Zu den in einigen Tageszeitungen erschienenen Berichten über die jüngste Bilanz der Vereinigten Bühnen Wien stellt der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Gerhard Weis, fest:

Wien (OTS) - Richtig ist, dass die Vereinigten Bühnen Wien "in der Vergangenheit unglaubliche Reserven anlegen konnten." Und das, obwohl die zugesagte jährliche Subvention durch die Stadt Wien in dieser Periode zunächst gedeckelt (also nicht wie zuvor üblich jährlich erhöht) wurde; auch die bis dahin gewährte Bundessubvention wurde zur Gänze und ersatzlos eingestellt.

Die "unglaublichen Reserven" waren Ergebnis einer besonders umsichtigen und kostenbewußten Geschäftsführung, in der nicht bloß die Kosten des laufenden Betriebes gesenkt, sondern auch neue Geschäftsfelder mit in der Folge erheblichen Einnahmen erschlossen worden sind. So wurde nicht nur das Ticketservice ausgebaut (z.B. läuft auch die Eishockey-WM über das neue Ticketingsystem und Callcenter) und eine Kulturmanagement- und Veranstaltungsgesellschaft mbH gegründet, sondern auch das Auslandsgeschäft massiv betrieben:
Produktionen der VBW brachten u. a. Lizenzgewinne in Deutschland, Schweden, Ungarn, den Niederlanden, Italien und Japan. Der Geschäftsumfang der VBW wurde somit in den letzten zehn Jahren systematisch und erheblich ausgeweitet und nur dank dieser zusätzlichen Einkünfte (Kulturexport) konnten beträchtliche Reserven angelegt werden.

In weiterer Folge wurden die Subventionen der Stadt Wien trotz gestiegener Kosten im Vergleich von 1992 zu 2003 um rund 6,9 Mio. EURO (ca. 94 Mio ATS) pro Jahr gesenkt. Die Stadt Wien hat in den letzten 10 Jahren deutlich weniger Geld für Musical ausgegeben als früher, von der öffentlichen Hand wurde für die Erhaltung und die Bespielung der Theater der VBW im Vergleich insgesamt deutlich weniger aufgewendet als für andere Großtheater.

Während in anderen Ländern Theater zugesperrt wurden, konnten in Wien - bei sinkenden Zuschüssen - kulturelle Arbeitsplätze erhalten und zum Teil auch ausgebaut werden. Die kulturpolitisch motivierte Entscheidung, das Theater an der Wien künftig als Opernbühne zu führen, weitet einerseits das Gesamtangebot aus, macht auf der anderen Seite aber den Aus- und Umbau des Ronacher notwendig. In diesem Haus soll künftig auch eine neue Form des Musik- und Unterhaltungstheaters geschaffen werden. Zwar gibt es keinerlei ernstzunehmende Hinweise darauf, dass die Gattung Musical in der Publikumsgunst generell verliert (ganz im Gegenteil setzen auch Österreichische Bühnen wie etwa die Volksoper auch auf Musicalproduktionen), dennoch soll aber das Gesamtangebot auch in dieser Hinsicht abgerundet und abgesichert werden. Künftig werden also die VBW für Oper, Musical und Unterhaltungstheater, aber auch für zeitgenössische Musik und Sondervorhaben wie das "Mozartjahr" stehen.

Die VBW konnten den Musicalexport etablieren und haben in den letzten 10 Jahren in mehr als 6 Ländern erfolgreich Wiener Originalproduktionen - neben "ELISABETH" insbesondere "TANZ DER VAMPIRE" und "MOZART!" - plazieren können, die bisher von 8.732.253 Besuchern gesehen wurden. Ins Gewicht fällt auch die Bedeutung für den Wiener Tourismus: Nicht weniger als ca. 23 % der Wienbesucher kommen auch wegen Musical nach Wien. Anders als die Stammkunden der Salzburger Festspiele oder der Staatsoper reagieren aber nach Auskunft der Meinungsforscher die Musicalbesucher auf Krisen (z.B. Überschwemmungskatastrophen, Irak-Krieg, "11. September", Konjunkturschwäche) deutlich stärker.

