ÖGB: Jungen Frauen drohen Pensionskürzungen von über 20%

Csörgits: Teilzeitbeschäftigung wird zur Pensionsfalle

Wien (ÖGB) - "Mit Superlativen über die tolle Anrechnung der Kindererziehungszeiten biegt sich ÖVP-Generalsekretär Lopatka die Welt zurecht. Der Bundeskanzler schreibt der Nation vor, welche Pensionsverluste als Kürzungen bezeichnet werden dürfen und welche bei den Berechnungen zu ignorieren sind. Tatsache ist: Die Pensionsharmonisierung der Regierung führt zu massiven Verlusten und Frauen zahlen ganz besonders drauf", sagt ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits. Vor allem Teilzeit arbeitende Frauen verlieren massiv. "Die Anrechnung der Kindererziehung gleicht die Verluste aus der Teilzeit nicht aus", so Csörgits.++++

Laut Regierungsplan werden Zeiten der Kindererziehung bis zum vierten Geburtstag des Kindes in Hinkunft mit einer Bewertungsgrundlage von 1.157 Euro im Monat angerechnet. "Abhängig von der Zahl der Kinder und vom erzielten Einkommen reicht die Anrechnung der Kindererziehungszeiten in der geplanten Höhe gerade aus, um die Verluste aus zwei bis drei Jahren Teilzeit zu kompensieren. Die meisten Mütter arbeiten aber weit länger Teilzeit", sagt Csörgits. Im ÖGB-Modell sei dies berücksichtigt.

"Unser Modell ist lebensnah. Es sieht - in abgestufter Form - die Anrechnung der Kindererziehungszeiten bis zum 7. Geburtstag des Kindes mit dem Medianeinkommen der Frauen und Männer in Höhe von 1.800 Euro vor", erklärt die ÖGB-Frauenvorsitzende. Selbst FP-nahe Experten wie Herbert Vonach hätten die Umsetzung des ÖGB-Modells gefordert. "Aber auch die FPÖ ist offensichtlich nicht an einer fairen Harmonisierung interessiert, sondern nur daran, an der Regierung zu bleiben", kritisiert Csörgits. Anders sei nicht zu erklären, weshalb die FPÖ ihre Forderung nach Einziehen eines 15-prozentigen Verlustdeckels beim Pensionskorridor "mit Spitzengeschwindigkeit" wieder fallen gelassen habe.

Apropos Pensionskorridor: Für Frauen, die unter 35 sind, gilt bereits jetzt ein Pensionsantrittsalter für die reguläre Alterspension von 65 Jahren. Bei einem früheren Antritt - ab 62 -gelten für diese Frauen dann auch die Korridorabschläge von 4,2 Prozent pro Jahr. "Zusammen mit den übrigen Kürzungsmaßnahmen ergeben sich für junge Frauen dadurch Verluste von mehr als 20 Prozent. Ob man diese Kürzungen dann beim Namen nennt oder als 'persönliche Entscheidung' schön redet, wie der Kanzler das tut, ist wohl Nebensache", so Csörgits abschließend.

ÖGB, 17. November
2004
Nr. 752

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