Anschlag der EU auf die Genossenschafts-Revision?

Länderübergreifende Gegen-Initiative von Genossenschaftsverbänden führt zu ersten sichtbaren Erfolgen. Gemeinsame Resolution verfasst.

Wien (OTS) - Der Österreichische Genossenschaftsverband (Schulze-Delitzsch) und der Raiffeisenverband Tirol haben gemeinsam mit dem Genossenschaftsverband Bayern, dem Raiffeisenverband Südtirol und der Federazione Trentina delle Cooperative eine Resolution erstellt. Diese wurde am 16.11.2004 in der Europäischen Akademie Bozen dem Vertreter der EU-Kommission, Herrn Dkfm. Georg Lanfermann (Nationaler Experte der EU für Accounting and Auditing), übergeben. Eine intensive Auseinandersetzung mit der 8. EU-Richtlinie (Prüferrichtlinie) fand anlässlich der Tagung des Internationalen Instituts für Genossenschaftsforschung im Alpenraum (IGA) - wie Arnulf Perkounigg (Raiffeisenverband Tirol) und Hans Hofinger (ÖGV) betonten - statt.
Das Motto der Tagung lautete "Fällt die genossenschaftliche Betreuungs- und Beratungsrevision der EU zum Opfer?". Damit wollen die oben angeführten Genossenschaftsverbände zum Ausdruck bringen, dass die Beratungs- und Betreuungsrevision gefährdet ist. Sie fürchten einen Anschlag auf die über Jahrzehnte bewährte Geschäftsgebarungsprüfung und die damit verbundene Beratung und Betreuung. Da diese Maßnahmen dazu dienen, eine ordnungsgemäße und verantwortungsvolle Geschäftsgebarung zu unterstützen.
Durch die rechtlich abgesicherte Unabhängigkeit des Revisors, der in Österreich auch Träger der Revision ist, ist die Ordnungsmäßigkeit der Prüfung gewährleistet.
Hofinger betont, dass die genossenschaftliche Revision über die formalrechtliche Abschlussprüfung der Kapitalgesellschaften weit hinausgeht. Es handelt sich um die älteste Pflichtprüfung, deren Wurzeln auf das Jahr 1903 zurückgehen, die verschiedene Funktionen zu erfüllen hat:

· Schutz der Eigentümer vor Einlagenverlusten und Nachschüssen im Sinne des Member Value-Gedankens; · Schutz der Gläubiger vor Forderungsausfällen im Hinblick auf Bonität; · Schutz des genossenschaftlichen Verbundes vor finanziellen Schäden im Sinne der Solidarität; · Schutz des Wirtschaftssystems, um eine gesamtwirtschaftliche Stabilität zu sichern; · Schutz der Organisationsform "Genossenschaft", um die Reputation

aufrecht zu erhalten;
Diese Ziele sind optimal mit der genossenschaftlichen Revision durch unabhängige Revisoren - wie im Genossenschaftsrevisionsgesetz vorgesehen - zu erreichen.
Nach eingehender Diskussion hielt Herr Dkfm. Lanfermann fest: "Wir suchen eine konstruktive Lösung auch für die genossenschaftliche Revision. Wir sind gegenüber der Genossenschaftsrevision positiv eingestellt und wollen altgewachsene Traditionen nicht brechen."
Mit diesen Äußerungen haben die Genossenschaftsverbände, so Hofinger und Perkounigg, die Hoffnung geschöpft, dass der vorgesehene Angriff gegen die genossenschaftliche Gebarungsprüfung zurückgedrängt werden kann.

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