Greenpeace-Aktion in Bukarest gegen Goldminenprojekt in Rosia Montana mit Polizeigewalt beendet

Polizei ging auch gegen Medienvertreter vor - Interview von Polizei unterbrochen

Bukarest/Wien. (OTS) - Kurz nach neun Uhr blockierten heute 25 Greenpeace-Aktivisten aus Österreich, Deutschland, Ungarn und Rumänien den Haupteingang zum Amtssitz des rumänischen Ministerpräsidenten Adrian Nastase in Bukarest. Die Aktivisten protestierten mit dieser Aufsehen erregenden Aktion am Victoria Palast im Zentrum von Bukarest gegen die geplante Riesen-Goldmine in Rosia Montana in Westrumänien. Auf Transparenten stand in Rumänisch und Englisch "Handeln, nicht nur Reden: Retten Sie Rosia Montana!" Bevor eine Kiste mit 350.000 Unterschriften übergeben werden konnte, die den Ministerpräsidenten auffordern, das die Umwelt zerstörende Projekt zu stoppen, wurde die Aktion mit Polizeigewalt beendet. "Die Polizisten gingen brutal nicht nur gegen die Greenpeace-Aktivisten sondern auch gegen die anwesenden Medienvertreter vor. Die Aktivisten wurden von der Polizei in die U-Bahn gezerrt. Die rumänische Greenpeace-Sprecherin Anamaria Bogdan wurde direkt von einem TV-Interview vor der Kamera von der Polizei weggezerrt", empörte sich Greenpeace-Experte Herwig Schuster am Ort des Geschehens.

"Die Petition an die rumänische Regierung zeigt, wie groß der öffentliche Widerstand gegen dieses Projekt ist. Der Ministerpräsident und die Behörden sollten auf die Stimme des Volkes hören. Wir sind heute hier, um dieser Stimme Gehör zu verschaffen. Wir fordern die Regierung auf, die Genehmigung für das Rosia Montana-Minenprojekt zurückzuziehen", sagte Greenpeace-Sprecherin Anamaria Bogdan heute in Bukarest.

Gabriel Resources, der Hauptaktionär der Rosia Montana Gold AG (RMGC) will im rumänischen Rosia Montana in den Apuseni Bergen Europas größtes Tagebau-Goldbergwerk errichten. Im Zuge des Projekts sollen mehr als 2000 Menschen zwangsumgesiedelt und einzigartige Naturgebiete und archäologische Stätten für immer zerstört werden. "Das Minenprojekt wird auch ein größeres Hindernis für Rumäniens Beitritt zur EU im Jahr 2007 sein weil es die Nachhaltigkeitskriterien nicht erfüllt. Das war eine wichtige Bedingung der EU", sagte Bogdan. Auch die Weltbank hatte vor zwei Jahren die Kredite für das Projekt wegen der befürchteten katastrophalen Folgen verweigert. Mit 5000 Tonnen Zyanid pro Jahr, einem Salz der Blausäure, soll das Gold aus dem Gestein gewonnen werden. Bereits ein Gramm des Giftes kann einen Ochsen töten. In Rosia Montana muss ein 180 Meter hoher Speicherdamm errichtet werden, der den giftigen Schlamm auffängt. Wenn dieser Damm bricht - wie es bereits zweimal im Jahr 2000 in Baia Mare und Baia Borsa der Fall war - droht Osteuropa eine der größten denkmöglichen Umweltkatastrophen.

Die EU befürchtet gravierende Folgen durch die Größe der Mine und die Gefahr für die Umwelt und die dort lebenden Menschen. Das Projekt wurde von rumänischen und auch internationalen Gruppen und Organisationen und auch von Wissenschaftlern scharf kritisiert. Selbst der rumänische Ministerpräsident Nastase und auch andere Politiker sprachen sich bereits mehrfach gegen das Projekt aus. Aber bisher wurde nichts gegen dieses Projekt unternommen. Im letzten Sommer schickte Greenpeace 25.000 Unterschriften und einen offener Brief an Nastase mit dem Appell, das Projekt zu beenden. Weil sich seitdem nichts bewegt hat, drängt Greenpeace den Ministerpräsidenten nun, die Aktivitäten der Minengesellschaft endlich für immer zu untersagen.

"Wir wissen, dass wir einen provokativen Weg gewählt haben um Herrn Nastase, die EU und die Welt auf das Problem aufmerksam zu machen, aber alle Versuche von uns und vielen anderen Organisationen hatten bisher keinen Erfolg", sagte Bogdan. Greenpeace fordert von Nastase, zwei Wochen vor den Präsidentenwahlen in Rumänien den Wunsch des rumänischen Volkes zu akzeptieren und das Projekt endgültig einzustellen.

Rückfragen & Kontakt:

MMag. Franko Petri, Pressesprecher Greenpeace, tel. 01-5454580-29 oder 0676-5147246.
DI Herwig Schuster, Greenpeace-Experte vor Ort in Bukarest, tel. 0664-4319214 (deutsch).
Anamaria Bogdan, Greenpeace-Sprecherin in Rumänien, tel. ++40-721-632396 (engl.).
Weitere Informationen: http://www.greenpeace.at/593.html oder www.rosiamontana.org.

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