"Kleine Zeitung" Kommentar: "Schwache Gegner garantieren Jörg Haiders Erfolg in Kärnten"

Ausgabe vom 15.11.2004

Graz (OTS) - Jörg Haider wollte immer Wahlen gewinnen und nicht Umfragen. In Kärnten ist er Sieger in beiden Fällen. Konnte er mit seinen Freiheitlichen am 7. März 2004 bei der Landtagswahl zur Überraschung aller den Erfolg des Jahres 1999 noch übertrumpfen, so legte er seither in der Gunst seiner Landsleute weiter zu. Derzeit halten die Kärntner Blauen einer OGM-Umfrage zufolge bei 45 Prozent Wähler-Zustimmung. Wenn Haider mit Neuwahlen und der absoluten Mehrheit kokettiert, ist ihm dies nicht zu verdenken.

Dieser Erfolg hat mehrere Väter. Haider selbst, der umtrieibig wie kein Zweiter durchs Land fegt und Dynamik verkörpert. Auch wenn er seine gelegentlich nicht so gute persönliche Befindlichkeit zur Schau trägt, ist er den Kärntnern lieb: Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, sit ein viel besungener Wesenszug der Kärntner. Haider polarisiert nicht mehr so stark, vermeidet viel mehr Konflikte wie früher und entwickelt sich mit seinen Umfragewerten in Richtung anderer Landeshauptleute. Ermöglicht wird ihm dies durch eine kluge Strategie. Haider hat sich über die Parteipolitik erhoben, spielt den Schiedsrichter. Das tägliche Hickhack überlässt er FPÖ-Obmann Martin Strutz und Landesfinanzreferent Karl Pfeifenberger.

Die jüngsten Zugewinne verdanken Haider & Co. der Selbstzerfleischung ihres roten Koalitionspartners. Weil SPÖ-Chef Peter Ambrozy seiner Partei nicht signalisieren wollte, dass er in absehbarer Zeit das Feld räumen werde, wurde er mit einem beispiellosen Streichkonzert auf dem Parteitag dazu gewzungen. Jetzt ist Ambrozy ein Parteichef mit Ablaufdatum und im Auftreten gegen über dem Koalitionspartner geschwächt. Der angebliche Richtungsstreit war ein vorgeschobenes Argument: selbst jene, die im März gegen die Koalition mit der FPÖ gestimmt haben, stellen sie heute nicht mehr in Frage. Das Obmann-Schlachten ist in der Kärntner SPÖ vielmehr seit 1989, seit sie die absolute Mehrheit verloren hat, ein stetes Ritual und der einzig gemeinsame Nenner.

Weil es an der klaren Parteichef-Alternative fehlt, wird die SPÖ weiter mit sich selbst beschäftigt sein. Die Schwarzen und die Grünen sind bemüht, aber zu klein, um den Freiheitlichen die Rolle der tonangebenden Partei streitig machen zu können. Die marode Finanzlage des Landes regt die Bevölkerung nicht auf, weil sie noch keine größeren Auswirkungen zu spüren bekommen hat. So ist Haider in Kärnten garantiert, was ihm auf Bundesebene versagt geblieben ist:
dauerhafter Erfolg mit seiner Partei. ****

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