"Pflegeberufe. Der Job des Lebens" - Bereits zahlreiche Anfragen durch Kampagne"

Gesundheitsministerin Rauch-Kallat, LH-Stv. Prokop, Univ.-Prof. Schneider: Pflegeberuf forcieren

Wien (OTS/BMWA) - Nach der Eröffnung und dem Eingangsreferat von
BM Bartenstein wies Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat bei der heutigen Enquete "Pflegeberufe. Der Job des Lebens" ebenfalls auf den wachsenden Bedarf von hauptberuflichen Pflegekräften hin. Die demographische Entwicklung lasse in der Zukunft eine wesentlich höhere Zahl an pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen erwarten. Daher sei es wichtig, das Interesse für eine Tätigkeit in einem dieser verantwortungsvollen, interessanten aber auch sicheren Berufe zu wecken. Die Kampagne "Pflegeberufe. Der Job des Lebens" habe bereits zu zahlreichen Anfragen über die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten geführt. ****

Zwtl. Prokop: Reform der Gesundheitsberufe wichtiger Schritt

Die Landeshauptmann-Stellvertreterin von Niederösterreich Liese Prokop bezeichnete in Ihrem Statement die kürzlich getroffenen 15a-Vereinbarung zwischen dem Bund und den Ländern über einheitliche Berufsbilder, Ausbildungs- und Qualitätsstandards als einen ersten wichtigen Meilenstein, um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen. Einen zweiten wesentlichen Schritt sieht Prokop in der Reform der Gesundheitsberufe. Sie betonte die Wichtigkeit der Übernahme der Sozialbetreuungsberufe in das GUKG (Bundesgesetz über Gesundheits- und Krankenpflegeberufe) und die Notwendigkeit der Integration der Ausbildung in das Regelschulwesen in Form einer 5jährigen Ausbildung in Höheren Lehranstalten. Niederösterreich habe durch die Etablierung von 6 Fachschulen für Alten- und Pflegehilfe an Standorten von HBLA sehr positive Erfahrungen gemacht. Auch einer langjährigen Forderung der Berufsgruppe in der Diplomausbildung den direkten Zugang zur Matura zu ermöglichen würde damit Rechnung getragen, so Prokop. Die Realisierung dieser zentralen Forderung würde auch zu einer Anhebung des Images des Pflegeberufes beitragen.

Prof. Schneider: "Formelle Pflegeformen" bieten große Beschäftigungschancen

Prof. Dr. Ulrike Schneider vom Institut für Volkswirtschaftstheorie und -politik an der Wirtschaftsuniversität Wien wies darauf hin, dass derzeit rund 80% aller hilfsbedürftigen Personen über 60 vorwiegend von Verwandten Hilfe geleistet bekommen und nur 9% der betreuungsbedürftigen älteren Menschen Hilfe ausschließlich von sozialen Diensten bekommen. Das hohe Ausmaß an "informeller Pflege" verursache erhebliche volkswirtschaftliche Kosten, die bisher nur unzureichend thematisiert seien: entgangene Erwerbs- und Karrierechancen, höhere Fluktuations- und Absenzraten in den Betrieben und dergleichen. Informelle Pflege könne daher keineswegs als kostengünstige Lösung für die Versorgung pflegebedürftiger Menschen gesehen werden.

Eine Verlagerung auf "formelle Pflegeformen" sei außerdem, so Schneider, mit großen Beschäftigungschancen verbunden, zumal schon 1999 mehr als 45.000 Personen in der Pflege beschäftigt waren. Allerdings weise dieser Sektor auch in den Arbeitsbedingungen begründete hohe Krankenstands- und Fluktuationsraten auf. Arbeitszeitregime, Entlohnung, Weiterbildung und dergleichen seien die wesentlichen Ansatzpunkte, um den Nachwuchsmangel im Pflegesektor effektiv zu senken. Daneben bestehe auch die Frage, wer einen Beschäftigungszuwachs finanziell tragen wird, ob jede(r) Einzelne oder die Gesellschaft insgesamt zu mehr Investitionen in die formelle Pflege bereit ist.

Hier, so die Professorin abschließend, sei neben verstärkter Eigenvorsorge und höheren öffentlichen Aufwendungen eine "betriebliche Sozialpolitik" als potenzielle Quelle für die Expansion formeller Angebote denkbar. Der Vereinbarkeit von informeller Pflege und Beruf werde wachsende Bedeutung zukommen. Die Anbieter sozialer Dienstleistungen seien gefordert, den Markt für betriebliche Angebote der Tagespflege zu entwickeln.

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