Bei den als "Eigenkapital" bezeichneten Beträgen handelte es sich um sogenannte gebundene Rücklagen, die mit Zustimmung der Eigentümer für genau definierte Zwecke aus Auslandseinnahmen und Mehrerträgen gebildet wurden. Dazu gehörten der Ausgleich von Mindereinnahmen in wirtschaftlich schwächeren Perioden, die Investition in zusätzliche Produktionen und in bauliche Sanierungsmaßnahmen, die bei anderen Theatern üblicherweise durch Zusatzsubventionen abgedeckt werden. Es erfolgten also keine Eigenkapitalverluste, sondern nur die Verwendung genehmigter und zweckgebundener Mittel, die zu diesem Zweck als Rücklagen gebildet worden waren.

Die VBW haben aus diesen Rücklagen zum Beispiel die Paulus Manker Produktion "FALCO", die von der damaligen Kulturpolitik ausdrücklich gewünscht worden war, allein finanziert, nachdem die ursprünglich in Aussicht gestellte Ausfallshaftung der öffentlichen Hand nicht gewährt werden konnte. Bei dieser Produktion im Ronacher handelte es sich um eine Zusatzproduktion, bei der klar war, dass eine Finanzierung aus Karteneinnahmen allein nicht möglich sein wird. Die VBW haben auch die kostenintensive Renovierung des Theater an der Wien mit 10 Mio. EURO (ca. 140 Mio. ATS) zur Gänze aus gebildeten Rücklagen bestritten.

Die angesichts der überragenden Publikumserfolge von ELISABETH, TANZ DER VAMPIRE oder MOZART! deutlich schwächeren Ergebnisse bei WAKE UP (insgesamt wurde aber auch WAKE UP doch von mehr als 305.000 Besuchern gesehen!) oder JEKYLL & HYDE sollen nicht beschönigt werden: Selbstverständlich ging man auch bei diesen Titeln mit größeren Erwartungen an die Produktion. Es liegt aber in der Natur eines Theaterbetriebes, dass hohe Erwartungen nicht immer auch erfüllt werden können. Für die Neuproduktion ROMEO & JULIA (Premiere am 24. Februar 2005) laufen die Kartenvorbestellungen wieder auf höchst erfreulichem Niveau.

Die VBW haben mit einem Einspielziel von rund 70 % ein auch im internationalen Vergleich sehr ambitioniertes wirtschaftliches Ziel. Bei der erfolgten deutlichen Reduktion der jährlichen Subvention war klar, dass dies ohne deutliche Einschränkung des Betriebes in wirtschaftlich schwächeren Zeiten nur durch teilweisen Einsatz von Rücklagen möglich sein wird. Darauf wurden Eigentümer und Subventionsgeber wiederholt hingewiesen. Es war ein klarer Auftrag der Eigentümer, der deutlichen Senkung der Subventionen den Vorzug zu geben und dafür Rücklagen abzubauen. Dieser Maßnahme ist es aber auch zu verdanken, dass die VBW in den letzten 10 Jahren - anders als früher - keine Nachtragssubventionen brauchten.

Zur Gewährung einer Prämie in der Höhe von 3 Monatsgehältern an den Generaldirektor ist festzuhalten, dass es sich dabei um Teil der Gesamtvereinbarung handelt. Ohne Zweifel wäre das Jahresergebnis ohne die vorgenannten Initiativen deutlich schlechter ausgefallen. Den rechtzeitigen und erfolgreichen Bemühungen des Generaldirektors ist es zu verdanken, dass die VBW über Rücklagen verfügen, die letztlich wiederum eine ausgeglichene Bilanz möglich machten. Dazu kommt noch, dass der mit der Ernennung zum Generaldirektor verbundene gestiegene Arbeits- und Verantwortungsbereich zu unveränderten Vertragskonditionen von Franz Häußler erbracht wird.

Grundsätzlich ist zu betonen, dass sich der Aufsichtsrat der VBW in Übereinstimmung mit der Geschäftsführung wiederholt für den Aufbau von Reserven ausgesprochen und an die verantwortlichen Politiker appelliert hat, die Stärkung des Eigenkapitals zuzulassen.

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