• 18.11.2004, 09:40:10
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Spielzeughersteller im "Konsument"-Ethik-Test

Niedrigste Löhne trotz vieler Überstunden. Besonders schlechte Arbeitsbedingungen unter Disney.

Wien (OTS) - Viele der Geschenke, die jedes Jahr unter dem
Weihnachtsbaum landen, haben eine lange Reise hinter sich. Vor allem
Spielzeug wird zunehmend in Ländern der Dritten Welt produziert -
niedrige Arbeitslöhne verschaffen den Herstellern dort hohe Gewinne.
Das Testmagazin "Konsument" hat die gesellschaftliche Verantwortung
von sechs bekannten Markenherstellern, die ihre Spielzeugproduktion
nach China ausgelagert haben, unter die Lupe genommen. Die Angaben zu
den Produktionsstätten basieren auf Berichten dort tätiger
Arbeitskräfte. Ernüchterndes Fazit des Ethik-Tests: Die
Arbeitsbedingungen sind - laut Aussagen der Beschäftigten - bei allen
Produzenten miserabel. Am schlechtesten geht’s Arbeitern bei Walt
Disney.

Der Verein für Konsumenteninformation nimmt seit zwei Jahren -
gemeinsam mit anderen europäischen Verbraucherorganisationen - die
gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen unter die Lupe. Im
aktuellen Test wurde den großen Markenfirmen der Spielzeugindustrie
direkt auf den Zahn gefühlt - durch Besichtigung von
Produktionsstätten und Interviews mit betroffenen Arbeitern in der
chinesischen Region Guangdong. Internationale Hersteller finden dort
besonders "erfolgsversprechende" Produktionsbedingungen vor: Kaum
arbeitsrechtliche Vorschriften, niedrige Lohnkosten und bestechliche
Beamte. Mittlerweile werden weltweit rund 70 Prozent aller Spielwaren
in China hergestellt. Der Ethik-Test beruht auf Aussagen der in den
Produktionsstätten tätigen Arbeiter, die außerhalb des
Betriebsgeländes befragt wurden. Die Angaben sind nicht
notwendigerweise auf die gesamte Belegschaft umlegbar. Auftraggeber
des Tests ist die internationale Testorganisation ICRT.

Dass es mit der sozialen Verantwortung der Konzerne - trotz
vereinbartem Verhaltenskodex zur Einhaltung sozialer Mindeststandards
- in der Praxis nicht zum Besten steht, zeigt die starke Abneigung
gegenüber Werksbesichtigungen. Nur der japanische Hersteller "Bandai"
("Power Rangers"-Figuren) und der dänische "Lego"-Konzern
("Clikits-Schmuck") ließen die Tester die Betriebsstätten besichtigen
- wenn auch wie bei "Bandai" strengstens bewacht durch Manager und
Sicherheitskräfte.

Auffallend ist besonders die systematische und massive
Überschreitung der Überstundenbeschränkung, mit der die Löhne
keineswegs mithalten - ein Großteil des Überstundenentgelts wird
nicht ausbezahlt. Durch die verzögerte Auszahlung der Löhne wird
verhindert, dass Arbeiter vorzeitig kündigen. Andere Betriebe bieten
auch langjährigen Mitarbeitern nur einjährige Verträge, um damit den
gesetzlichen Urlaubsanspruch zu umgehen. Neben den beiden weltgrößten
Spielzeugproduzenten Mattel ("Barbie") und Hasbro ("Action Man")
zählen auch bei MAG Entertainment ("Bratz-Doll"-Puppe) und Walt
Disney ("Lion-King"-Plüschtier) solche Methoden zu den gängigen
Mitteln, um die Gewinne zu erhöhen.

Eindeutiges Schlusslicht in Sachen sozialer Verantwortung ist der
amerikanische Walt Disney Konzern. Die Arbeiter schuften unter
miserablen Bedingungen bis zwei Uhr früh, machen insgesamt 214
Stunden Überstunden pro Monat, haben in der Saison keinen einzigen
freien Tag und bekommen dafür nur die Hälfte des ihnen zustehenden
Lohnes bezahlt.

Einzig positiver Effekt: In keiner der sechs Fabriken gab es
Anzeichen für Kinderarbeit. Zudem wird auf die Gesundheit und
Sicherheit der Arbeitnehmer offensichtlich größeres Augenmerk gelegt
als früher. Dennoch bleiben zahlreiche Missstände bestehen. In vielen
Bereichen werden gesetzliche Bestimmungen, aber auch die freiwilligen
Verpflichtungen des Verhaltenskodex des Weltverbandes der
Spielwarenindustrie ICTI, ignoriert.

Mehr zu den verdeckten Interviews mit Arbeitern erfahren Leser in
der Dezember-Ausgabe von "Konsument" und in der Onlineversion unter
www.konsument.at.

OTS0049    2004-11-18/09:40

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NKI

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