Morak verleiht Erich Fried Preis 2004 an Brigitte Oleschinski

Wien (OTS) - "Die Erich-Fried-Gesellschaft hat in den letzten
Jahren mit ihren vielfältigen Aktivitäten wichtige literarische und kulturpolitische Akzente gesetzt und ist im literarischen Leben Österreichs bestens verankert", so Kunststaatssekretär Franz Morak, heute, Sonntag, anlässlich der Verleihung des Erich Fried-Preises der Internationalen Erich-Fried-Gesellschaft an die Lyrikerin Brigitte Oleschinski. Der Preis wird von der Republik Österreich gestiftet und ist mit 14.500 Euro dotiert. Juror und Laudator dieses Jahres war der heurige Georg Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino.

Ein Blick auf die klassischen literarischen Gattungen Prosa, Lyrik und Dramatik zeige, so Morak, dass die Lyrik in der so genannten Mediengesellschaft ein eher unauffälliges Dasein führe und dass Gedichte es besonders schwer haben, öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen. "Dennoch leben wir nach wie vor in einer Welt der Wörter und Sprachen. Erst mit unserer Sprache lernen wir zu denken und zu begreifen, erst mit unserer Sprache können wir unsere Erfahrungen mit anderen teilen, Vorstellungen über die Wirklichkeit entwerfen und uns über sie verständigen", so der Staatssekretär.

"Auch in Zukunft werden der Eigensinn, die Vielfalt und die Variationsfähigkeit der poetischen Sprache, die nicht auf Zerstreuung, sondern auf Konzentration und Verdichtung setzt, geschätzt werden. In diesem Sinne möchte ich Brigitte Oleschinski, die - wie Peter Demetz schreibt - ,zu jenen Autorinnen zählt, welche die Lyrik wieder zu einem Gegenstand ernster Diskussionen erheben', sehr herzlich zu dieser Auszeichnung gratulieren.

Gerade da Lyrik zumeist nicht jene Anerkennung erhalte, die ihr zustünde, seien literarische Vereinigungen wie die Erich-Fried-Gesellschaft, die Förderungen der öffentlichen Hand und vor allem die Auszeichnungen für außergewöhnliche literarische Leistungen in diesem Genre umso wichtiger, betotne Morak. "Vielleicht ist es auch ein Zeichen für die ungebrochene Lebendigkeit und Bedeutung dieser literarischen Gattung, dass sowohl beim Erich-Fried-Preis als auch beim Georg-Büchner-Preis immer wieder die Werke von Dichterinnen und Dichtern gewürdigt werden", so Morak abschließend.

Brigitte Oleschinski, 1955 in Köln geboren, arbeitete nach dem Studium der Politischen Wissenschaft in Berlin als Zeithistorikerin zu Fragen der politischen Repression in totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts. 1990 erschien ihr erster Gedichtband "Mental Heat Control" bei Rowohlt. Gemeinsam mit Durs Grünbein und Peter Waterhouse veröffentlichte sie 1995 "Die Schweizer Korrektur", eine viel beachtete dreistimmige Prosa-Partitur. 1997 publizierte sie ihren zweiten Gedichtband "Your Passport is Not Guilty", 2002 die poetologische Textsammlung "Reizstrom in Aspik. Wie Gedichte denken", 2003 folgte "Argo Cargo". Im Herbst 2004 erschien ihr neuer Lyrikband "Geisterströmung" bei DuMont. Seit kurzem betreibt Brigitte Oleschinski eine mit Ulrike Draesner initiierte Website, die sich mit den Themen der Dichtung im neuen Jahrtausend befasst (www.neuedichte.de).

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