglich. o Die begrenzte Unterbrechung der geschlossenen Bauweise wird positiv bewertet. Die Abdeckung von bestehenden Feuermauern wird empfohlen o Die Entwicklung von Einkaufspassagen ist nicht anzustreben, Durchgangsmöglichkeiten für FußgängerInnen werden jedoch befürwortet o Die Schaffung von Stellplätzen wird befürwortet, jedoch wird die Errichtung einer Tiefgarage unter den denkmalgeschützten Teilen nicht empfohlen, da dadurch die Bausubstanz gefährdet werden

könnte
o Weitere Vorgangsweise: Flächenwidmungs- und Bebauungsplan bis 2005 (Auslaufen der Bausperre)

Das Verfahren

Ziel des ExpertInnen-Verfahrens war die Formulierung von Empfehlungen als Orientierungsgrundlage für Grundeigentümer, Stadt Wien, Bezirk und Planer im Hinblick auf die weitere Vorgangsweise.

Diese Empfehlungen sollen als Grundlage des neuen Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes dienen, der bis 2005 (Auslaufen der derzeit gültigen Bausperre) dem Gemeinderat vorgelegt werden soll.

Folgende ArchitektInnen haben sich am Verfahren beteiligt:

o O.Univ.Prof. Arch. Dipl.-Ing. Karla Kowalski,
o O.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Michael Szyszkowitz
o Arch. Dipl.-Ing. Gisela Podreka
und MitarbeiterInnen
o O.Univ.Prof. Arch. Dipl.-Ing. Wolf Dieter Prix
und MitarbeiterInnen
o Univ.Prof. Arch. Dipl.-Ing. Dr. Manfred Wehdorn
und MitarbeiterInnen
o Univ. Lektor Arch. Dipl.-Ing. Johannes Maria Zeininger
und MitarbeiterInnen

Mitglieder des Beratungsgremiums:

o Oberbaudirektor iR Prof. DI Egbert Kossak (Vorsitz)
o emer. Univ. Prof. Mag. Friedrich Achleitner
o Mag. Monika Keplinger, MA 7 (in Vertretung von SR Dr. Bernhard Denscher)
o Arch. DI Dr. Friedmund Hueber
o Univ. Prof. Mag. Francoise Hélène Jourda
o DI Ronald Franz, MA 19
o Univ. Prof. DI Andreas Palffy
o Arch. DI Eric Steiner
o SR DI Klaus Vatter, MA 21A
o Bezirksvorsteher-Stellvertreter DI Rudolf Zabrana
o Bereichsdirektor Ao. Univ. Prof. DI Dr. Arnold Klotz

Die Expertisen

o Projekt Arch. Wolf Dieter Prix Verfassung einer Expertise zum Thema Sofiensäle unter besonderer Berücksichtigung der multifunktionalen Nutzungen.

Das Projekt sieht, bezugnehmend auf die ehemalige Nutzung als Bad die Errichtung einer Bäderlandschaft im Bereich des ehemaligen "Großen Saals" vor. Damit funktionell in Verbindung stehen an drei Seiten angelagerte Baukörper, welche Flächen im wesentlichen für folgende Nutzungen bieten: Wellnesshotel, Veranstaltungsbereich, Wohnen und Arbeiten sowie Studentenwohnheim.

o Projekt Arch. Manfred Wehdorn Verfassung einer Expertise zum Thema Sofiensäle unter besonderer Berücksichtigung des denkmalpflegerischen Aspektes.

Im Zuge der Expertise wird die Schaffung eines kompakten Baukörpers durch seitliche Anbauten bzw. wellenförmige Überbauung des historischen Kernbaus mit erweitertem Veranstaltungsbereich vorgeschlagen. Die vorgesehene Seniorenresidenz ist u.a. in vier Bebauungszeilen (mit zugeordneten Freiräumen) über dem Saal situiert. Büroflächen, Gastronomie sowie hofseitige Sondernutzungen (Musikschule, Therapieräume) ergänzen das Angebot.

o Projekt Arch. Karla Kowalski Verfassung einer Expertise zum Thema Sofiensäle unter besonderer Berücksichtigung eines Bauvorhabens, das für öffentliche Nutzungen (Bildung, Kultur, Soziales,...) bestimmt ist.

Im Rahmen des Projektes werden fünf Raumbügel über den "Großen Saal" entwickelt und mit verschiedenen Nutzungen zum Thema Musik, wie zum Beispiel Musik- und Tanzschule, Verwaltungs-, Regie- und Probenräume, Gastronomie, Fitness- und Entspannungsbereich sowie Wohnen (auch temporär mietbare Musikerappartements) besetzt.

o Projekt Arch. Gisela Podreka Verfassung einer Expertise zum Thema Sofiensäle unter besonderer Berücksichtigung der Fragestellung: Wie kann der denkmalgeschützte Baubestand mit einem neuen Bauteil einer anderen Architektursprache verknüpft werden?

Das Projekt sieht eine Bebauung vor, die sich U-förmig um den, als halböffentlichen mit Glas überdachtes Forum konzipierten Bereich des ehemaligen Saales entwickelt, und an der Blattgasse/Kegelgasse durch einen abgesetzten Baukörper (Hotel) geschlossen wird. Ein Nutzungsmix aus Büros, Gewerbe, Mehrzweckräumen für kleinere und mittlere Veranstaltungen sowie Wohnen und Arbeiten (ab der 3. Ebene) wird vorgeschlagen.

o Projekt Arch. Johannes Zeininger Verfassung einer Expertise zum Thema Sofiensäle unter besonderer Berücksichtigung der komplexen hochbautechnischen Situation des denkmalgeschützten Saales.

Die Expertise sieht eine Randbebauung vor, die den Baublock weitgehend schließt und hofseitig durch einen "Loftriegel" ergänzt wird, der ehemalige Sofiensaal wird dabei zum Außenraum (mit temporärer Abdeckung).
Wohnen und Arbeiten mit dem Schwerpunkt Medien soll einen Cluster mit ergänzenden Dienstleistungen bilden.

Die Empfehlungen des Beratungsgremiums

Nach eingehender Diskussion der Ergebnisse der vorgelegten Expertisen wurden seitens des Beratungsgremiums folgende Empfehlungen für die weiteren Schritte einer Projektrealisierung ausgesprochen:

o Nutzungen

Als dominante Nutzungsform wird Wohnen (auch in spezialisierten Formen wie Seniorenwohnen, Studentenwohnen, Mehrgenerationenwohnen u.ä.) empfohlen. Ergänzungen durch kleinflächige gewerbliche Nutzungen und Büronutzungen, Flächen für gelegentliche kulturelle Aktivitäten in kleinem Rahmen erscheinen zielführend. Nutzungsvorschläge wie Bad/Wellness, Hotel, Veranstaltungszentrum/ Kulturzentrum werden hinsichtlich ihrer Finanzierbarkeit und Wirtschaftlichkeit als nicht ausreichend tragfähig bewertet. Es besteht keine aktuelle Nachfrage.

o Denkmalschutz

Das Beratungsgremium geht in seiner Empfehlung von der räumlichen Erhaltung des derzeit unter Schutz stehenden baulichen Bestandes aus. Im Bereich des Foyers sollte jedoch im Sinne der Schaffung einer zeitgemäßen und behindertengerechten Erschließungsinfrastruktur eine Anpassung an diese Erfordernisse in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt möglich sein. Dies bezieht sich insbesondere auf die Anschlussbereiche zwischen Alt- und Neubau im Bereich der Stiegenaufgänge. Eine Absetzung der historischen Fassade und des historischen Baukörpers an der Marxergasse, wie sie die bisherige Fluchtlinienfestlegung im Plandokument vorsieht, sollte beibehalten werden.

o Ehemaliger "Großer Saal"

Die Erhaltung der Saalwände kann als Innen- oder Außenraum erfolgen, ein entsprechender Witterungsschutz der ehemals innenliegenden Saalwände ist sicherzustellen. Eine multifunktionale Nutzung für die BewohnerInnen und die Öffentlichkeit (quartierbezogen), jedoch ohne feste Einrichtungen (wie Sitzreihen, Sanitäreinrichtungen, Veranstaltungsinfrastruktur, etc.) wird empfohlen.

o Kubatur und Bebauungshöhe

Eine künftige architektonische Lösung soll sich an jener Kubatur orientieren, die sich, unter Abzug der Kubatur der denkmalgeschützten Substanz, aufgrund der bisherigen Bestimmungen des Flächenwidmungs-und Bebauungsplanes ergibt.
Unter Beachtung der AnrainerInnenrechte sind partielle Überschreitungen der Bebauungshöhe im Sinne architektonischer Gestaltungslösungen im Rahmen der Bauklasse IV möglich. Der gesetzlich verankerte Lichteinfall zur bestehenden Bausubstanz in der Marxergasse, Blattgasse und Kegelgasse ist dabei zu gewährleisten.

o Bauweise Die begrenzte Unterbrechung der geschlossenen Bauweise wird positiv bewertet. Die Abdeckung von bestehenden Feuermauern wird

empfohlen.
o Passagen

Die Entwicklung von Passagen (im Sinne von Geschäftspassagen) durch das Grundstück ist aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht anzustreben. Eine gewisse Durchlässigkeit der Sockelzone wird jedoch befürwortet. o Stellplätze / Tiefgarage Es wird empfohlen keine Unterbauung vorzunehmen, die die aufgehenden Wände der denkmalgeschützten Substanz gefährden könnte. Die Schaffung von Stellplätzen über jenes von der Wiener Bauordnung vorgesehene Maß hinaus wird positiv bewertet. o Weitere Vorgangsweise

Da die Beauftragung der fünf ExpertInnen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten erfolgte, sind die angebotenen Lösungen nicht direkt vergleichbar. Aufgrund der intensiven Beschäftigung mit der bestehenden Substanz, den möglichen Nutzungsspektren sowie den Architekturlösungen empfiehlt das Beratungsgremium im Fall einer Projektrealisierung unter den o.a. Prämissen (1.-7.) jene fünf ExpertInnen, welche an diesem Verfahren teilgenommen haben, zu einer Überarbeitung einzuladen.

Weitere Informationen unter http://www.iemar.tuwien.ac.at/sofie/

rk-Fotoservice: http://www.wien.at/ma53/rkfoto/

(Schluss) gb

Rückfragen & Kontakt:

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Gaby Berauschek
Tel.: 4000/81 414
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